Wenn der Bär den Rucksack zerwühlt

In einer Multi-Visionsshow präsentierte der Berliner Fotograf und Journalist Roland Marske im Königlichen Kurhaus eine eindrucksvolle Reisereportage mit Bildern aus der Wildnis quer durch Kanada und Alaska.

Von Steffen Adler

Bad Elster - Roland Marske gehört zu den Gründern von "Jules Verne Reisereportage", einem Team von sieben Fotografen und Journalisten, die mehrere Monate im Jahr kreuz und quer über den Globus unterwegs sind, um die außergewöhnlichsten Flecken unserer Erde zu besuchen. Mit seinen beeindruckenden Bildern einer unberührten und erstaunlich vielfältigen Naturlandschaft mit weiten Prärien, riesigen Wäldern, baumlosen Tundren und Eiswüsten, durchzogen von einem Labyrinth mächtiger Flüsse, fesselte er rund 50 Zuschauer, die gespannt seine abenteuerliche Reise verfolgten. 
Alyeska - "Großes Land" - so nannten die Indianer einst die endlosen Weiten im Nordwesten des amerikanischen Kontinents. "Diese unendliche Weite und ungezähmte Wildnis, wo man plötzlich auch einem Bär gegenübersteht ist sehr reizvoll", beschreibt Marske seine Eindrücke einer menschenleeren und stillen Gegend, in der man das Gefühl hat, allein auf der Welt zu sein und "dass man in einer Großstadt wie Berlin nie haben kann." In atemberaubenden Bildern präsentierte er seine Reise durch Alaska und Kanada, größtenteils fernab der großen Touristenorte zu unterschiedlichen Jahrszeiten in einmaliger Schönheit. Die Bilder von kristallklaren Seen, schneebedeckten Bergketten und gigantischen Gletschern oder auch Tälern, durch die sich einsame Straßen und Wege schlängeln, hat Marske auf bemerkenswerte Weise in seinen Fotos festgehalten. Besonders faszinieren seine Fotos von Bären, Elchen, Adlern und Wölfen in einsamer Wildnis. "Die ersten Begegnungen mit einem Bär allein in dieser Wildnis ließen mir die Hände zittern und ein heißer Adrenalinstoß durchfuhr mich, wenn er den Rucksack vor dem Zelt durchwühlte", berichtete der Reisejournalist und gab den Zuschauern auch wertvolle Tipps für richtiges Verhalten, sollte man selbst einmal in ähnliche Situationen geraten. 
Mit einigen historischen Fotos gab er auch einen kleinen Einblick in die Geschichte und folgte den Spuren des Klondike-Goldrausches, der ab 1896 hunderttausende von Goldsuchern an den Klondike River bei Dawson auswandern ließ und dabei auch den Lebensraum und die Lebensgrundlage der ansässigen Indianer stark dezimierte. Auf seiner Reise entführte er die Zuschauer weiter nach Vancouver, Kanadas Traumstadt am Pazifik, im Südwesten von British Columbia an der Westküste Kanadas, die sich in Folge der Einwanderungswelle während des Canyon-Goldrausches innerhalb weniger Jahrzehnte von einer kleinen Sägewerkssiedlung zu einer Metropole entwickelte. 
Der rund zweistündige Vortrag führte außerdem in die Regenwälder Vancouver Islands und in den Pacific Rim National Park mit seiner besonderen Flora und Fauna sowie Bildern von magischen Momenten beim Auftauchen von großen Walen, die mit ihren massigen Körpern auf das Wasser aufschlagen. 
Auch einige imposante Impressionen aus den berühmten Nationalparks Jasper, Banff und Waterton Lakes in den kanadischen Rocky Mountains gab es zu sehen, bevor die Zuschauer entlang des legendären Alaska-Highway eine traumhafte Landschaft auf der Kenai-Halbinsel mit beachtlichen Gletschern, imposanten Fjordküsten und Flüssen bestaunen konnten. 
Dann führte die Reise in Richtung Norden unter anderen auch in den Denali-Nationalpark, der sich in der zentralen Wildnis von Alaska auf einer gigantischen Größe von 24 500 Quadratkilometern erstreckt. In den Bildern der Landschaft aus Tundra, Fichtenwäldern und Gletschern, die auch Lebensraum für zahlreiche Wildtiere wie Grizzlybären, Wölfe, Elche, Karibus ist, gewährte Marske auch einen Blick auf den Mount McKinley, dem mit 6190 Metern höchsten Berg Nordamerikas. 
Weiter führte der Ruf der Wildnis dem Dalton Highway folgend, der 1974 innerhalb von nur fünf Monaten gebaut wurde und auf insgesamt 666 Kilometern nach Norden durch eine fast menschenleere und unberührte Natur führt. Über weite Strecken verläuft parallel der Straße die Trans-Alaska-Pipline. Nur wenige Siedlungen existieren an der meist schlecht zu befahrenden Straße, die lediglich Servicestationen für die LKW großer Ölförderunternehmen sind. Der Dalton Highway endet in Deadhorse, nur wenige Kilometer vor dem Polarmeer. Von den Anlagen des Prudhoe Bay Ölfeldes führte die Reise anschließend durch eine vegetationslose Taiga zum Nordpolarmeer, wo Marske mit der Kamera die flackernden Nordlichter über den Himmel eingefangen hat und sich mit letzten stimmungsvollen Motiven am Nordpolarmeer von den Zuschauern verabschiedet.