Wenige Intensivbetten belegt

"Die Corona-Maßnahmen haben sich bewährt", sagt Amtsärztin Kerstin Zenker. Grund zur Entwarnung gebe es aber nicht. Eine große Herausforderung ist die Beschaffung von Schutzkleidung.

Von Mario Wild

An diesen Anblick wird man sich ab Montag gewöhnen müssen: In Geschäften und im Nahverkehr herrscht Maskenpflicht. Im Falle eines Falles tut es aber auch Schal oder Tuch: "Mund und Nase müssen bedeckt sein", so Amtsärztin Kerstin Zenker.
Im Vogtland hätten sich die Corona-Krankheitsfälle (insgesamt 270) bisher "im Rahmen gehalten", konstatierte Zenker. Ein Beleg: Derzeit sind nur neun von 124 zur Verfügung stehenden Intensivbetten für Corona-Patienten belegt. Noch sei es aber zu früh, diese Reserven aufzugeben. Man dürfe aber nicht denken, dass die Gefahr gebannt sei.
Deshalb bemüht sich der Landkreis intensiv um den Kauf von Schutzausrüstungen. Zwei Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. "Einen durchschlagenden Erfolg" hat es bisher nicht gegeben, räumte Landrat Rolf Keil ein. Vieles wurde bestellt, beispielsweise 460.000 Mund-Nasen-Schutzmasken. Aber nicht alles sei in ausreichendem Maße erhältlich. Vor allem die Beschaffung von Schutzkitteln (10.000) und Schutzanzügen (3000) gestaltet sich schwierig. Beides habe man bisher nicht bekommen - eine Herausforderung für den Arbeitsstab Corona, der wochentags täglich um 9 Uhr tagt.
Mit Hochdruck wird im Bund an der Corona-Tracking-App gearbeitet - wann diese einsatzfähig ist, steht allerdings eher in den Sternen. Der Vogtlandkreis will sich wappnen, und demnächst eine weitere Hotline einrichten, an der Fragen bezüglich dieser Angelegenheit beantwortet werden. "Sollte eine solche App kommen und daraufhin die Richtung zu Massentests gehen, dann stünden laut Keil die Musikhalle Markneukirchen und die Festhalle Plauen zur Verfügung. Einen weiterer Standort im Göltzschtal soll es ebenfalls geben.
Deutlich näher liegt der Schulbeginn - zumindest für die Prüfungsklassen. Die müssen am Montag wieder ran. Ab 4. Mai beginnt der Schulalltag für die Klassenstufen vier, neun und elf. Noch keinen Termin gibt es für die Wiederöffnung von Grundschulen und Kitas. "Das wird wohl noch längere Zeit dauern", so Keil. Derzeit nehmen 5,5 Prozent der Jungen und Mädchen im Vogtland eine Notbetreuung in Anspruch - das entspricht 435 Kindern. Die Verantwortlichen rechnen mit einem erhöhten Betreuungsbedarf, wenn ab kommender Woche einige Läden öffnen und die Wirtschaft langsam wieder hochgefahren werde.
Ob die Dauer-Camper an den Talsperren Pöhl und Pirk in ihre Parzellen dürfen, ließ Landrat Keil gestern Vormittag offen. In dieser Angelegenheit gab es noch Redebedarf mit den Ministerien in Dresden. "Wir wollen das eindeutig geklärt haben", so Keil. Sollte eine Öffnung erfolgen, dann mahnte Keil strikte Disziplin an. "Das Virus warte nur auf Angriffsflächen".
Weniger rosig sieht es bekanntlich mit Großveranstaltungen bis Ende August aus. Deshalb wird wohl auch der Tag der Vogtländer dran glauben. Eine formelle Absage steht aus, aber "wir gehen davon aus, dass er nicht stattfinden kann", so Landrat Keil nach einem Gespräch mit Schönecks Bürgermeisterin Isa Suplie. Die Veranstaltung wird wohl auf das kommende Jahr verschoben werden. "Priorität haben andere Dinge. Zunächst müssen Schule und Wirtschaft wieder in Gang gebracht werden", so Keil.
Wo drückt der Schuh derzeit am meisten? "Ein großes Problem ist die gesamte touristische Schiene". Der Umsatz ist weg und kann nicht nachproduziert werden". Wir würden uns beispielsweise wünschen, dass die Gastronomie vor allem im ländlichen Raum bald wieder anlaufen könnte", so der Chef des Vogtlandkreises. "Sein" Landratsamt hält zunächst bis zum 11. Mai an den derzeit gültigen eingeschränkten Öffnungszeiten fest, Mitte Mai sollen auch die ersten "herkömmlichen" Ausschusssitzungen stattfinden. Der nächste planmäßige Kreistag steht im Juni auf der Tagesordnung.
Ab Montag werden die kommunalen Wertstoffhöfe Plauen, Oelsnitz, Schneidenbach und Falkenstein wieder für "Otto Normalverbraucher" offen sein - ein regelrechter "Ansturm" dürfte alles andere als unwahrscheinlich sein. Das bleibt den Einkaufszentren des Vogtlandes vorerst erspart. Die müssen laut Verordnung der Staatsregierung geschlossen bleiben. Ausnahmen bilden die Geschäfte, die bereits in den vergangene Wochen öffnen durften.
Überstanden ist Corona im Vogtland wohl noch lange nicht - im Gegensatz zur Grippe-Saison. Laut Amtsärztin Zenker wurden innerhalb von elf Wochen 1165 Influenza-Fälle registriert, es gab zwei Todesopfer.