Weltstar mimt Ikone

Weltstar Ute Lemper erinnert mit einer sehr gefühlsbetonten Hommage an das bunte und glamouröse Leben der Sängerin und Hollywoodikone Marlene Dietrich im ausverkauften König Albert Theater.

Steffen Adler

Bad Elster Weltstar Ute Lemper erinnert mit einer sehr gefühlsbetonten Hommage an das bunte und glamouröse Leben der Sängerin und Hollywoodikone Marlene Dietrich im ausverkauften König Albert Theater. In ihrem Programm "Rendezvous with Marlene" schlüpfte sie in einem schwarzen, hochgeschlitzten Kleid im Zwiegespräch überzeugend in die Rolle der berühmten Sängerin und Schauspielerin, die auch zu einem Idol der sich emanzipierenden Frauen zwischen den Weltkriegen wurde. Lempers Rendezvous mit Marlene Dietrich basiert auf einem dreistündigen Telefonat, dass sie 1988 in Paris mit ihr geführt hat.
Lemper stand als Nachwuchsstar zu jener Zeit gerade am Anfang ihrer Theater- und Musikkarriere. "Damals spielte ich gerade die Sally in Cabaret", erinnert sich Lemper. "Das war ein großer Erfolg, der mir zum Titel einer neue Marlene verhalf" fügt sie an. Gerade deshalb hatte sie einst einen Brief an die betagte Diva geschrieben und einige Zeit später mehrere Stunden mit dem legendären Star telefoniert. "Ich war damals 24 und Marlene 87", berichtet Lemper. "Ich habe einen Brief bekommen, von einer jungen Deutschen. Süß, ich werde sie mal anrufen", intoniert Lemper als Marlene Dietrich. Einsam und zurückgezogen in einer kleinen Pariser Wohnung lebend, ist das Telefon der einzige Kontakt zur Außenwelt für den einstigen Star Marlene Dietrich, die Ende der 80er Jahre ihr Gesicht nicht mehr öffentlich zeigen wollte. Sie plaudert mit Lemper über ihr Leben als gefeierter Star, über ihre große Liebe zu Rainer Maria Rilke und zum französischen Filmschauspieler Jean Gabin und ebenso über ihre Liebhaber und auch Frauen, zu denen sie sich hingezogen fühlte. Aber auch über ihre Einsamkeit, den Krieg und das Buch ihrer Tochter, von dem sie nicht wollte, dass es je veröffentlicht wird, erfahren die Zuschauer. "Sag mir wo die Blumen sind" singt Lemper begleitet von ihrer Live-Band das Antikriegslied, das auch Marlene Dietrich 1962 in Düsseldorf im Rahmen eine Gala der UNICEF gesungen hat. "Ich würde an diesem Abend gern noch mehr für Sie singen, aber nach diesem Lied kann man ja gar nichts mehr singen", flüstert Ute Lemper in der Rolle als Marlene und erinnerte an die Zeit in der sich Dietrich weigerte, den Nationalsozialismus zu unterstützen und stattdessen den nach Amerika ging und für die Ufa in Hollywood Filme drehte.
"Das Land der Dichter und Denker hat seine Seele verloren", führt Lemper als Marlene aus, nachdem viele ihrer Landsleute sie als Vaterlandsverräterin beschimpft hatten, weil sie sich während der Zeit des Nationalsozialismus nach Amerika absetzte und eigentlich nie wieder nach Deutschland zurückkehren wollte. Dennoch schaffte sie ihren erfolgreichen Karrierestart noch in Deutschland in der Hauptrolle als fesche und verführerischen Lola im Film "Der blaue Engel".
Ganz in dem berühmten Stil wie einst Marlene Dietrich interpretierte auch Ute Lemper mit Zylinder und Zigarette die berühmten Songs "Ich bin die fesche Lola" sowie "Illusions", zu der sie ihre langen Beine übereinander und in die Höhe streckt. "Denken wie ein Boss, benehmen wie eine Lady", verrät Marlene der jungen Lemper, wie sie sich die Rolle der Lola einst eroberte.
Lemper erfährt unter anderen auch von ihrem Freund und Liebhaber Billy Wilder und präsentiert dazu den Song "Just a Gigolo". Besonders aber war Marlene auch von schönen Frauen angetan wie Edith Piaf und Lemper lässt gefühlvoll "Je t‘aime petit Edith" für den berühmten Spatz von Paris erklingen. Die Zuschauer erfahren ebenso, wie Regisseur Josef von Sternberg Marlene Dietrich in den USA den Weg zur Stilikone Hollywoods ebnete und wie sie als berühmter Star vor amerikanischen und alliierten Soldaten "Lili Marleen" sang, das zum klassischen Soldatenlied wurde und mit dem Ute Lemper auf der Bühne ebenso begeisterte.
Sehr berührend sang Ute Lemper auch das Schlaflied "Ich kauf dir einen Teddybär", dargeboten in Bezug auf die durch zu wenig Zeit und Zuwendung verlorenen gegangene Beziehung von Marlene zu ihrer Tochter. "Ich habe viele Jahre gebraucht, um in ihre Geschichte hinein zu sinken", verkündet Lemper, die eng verbunden mit Marlene Dietrich scheint, sollte sie doch auch selbst 1992 in Berlin die Lola spielen. "Marlene starb 10 Tage vor der Premiere", erinnert Lemper, singt das unsterbliche "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" und erntet am Schluss einen Standing Ovations.