Weischlitzer Tankstellen-Überfall: Oma Hilde lässt Täter abblitzen

Der Überfall auf eine Tankstelle in Weischlitz ist am Mittwoch glimpflich ausgegangen. Eine 85-Jährige hat den Täter abblitzen lassen. Fast könnte man denken, die coole Oma hat in einem Krimi mitgespielt.

Weischlitz - Gulf-Tankstelle, Plauener Straße 35: Manuela Gumpert ist eine der Angestellten. Sie hat den Überfall 10.30 Uhr nicht selbst erlebt - aber von ihren Kollegen gehört, wie es sich zugetragen hat. Sie berichtet:

Der Täter war nicht maskiert. Er kam in den Tankstellen-Shop, hat mit einer Pistole gedroht und eine Plaste über den Tresen geworfen mit den Worten "Geld her." Dort befand sich Hilde Horvath, die 85-jährige Senior-Chefin. Die Oma öffnete ihre Weste mit zwei Händen und schleuderte dem Täter entgegen: "Ich habe kein Geld." Damit ließ sich der Mann nicht abspeisen - dann wolle er das Geld aus der Kasse, sagte er. Doch auch darauf hatte die Oma eine Antwort: "Die Kasse ist abgeschlossen und den Schlüssel hat der Chef."

Dazu muss man wissen, dass der Chef ihr Enkel Peter Horvath (42) ist und der saß im Hinterzimmer. Per Überwachungskamera hatte er den Überfall mitbekommen - und die Polizei alarmiert. Danach betrat er den Verkaufsraum. Das wiederum verunsicherte den Täter augenscheinlich und er suchte das Weite. Laut Polizei fuhr er mit einem Renault von dannen. Innerhalb kürzester Zeit erschien die Polizei - die Beamten hatten im Gewerbegebiet zu tun gehabt, als der Notruf eintraf. Alle wunderten sich über den Mut von Oma Horvath. Die sagte bloß: "Ich wollte nicht, dass meinem Enkel was passiert. Bei mir wäre es nicht so schlimm - ich bin schon alt."

Die alte Dame ist eine Institution in Weischlitz. Jahrzehnte lang hat sie die Tankstelle geführt und noch jetzt arbeitet sie stundenweise im Betrieb. Überfälle hat es nach Angaben der Angestellten Manuela Gumpert bisher nicht gegeben: "Nur voriges Jahr, in der Weihnachtszeit, hat jemand einen Gullydeckel in die Eingangstür geworfen." Der Täter hat sich indes eine halbe Stunde später im Polizeirevier Plauen gestellt, kaum dass die Großfahndung nach ihm ausgelöst worden war. Beim Untersuchen stellte sich heraus, dass die Tatwaffe eine Schreckschosspistole ist.

Laut Polizeisprecher Jens Scholze ist der Mann kein Unbekannter: Der 37-Jährige ist in Plauen geboren und war Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre in einige Delikte verstrickt: Fahren ohne Fahrerlaubnis, Sachen mit Drogen, kleine Diebstähle. "Seit einigen Jahren hat er in Berlin gewohnt, aus dieser Zeit sind uns keine Delikte bekannt."