Weischlitzer sieht Wende als Segen

"Ich weiß, dass die Deutsche Einheit nicht allen Menschen Glück brachte. Für mich aber war sie ein Segen." Das sagt Klaus Winkler. Der 1940 Geborene ist in Weischlitz bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Bei der ersten freien Wahl 1990 kandidierte er für den Gemeinderat, zog ins Parlament ein und vertritt bis heute die Interessen der Weischlitzer - auch als stellvertretender Bürgermeister.

 

 Er macht das mit Nachdruck, Sachverstand und Konsequenz und - wie schon zu DDR-Zeiten ohne Parteibuch. "Ich habe zwar für verschiedene Listen kandidiert, aber Parteienpolitik gehört nicht in den Gemeinderat eines Dorfes", ist er überzeugt, dass in Weischlitz ohnehin die Person, nicht die Partei gewählt wird.

Winkler vertritt seine Meinung laut und deutlich - eine Fähigkeit, die er als Berufsschullehrer, zuletzt in der Erwachsenenbildung bei der Bahn, erworben habe. Mit 55 Jahren wechselte er 1995 in den Vorruhestand. Da war Deutschland fünf Jahre vereint. Die Bahn hatte für ihre Mitarbeiter gut gesorgt. "Die Sorgen und Nöte vieler anderer haben mich und meine Familie zum Glück nicht getroffen." Die Pension reicht zum Leben, freilich hätte er als West-Bahner heute mehr auf seinem Konto. "Wenngleich es mir gut geht, finde ich nicht alles gut, was derzeit in der Politik läuft."

Am meisten stört ihn die "gepflegte" Ungleichbehandlung von Ost- und Westarbeitern, von Ost- und West-Rentnern. Als Kommunalpolitiker jedoch tut er, was in seinen Kräften steht, um sein Weischlitz zu einem attraktiven Wohnstandort zu entwickeln. Mit dem Abriss von Diska und VEAB-Gebäude sind fast alle Industriebrachen verschwunden. "Es ärgert mich, dass mit den alten Stallungen in Rosenberg und dem alten Kartoffellagerhaus am Globus nichts vorwärts geht."

Andererseits, fast alle privaten Gebäude sind saniert und instand gesetzt. Auch das Haus von Klaus Winkler an der Plauener Straße. Dort hat er während seines Vorruhestands eine "neue Arbeit" gefunden. Einer seiner Söhne lebt mit im Haus, der zweite hat ein eigenes Haus im Ort gebaut. "Die Mieten decken die Ausgaben für Instandhaltungen ab. Zu DDR-Zeiten hatte ich gerade mal zehn Mark pro Monat und Wohnung für Reparaturen übrig. Damit kann man nicht modernisieren", sieht der Mann hier einen weiteren Aspekt der Wiedervereinigung, die er als Glücksumstand für sich bezeichnet. Klaus Winkler gehört zu den Glückspilzen der Wiedervereinigung. Aber er sieht auch das Leid seiner Mitmenschen.

 

 Als zweiter Bürgermeister kämpft er für alle, die seine Hilfe brauchen. Das macht er bestimmt - aber fair. Auch, wenn der Rat hinter verschlossenen Türen tagt. "Ich freue mich, dass wir so viele junge Gemeinderäte haben. Dazu einen jungen Bürgermeister, der von Beginn an mein Wunschkandidat war." Streit um Sachthemen sei unter Bürgermeister Müller und Raab in gleichem Maße gewollt und gelebt. "Ordnung muss herrschen. Doch noch nie hat es ernste Streitereien bis ins Persönliche gegeben." An Geburtstagen und anderen Anlässen sitze man auch mal zusammen. "Doch in der Ratssitzung hat Alkohol nichts zu suchen", grenzt sich Winkler von anderen Gemeinden ab.

Ob Klaus Winkler zur nächsten Wahl nochmals antritt, steht in den Sternen. "Ich bin kein Heesters." Doch Winkler ist fit wie ein Turnschuh, steigt noch heute aufs Dach seines Hauses, wenn es sein muss. Er gestaltet die Eingemeindung von Burgstein "nicht ganz freiwillig" nach Weischlitz mit, und er hofft trotz wichtiger und großer Betriebe im Ort auf eine intensivere Auslastung der Gewerbeflächen. "So ist das. Was man hat ist gut, doch jeder möchte mehr."