Weihe für den Sperkenbrunnen

Oelsnitz - Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Ein umfangreicher Quader aus blauen Plastikplanen ist seit Mittwoch mitten auf den Oelsnitzer Marktplatz gepflanzt. Darunter verbirgt sich einstweilen noch der neue Sperkenbrunnen, welcher am morgigen Samstag eingeweiht wird. Das achteckige Becken aus Granit aus der Steinmetzwerkstatt Ballmann hält seit der Baufreigabe des Marktplatzes vergangenen Herbst die Stellung - abgedeckt mit einer Haube.

Das Rathaus macht es spannend - die Brunnenplastik von Peter Luban, welche die starke Mittelsäule krönt, ist extra verhüllt. Gelüftet wird der Vorhang am Samstag, 15 Uhr, durch Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius. Die Turmbläser stoßen bereits gegen 11 Uhr in die Hörner zum Auftakt des Oelsnitzer Sommermarktes. Das Jugendschalmeienorchester Plauen 1955 spielt, und ab 14 Uhr hat das Bundespolizeiorchester Berlin seinen großen Auftritt. Böllerschüsse kündigen dann am Nachmittag den Höhepunkt an - den Premierenauftritt der Bronzeplastik "Sperkensaga".

Bekanntlich sollte der geheimnisvolle Zauberer, welcher die Oelsnitzer vorzeiten in Sperken verwandelt hat, am Galgen baumeln. Das gelang zwar nicht, wird aber nun vom frechen Volksmund aufgegriffen. Der spricht bereits von der ersten "Hinrichtung", die am Samstag erfolgt.

Von einem Galgen ist im Entwurf des Rößnitzer Künstlers nichts zu erblicken. Neben den Bronzefiguren der "Saga" ist lediglich ein "Scheiterhaufen" geschichtet, wie Luban im Gipsmodell gezeigt hatte.

Aus 25 Düsen wird sich das Wasser in feinem, doch kräftigen Strahl über die Figuren beziehungsweise aus ihnen ergießen. Für die zauberhaft (un-)heimliche Geschichte als Grundidee des Wasserspenders hatte sich der Oelsnitzer Stadtrat unter elf Gestaltungsvorschlägen entschieden. Die Saga, welche erklärt, warum die Oelsnitzer "Sperken" heißen, seien ein Alleinstellungsmerkmal, hieß es.

In einer "Generalprobe" wurde kürzlich erkundet, ob die Technik funktioniert und die Wassermenge stimmt, berichtete Peter Luban auf Anfrage. Der Künstler ist am Samstag vor Ort. Ein halbes Jahr liegt hinter ihm, in dem er in der Gießerei Becher in Marienbad mit am Bronzeguss der Figuren arbeitete, der in mehreren Teilen erfolgte. Hinter den blauen Planen wird zur Zeit noch angestrengt geschafft. Steinmetzmeister Jörg Keller (Firma Ballmann) und Tino Höfer (Firma Söll) dichteten Fugen ab.

 Der fünf Meter im Durchmesser zählende, noch trockene Granittrog wirkt sehr gediegen. Sein Vorbild war das achteckige Wasserbecken mit der neogotischen Mittelsäule, das nach dem Zweiten Weltkrieg unter unbekannten Umständen verschwand.

Es bildete Ende 1870 auf dem Marktplatz die neue, an die städtische Wasserleitung angeschlossene Errungenschaft, die an die Stelle des 1701 errichteten Wasserkastens trat (Chronist Jahn). Der Oelsnitzer Marktbrunnen hat damit eine über 300-jährige Tradition. Innerhalb der Neugestaltung im vergangenen Jahr wurde der Marktplatz in Form eines Teppichmusters wieder mit Naturstein gepflastert.

So fein ging es noch vor 175 Jahren nicht zu. Erst 1834 verbot die neue Gemeindevertretung "das freie Herumlaufen der Gänse, Schweine und Hunde auf dem Markte bei namhafter Strafe".

Mit der Pflasterung, die sich stellenweise wellig ausnimmt, gibt es Probleme. Über die Qualität der Arbeiten beschwerte sich Anwohner Bernd Schubert zur jüngsten Sitzung des Bauausschusses in einem Schreiben ans Rathaus. Der Lärmpegel des Verkehrs auf dem Pflaster lasse die Familie nachts nicht schlafen, erklärte er auf Anfrage. Wie Schubert beobachtet hatte, müssen bereits Lücken durch lockere Steine und zu breite Fugen ausgebessert werden.

Zum Sommermarkt am morgigen Samstag bieten zahlreiche Händler und Gewerbetreibende ihre Dienste an. Für die Kinder dreht ein Karussell seine Runden, außerdem kann gebastelt werden. Vom Markt aus kann man beim Schloss Voigtsberg vorbei schauen, wo am Vormittag die Fredo-Bley-Ausstellung eröffnet wird. Der Tag vor der Kommunal- und Europawahl ist in Oelsnitz gespickt mit Kultur.  R.Wöllner