"Weidmannsruh" aufgewacht

Gäste aus Thüringen haben einen anderen Namen für die Gaststätte bei Leubnitz in der Nähe von Werdau als Besucher aus Sachsen. Der Ausflugsort hat gerade den "Kloßvogt-Wettbewerb" des Tourismusverbandes Vogtland gewonnen.

Leubnitz/Werdau - Die älteste Abbildung der "Weidmannsruh" zeigt das Wirtshaus im Jahre 1888 - gleich neben dem Forsthaus. 25 Jahre später entstand daraus das neue Restaurant "Weidmannsruh". Im Jahr 2000 wurde das Gebäude grundhaft saniert.
An der Wand des Gebäudes prangt die Kopie von "Zedels Bild", das im Werdauer Museum hängt: "Deshalb sagen Gäste aus Thüringen ,Bildhaus' zu unserer Ausflugsgaststätte, während die aus Sachsen von ,Weidmannsruh" sprechen", erklärt Pächter André Diegnitz. "Wir haben 135 Sitzplätze in verschiedenen Räumen, wie der Hubertusstube."
Der Chef hat das Haus nach Corona wieder eröffnet (Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 20 Uhr) - und sucht händeringend Leute, wie er sagt. "Für Küche und Service, auch Aushilfen."
Wie findet man das Gasthaus? Entweder fährt man über Leubnitz beziehungsweise Teichwolframsdorf und dann weiter über die so genannte Waldautobahn bis zum Abzweig, der direkt zum Ziel führt.
In der "Weidmannsruh" kommt viel Wild auf den Tisch - aus dem umliegenden Werdauer Wald. "Wir tischen gut bürgerliche Küche auf, in moderner Form. Das Fleisch lösen wir selbst aus und kochen traditionell, ohne schädliche Zusatzstoffe", erklärt Diegnitz, der nach eigenen Worten Wert auf Gewürze legt, die ohne Hefe oder Glutamat auskommen.
2002 wurde das Haus mit einer Urkunde des Landkreises gewürdigt - als "Behindertenfreundliche Einrichtung": Die Türbreite misst mehr als 80 Zentimeter, der Zugang zur Gaststube ist stufenlos und es gibt eine Behindertentoilette.
Pächter Diegnitz hat Koch gelernt auf Schloss Schweinsburg in Neukirchen an der Pleiße. "Dann ging ich nach Berlin, arbeitete im Willy-Brandt-Haus, ehe ich zurückfand in die Heimat, wo ich noch meinen Fleischerschein gemacht habe." Wie der 36-Jährige sagt, war er danach zehn Jahre in der "Weidmannsruh" angestellt, ehe er 2017 selbst der Pächter wurde.
Bleibt die Frage: Warum heißt die Gaststätte "Weidmannsruh" und nicht "Waidmannsruh"? Laut Internet-Recherche wird "Weid" im Allgemeinen mit ei geschrieben. "Die Form mit ai ist in neuer Rechtschreibung jedoch ebenfalls korrekt. Die ai-Schreibung wird fachsprachlich, also in der Sondersprache der Jäger, sogar bevorzugt, obwohl sie sprachgeschichtlich nicht begründet ist. Sie erklärt sich vermutlich daraus, dass die Schreibweise mit ai in einigen alten bayerischen und österreichischen Quellen vorkommt."
Übrigens habe der der DDR-Duden als Schreibweise "ei" festgelegt. Der gesamtdeutsche Duden nach den Rechtschreibreformen, lässt beide Schreibweisen zu, favorisiert jedoch das "Weid".

Stichwort: Kloßvogt-Wettbewerb

Der Kloßvogt-Wettbewerb des Tourismusverbandes Vogtland fand zum 14. Mal statt - mit dem Vogtland-Anzeiger als Kooperationspartner: In diesem durch Corona unterbrochenem Wettbewerbsjahr beteiligen sich acht Gaststätten zwischen Gera und Bad Elster. Ziel des Wettbewerbs ist es, die Küche der Region den Vogtländern und ihren Gästen vorzustellen.
Derzeit wird im Tourismusverband diskutiert ob und wie der Wettbewerb fortgesetzt wird. Auf jeden Fall gibt es am 9. August eine Abschlussveranstaltung der 14. Ausgabe mit allen Teilnehmern - im Gasthof Wetzdorf, dem Sieger Nr. 13. Dort wird der Wanderpokal noch einmal offiziell überreicht. ufa