Weichen gestellt bis Wernesgrün

Die Eisenbahn kehrt in die erzgebirgisch-vogtländische Grenzregion zurück. Das ehrgeizige Tourismusprojekt wurde in Wilzschhhaus durch die vom zukünftigen Schienenstrang verbundenen Orte Morgenröthe-Rautenkranz, Carlsfeld und Schönheide vorgestellt. Unterstützt wird das 22 Millionen Euro teure Vorhaben von der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) und dem Verein zur Förderung Sächsischer Schmalspurbahnen (VSSB).

 

Geplant sind bis 2015 vier unabhängige Bauetappen. Am Dienstag ist Baustart für die Wiederanbindung das Regelspurabschnittes aus Schönheide, Rautenkranz, Jägersgrün und Hammerbrücke ans große Bahnnetz. Dafür müssen in Muldenberg für eine Million Euro eine Weiche und 200 Meter Gleis wiedereingesetzt werden. Bis an die Talsperre Eibenstock könnten damit im Herbst wieder historische Züge aber auch die Vogtlandbahn rollen. Durch das obere Tal der Zwickauer Mulde ist jetzt der "Wernesgrüner Schienenexpress" als deutschlandweit einmaliger Draisinenzug unterwegs.

 

Danach wird die älteste sächsische Schmalspurbahn weiter erneuert. Mittlerweile ist die "Bimm" zwischen Stützengrün und Schönheide auf der Schiene. In Wilzschhaus und in Carlsfeld sind Bahnhofsgebäude samt jeweils 400 Metern Gleisanlagen rekonstruiert. Nach 2011 sollen mit vier Millionen Euro die Lücken von Schönheide bis Wilzschhaus (Etappe 2) sowie Etappe 3) von Wilzschhaus bis Carlsfeld geschlossen werden.

"Ingenieurtechnisch ist das machbar", so VSW-Geschäftsführer Dr. Andreas Winkler, "und glücklicherweise sind diese Abschnitte nie von ihrer Bahnnutzung entwidmet worden." Größte bauliche Herausforderung sei die Wiederherstellung des Mulden-Viaduktes über die Bundesstraße 283 bei Wilzschhaus.

 

"Auch durch die obere Ortslage von Schönheide kann mit leichten Korrekturen der früheren Route gefolgt werden", so Winkler. Ähnlich verhalte es sich auf der einstigen Steilstrecke oberhalb von Blechhammer gen Carlsfeld. Endstation der vierten Bauetappe soll Wernesgrün werden. Damit erhält die dortige Brauerei samt Gutshof erstmals einen Bahnanschluss. Dies war bereits vor dem Bau von Sachsens Premieren-Schmalspurbahn vor 1881 angedacht, aber nie umgesetzt worden. Dazu soll die Bahn künftig aus Stützengrün ins "Bierdorf" dampfen. "Diese knapp vier Kilometer werden der kostspieligste und komplizierteste Abschnitt", erklärte Winkler, der auch VSSB-Chef ist, "weil es sich um eine komplette Neutrassierung handelt".

 

Das gesamtsächsische Pilotprojekt könne auf bis zu 90 Prozent Förderung hoffen. Betrieben werden soll es durch eine professionelle Eisenbahngesellschaft, die von einem Zweckverband, den die drei beteiligten Gemeinden sowie der Ergebirgs- und Vogtlandkreis bilden werden, geleitet wird. Das Fundament für all das hätten die Vereine Museumsbahn Schönheide und Historische Westsächsische Eisenbahnen gelegt.