Wege in der Unterwelt von Plauen

Plauen - Noch nicht viele Leute durften mit Gert Müller den Zollkeller unter der Neundorfer Straße betreten. Dies soll sich aber in naher Zukunft ändern.

 

Eigentlich sollte im Zuge der Baumaßnahmen alles verfüllt werden. Müller und der Verein kämpften aber dagegen an und konnten sich durchsetzen. "Das hat unserem Baubürgermeister echt Sorgen bereitet. Aber das Tiefbauamt hat hier gute Arbeit geleistet und uns ganz prima unterstützt", sagt der Vorsitzende des Vogtländischen Bergknappenvereins.

Acht Meter unter der Erde liegen die Gänge, die Gustav Albig um 1910 zur Lagerung von Zollware als Kelleranlage nutzte. Den Wein aus mehreren nicht verzollten Fässern zog er auf Flaschen und verkaufte sie. 12 000 Flaschen eines Bordeaux-Weins lagerte er dort. In den letzten Kriegsjahren bot er allerdings mehreren hundert Menschen Schutz vor den Bombenabwürfen auf die Stadt.

Nach wie vor unklar ist, wie weit die Wege unter der Erde wirklich gehen. Einige Plauener können sich daran erinnern, als Kind bereits dort gewesen zu sein. Von Dobenauburg und Friedensbrücke sei sogar die Rede. Begehbar sind die Gänge im Moment nur bis zu einem Ausstieg hinter der gegenüberliegenden Buchhandlung. Dort soll ein Belüftungssystem eingebaut werden, denn die Luft reiche nicht unendlich, weiß Müller.

 

Durchaus vorstellbar wäre, bei Führungen die alte Nutzung aufleben zu lassen und in einem Raum ein Gläschen Bordeauxwein zu trinken. In diesen Genuss kamen der Verein der Freunde Plauens vor wenigen Tagen. In einer ganz besonderen Atmosphäre ließen sie sich einen guten Tropfen schmecken und erkundeten die teilweise recht engen Gänge voller Neugier. S. Rössel