Weckruf der ruhigen Art

Einer der ganz großen Künstler gastierte am Samstagabend im NaturTheater Bad Elster. Konstantin Wecker begeisterte das Publikum mit alten und neuen Songs.

Von Gabi Kertscher

Bad Elster Während des Konzertes, bei dem er von der Cellistin Fany Kammerland und dem Pianisten Jo Barnickel begleitet wurde, standen nicht nur politische Song auf dem Programm. Wecker schlug ruhige Töne an, trug eigene Gedichte vor und wurde nachdenklich.
Er eröffnete sein Konzert mit seinem wohl größten und bekanntesten Hit "Willi". Es sei so aktuell wie nie zuvor. Das 1977 erstmals entstandene Lied hat inzwischen viele Texte bekommen. Egal, ob es das Original über den erschlagenen 68-iger ist, oder den Willi von 2020 in Hanau, der Song berührt die Zuhörer.
Wecker sprach über seine Leben und dass er mit seinem ersten Kind beschlossen habe, erwachsen zu werden. "Da war ich 50!" Erwachsenen Menschen fehle die Phantasie. Mit Liedern wie "Jetzt seid ihr schon groß, bald aus dem Haus" oder "Lass mich einfach nicht mehr los" begeisterte das Konstantin Wecker Trio sein Publikum mit einer ganz besonderen Atmosphäre im NaturTheater.
Keine lauten kämpferischen Lieder erklangen, eher besinnliche Texte und Melodien waren zu hören. Konstantin Wecker las aus seinen Büchern, erzählte über seine Eltern und dass seine Mutter mit ihm zur Demo ging. Von seinem Vater hat er die Liebe zur Musik gelernt. Mit ruhigen nachdenklichen Worten wurden die Zuhörer Zeugen der letzten Stunden im Leben seines Vaters.
Es war immer wieder erstaunlich, wie der Künstler Wecker von den ruhigen Momenten zu den kämpferischen und lauten Songs wechselte. Ein abwechslungsreiches Programm, dass nach der Pause einen weiteren Höhepunkt hatte.
Die Mitarbeiterin der Chursächsische Veranstaltungs GmbH Ute Gallert überreichte Konstantin Wecker die Urkunde als "Ehrenkünstler". In ihrer Laudation nannte sie ihn einen Künstler, der unbändige Kraft ausstrahlt. Diese Kraft sei ansteckend und fordere auf "Nein" zu sagen. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Wecker gastierte am Samstag das dritte Mal in Bad Elster und sei immer wieder gern gesehen. Damit reiht sich Wecker in die Galerie der Ehrenkünstler ein zwischen Johannes Heesters, Rolf Hoppe, Tom Pauls, Ute Freudenberg, Wolfgang Stumph, Matthias Grünert, Heinz-Rudolf Kunze und vielen anderen.
Das Konstantin Wecker Trio gab anschließend einen Einblick in die bevorstehende "Utopia"-Tour. Diese sei 2020 ausgefallen und würde jetzt mit ganz neuen Liedern beginnen. Wie auf der gleichnamigen CD begeisterte der 74-jährige Liedermacher mit Songs wie "An die Musen", "Die Tage grau" oder "Anstatt zu siegen" und eigene Gedichte. "Schäm dich Europa" wurde vom Publikum mit Zwischenbeifall belohnt, werden doch in dem Lied die derzeitigen Probleme angesprochen. Ein Song, der es verdient zu einer Hymne zu werden. Aufrüttelnd und laut singt Wecker über einstige Kriege, über Macht und Besitz und darüber, dass viel zu viele Menschen mitmachen, ohne nachzudenken.
Mit seinem Traum von einer grenzenlosen Welt wollte das Trio ihr Konzert beenden. Standing Ovationen forderten mehrere Zugaben.