Weberei in Pausa ist auf Draht

Pausa - Die jüngere Geschichte der Drahtweberei Pausa GmbH, erinnert an ein Steh-Auf-Männchen. Die 1920 gegründete Metalltuchfabrik ging nach Kriegsende wie viele Werke in Volkseigentum über. Mit der politischen Wende 1989 begannen die Höhen und Tiefen, aus welchen sich das Unternehmen mittlerweile in ruhigeres Fahrwasser gerettet hat.

"Seit etwa drei Jahren können wir auf eine gute und konstante Geschäftslage verweisen", verschweigt Werkleiter Frank Windrich jedoch auch nicht, dass zu tilgende Altkredite noch immer belasten. Anfang der 90er Jahre wuchs mit einer Neufirmierung als Neustädter Drahtgewebe und Filtertechnik Spee GmbH die Hoffnung auf ein Überleben des Werks an der Bahnhofstraße in Pausa.

Doch es sollte sich zeigen, dass der neue Investor lediglich an den "Filetstücken" der Drahtweberei Interesse hatte. Es kam, was kommen musste: Betriebliche Werte wurden veräußert, Mitarbeiter entlassen und 1993 schließlich war der Betrieb geschlossen. Zwei ehemalige Mitarbeiter, Gerhard Langer aus Mühltroff und der Bernsgrüner Jürgen Weiland, fuhren in Eigenverantwortung die Produktion wieder an. Sukzessive erhöhte sich die Produktion, bis eines Tages die finanziellen Mittel der beiden Vorreiter nicht mehr ausreichten, um in häufig notwendige Vorleistung zu gehen. Die Hilfe kam in Person von Rolf Körner, einem langjährigen Kunden im Bereich Filtertechnik aus Niederzier. Er übernahm den Pausaer Betrieb und damit die Geschäftsführung.

Heute stehen 40 Mitarbeiter inklusive Auszubildender in der Drahtweberei in Lohn und Brot. Auf 3000 Quadratmetern befinden sich Lager, Weberei, die Streckerei zur Nachbehandlung der Metallgewebe sowie die Nahterei, in welcher beispielsweise Transportbänder konfektioniert werden. Als allgemeinen Irrtum bezeichnet Frank Windrich die Annahme, dass hier auch Bewährungsstähle für die Baubranche hergestellt werden. "Wir sind eher Exoten in der Metallbranche." Wir produzieren vorwiegend Metallgewebe, die weltweit zur weiteren Produktion verwandt werden."

So reicht die Palette vom Sieb eines jeden Wasserhahns bis hin zu hochwertigen Buntmetallgeweben für die Papierherstellung, insbesondere Wertpapierproduktion mit Wasserzeichen. Auch in Kläranlagen, Obstereien, Industriewaschmaschinen oder bei Hygieneartikelherstellern finden die Filter und Transportbänder aus Edelstahl, Buntmetall oder Kunststoff Verwendung. "Wir wissen auch, dass Fechtbahnen aus unserem Gewebe hergestellt werden."

Ob allerdings auch die Schutzwesten für Polizisten ein Endprodukt sind, wie man in Pausa munkelt, vermöchte der Werkleiter nicht zu sagen. "Unsere Erzeugnisse gehen teils durch mehrere Hände, in alle Herren Länder, bis sie letztlich beim Endverbraucher anlangen. Daher kennen wir nicht jede Art der Verwendung." Das wohl jüngste Einsatzgebiet ist die Architektur. Dort finden die Gewebe bei Parkhäusern, als Fassadenverkleidung oder an Treppenaufgängen Verwendung.  mam