Wassertropfen werden Kunst

"Panta Rhei - alles fließt" - unter diesem Motto fand am Wochenende das 9. Kunstfest statt, das ganz dem Thema "Wasser" gewidmet war.

Von Steffen Adler

Bad Elster - Mit einer sehr speziellen Form der Highspeed-Fotografie wurde zum Auftakt die Ausstellung "Tröpfchenweise" des Fotografen Dieter Gölzenleuchter aus dem hessischen Büttelborn in der Galerie des Königlichen Kurhauses eröffnet. Er präsentiert eine faszinierende Auswahl von Fotos fallender Wassertropfen, die beim Auftreffen auf eine Wasseroberfläche zu kunstvollen Gebilden werden und Sichtbares und Unsichtbares sichtbar machen. 
Hochgeschwindigkeitsfotografie dient dazu,Vorgänge aufzunehmen, die entweder extrem kurzzeitig sind oder extrem schnell ablaufen und für das menschliche Auge nicht zu erfassen sind. Zum Teil sehr filigran, dann ebenso bizarr und surreal wirken die reizvollen Strukturen, die Dieter Gölzenleuchter in seinen Fotografien festgehalten hat. 
"Es ist ein Spiel mit den Formen und Farben von Wassertropfen. Und es ist erstaunlich, wie unglaublich Fotos sein können", beschreibt Ute Gallert, Mitarbeiterin der Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft in ihrer Laudatio zur Vernissage. Erstaunlich auch, was für eine akribische Arbeit Gölzenleuchter im Vorfeld betreibt, um diese außergewöhnlichen Momente mit der Kamera festzuhalten. "Das Wasser versehe ich zuerst mit Guarkernmehl als Verdickungsmittel und Spiritus, damit es nicht zu sehr beim Aufprall auf die Oberfläche verspritzt. Mit dem Zusatz von Lebensmittelfarbe entstehen die farblichen Effekte", erklärt der Fotograf. Zum Fotografieren verbindet Gölzenleuchter die Kamera, einen Spezialflasche mit Magnetventil als Tröpfchengeber und mehrere Blitzlichter mit einem speziellen Controller, der im "richtigen" Moment die Kamera und die Blitzgeräte auslöst, wenn die Tropfen in eine Schüssel oder Wanne mit Wasser aufschlagen. "Es ist nicht so einfach den Augenblick zu erfassen, wenn zweite und dritte Tropfen auf die Säule auftreffen, die vom ersten erzeugt wurde. "Es gibt dann einen Crash und einen Drall, der aber nicht mit bloßem Auge, sondern nur auf einem zugeschalteten Monitor zu sehen ist", fügt der Fotograf hinzu. Schwankungen dabei betragen zwischen 20 und 30 Millisekunden. "Man benötigt schon sehr viel Geduld und mindestens 15 000 bis 20 000 Versuche, bis man Glück hat ein brauchbares Ergebnis festgehalten zu haben", macht er aufmerksam. 
Wie eine Art Schirm breitet sich das Wasser über der von den Tropfen verursachten Säule aus. "Stehlampe" oder auch "Rotweinkelch" sowie "Pokalsieger" tragen auch einige seiner Fotografien als Titel. Je nach Wassermenge und eingestellter Zeit am Kontrollgerät entstehen auf diese Weise ganz unterschiedliche Ergebnisse wie "Die Musketier gespiegelt" oder auch "Fliegende Untertassen". Der Kreativität und Interpretation der phänomenalen Gebilde auf den Fotos sind so keine Grenzen gesetzt. "Alle Fotografien sind somit auch Unikate, weil sich ein und derselbe Moment so nicht wiederholen lässt", ergänzt Gölzenleuchter, dessen Fotos auch zu erwerben sind. Das Fotografieren von fallenden und aufprallenden Wassertropfen ist seit seinem Rentnerleben zur großen Leidenschaft geworden. Gölzenleuchter, Jahrgang 1946, ist Handwerksmaler und avancierte auf dem zweiten Bildungsweg zum Pressefotograf. Im Ruhestand hat er nach neuen Herausforderungen gesucht und die Highspeed-Fotografie entdeckt, die er zum Kunstfest auch in einem Workshop den Besuchern präsentierte. Umrahmt wurde die Eröffnung der Ausstellung, die noch bis 14. Juni im Kurhaus zu sehen ist, vom Plauener Musiker Marius Leicht.