Was wurde aus Enka-Betriebsrat Klaus Wirth?

Elsterberg - Nichts glauben, alles für möglich halten - und gut Bescheid wissen: Das empfiehlt Klaus Wirth allen Betriebsräten der hauptsächlich seine Berater-Tätigkeit in Sachsen, Thüringen und in Sachsen-Anhalt anbieten möchte.

"Die Geschäftsführung bedient sich eines  Unternehmensberaters. Die alle vier Jahre zu wählenden Betriebsräte brauchen ebenfalls Hilfe, um Schaden von der Belegschaft abzuwenden, bei Insolvenz und Stilllegungen, bei Zusammenschlüssen oder Verlagerungen. Dann geht es um Dinge wie Interessenausgleich und Sozialplan", sagt Wirth, der nach eigenen Angaben auch als Referent an Gewerkschaftsschulen tätig sein wird und als freier Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei.

"Meine ,Kunden" muss ich mir selbst suchen - durch Zeitungsinfos, Nachrichten und Kontakte." Dabei wird ihm helfen, dass er seit 34 Jahren der Gewerkschaft angehört und gut vernetzt ist als Mitglied des Landesvorstandes Nordost der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie. "Unter anderem war ich dabei, als Tarifverträge ausgehandelt wurden."

Enka, Nema Netzschkau, Man-Roland, Narva-Phillips - Wirth hat eine unheilvolle Entwicklung ausgemacht: "Die Vernichtung von Industriearbeitsplätzen hat katastrophale Züge angenommen. In solchen Zeiten sind Betriebsräte besonders gefordert." Der 50-Jährige hat jahrelang für den Erhalt des Elsterberger Viskose-Produzenten Enka gekämpft: Er wurde zum Symbol dieses Kampfes, der leider verloren ging. Fast 400 Arbeitsplätze gingen flöten. "Sicherlich können meine Erfahrungen anderen helfen", sagt Wirth.

1976 hatte er eine Elektromonteur-Lehre in der Enka begonnen, die damals noch VEB Kunstseidenwerk "Clara Zetkin" hieß. Bis 1989 arbeitete Wirth als Betriebselektriker. Nach der Wende wechselten Betriebsnamen und Eigentümer - die Arbeiter blieben, wenn auch ihre Zahl von 1200 auf 400 sank. Und Wirth wurde Betriebsrat, bald Chef des Betriebsrates in Elsterberg und des ganzen Konzerns - eine hauptberufliche Funktion. "Ich bekam viele Einblicke, konnte aber nicht verhindern, dass die Konzernspitze, den Standort Elsterberg auf Grund kurzsichtiger Erwägungen geopfert hat."

 

Ihm tut es weh zu sehen, wie das Werk an der Weißen Elster ausgeschlachtet wird: Der Insolvenzverwalter habe einem Schrotthändler aus Essen den Zuschlag erteilt. "Mich würde es nicht wundern, wenn die Maschinen bald in Indien laufen." Ein Teil seiner ehemaligen Kollegen ist in den Westen gegangen - "die kommen nicht wieder", sagt Wirth traurig. Einige haben Arbeit in der Region gefunden ("nicht viele und manche zu höchst fragwürdigen Bedingungen") und viele seien chancenlos auf dem Arbeitsmarkt.  ufa