Was tun mit 50 Millionen?

Für einen Sechser im Lotto kann man sich eine ganze Menge leisten. Diese Erfahrung macht die Modellkommune Plauen. 50 Millionen Euro gibt es bis zum Jahre 2026 - und viele Pläne.

Von Mario Wild

Plauen In diesem Fall sind - nach jetzigem Stand der Dinge - nicht aller guten Dinge drei, sondern 13. Eine Glückszahl für die Stadt Plauen. 13 Projekte mit zahlreichen Einzelmaßnahmen sind geplant, um die Modellkommune mit Leben zu erfüllen. Das Ganze entsprechend der Maxime: "Zukunft Leben im Plauener Süden". Bis 2026 steht der Geldsegen zur Verfügung. 25 Millionen kommen vom Bund, die andere Hälfte vom Freistaat Sachsen. Der könne zwar die Stadt um einen eigenen Anteil "bitten". Aber: "Ministerpräsident Kretschmer will sich dafür einsetzen, dass die Mittel komplett vom Land bereitgestellt werden", so Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer am Dienstagabend zur Stadtratssitzung. Dort wurden die Projekte in erster Lesung in aller Kürze vorgestellt.
Die geplanten Maßnahmen werden inklusive Nebenkosten mit 64 Millionen Euro veranschlagt. Das alles unter dem Wissen, dass die Entwicklung der Baukosten in den kommenden Jahren dem berühmten Blick in die Glaskugel gleicht. Nichts Genaues weiß man nicht.
Zwei Vorhaben wurden bereits auf den Weg gebracht. Zum Einen: Der Sporthallenbau am Lessing-Gymnasium, der sowohl dem Schul,- als auch dem Vereinssport dienen soll. Kostenpunkt 13,3 Millionen Euro. Die avisierte Fertigstellung ist für das Jahr 2022 geplant. Dann werden auch die Handballer des SV 04 Oberlosa hier ihre Heimspiele austragen.
Voran geht es auch am Sporthallenkomplex der Kemmler-Oberschule. Hier wird bis 2023 eine Zweifeldhalle gebaut, der Kleinfeld-Kunstrasenplatz und die Kleinfeldsportanlage erneuert.
Alle anderen Maßnahmen existieren bisher als Gedankenspiele. Darunter auch die Erweiterung des Stadtbades unter Nutzung regenerativer Energien. Ein 25-Meter-Becken soll angebaut werden. Hinzu kommen neue Stellflächen und Außenanlagen. Um das zu gewährleisten, muss unter anderem die Turnstraße geöffnet werden. Stadtrat Oliver Bittmann (Grüne) "tut sich schwer mit dem Stadtbadausbau. Er mahnte die stagnierende/schrumpfende Bevölkerungsentwicklung an und erinnerte an den (vermeintlichen) "Spaßbad-Boom" in den 1990er Jahren. Fraktionskollegin Diana Zierold stellte die Frage: "An welcher Stelle kommen die Bürger ins Spiel?" Die Plauener sollen auf alle Fälle eingebunden werden, versprach Oberdorfer. "Wir wollen und müssen in jeder Hinsicht flexibel bleiben", so das Stadtoberhaupt. Dafür will er auch bei den staatlichen Stellen werben. Bei aller Flexibilität: Es gilt, Bewerbungsfristen einzuhalten und die Vorgaben des Fördermittelgebers zu erfüllen. "Dieser bestimmt die Rahmenbedingungen. Das wurde eindeutig klargemacht", so Kultur-Bürgermeister Steffen Zenner. Er warnte davor, Projekte zu zerreden.
Für Gesprächsstoff dürfte dieses äußerst innovative Vorhaben sorgen: Der Ortsteil Oberlosa soll verkehrstechnisch besser an die Kernstadt angebunden werden - und zwar mittels E-Mobilität und selbstfahrenden Shuttle-Bussen. Die Teststrecke soll zwischen Oberlosa und der Kemmler-Schule errichtet werden. Zwei ungenutzte Pachtgärten an der Einrichtung werden zum E-Bahnhof umgebaut. Kostenpunkt: 5,3 Millionen Euro. Die Umsetzung ist von 2021 bis 2024 geplant.
Besonderer Aufmerksamkeit erfreut sich die Elsteraue. Gleiches gilt für die Revitalisierung von Wohnbrachen. Für deren Umnutzung sollen finanzielle Anreize geschaffen werden unter dem Motto "Junge Helden bauen selbst". Auch die Aufwertung des Stadtpark-Areals ist vorgesehen, inklusive Sanierung und Umbau des Geländes am Parktheater. Der Teich soll eine Fontäne erhalten soll. Abschluss des Gesamtvorhabens im Jahre 2025.
Neben den Landeshauptstädten Saarbrücken und Hamburg gibt es bundesweit noch vier weitere Modellkommunen. Neben Plauen hatten Rostock, Erfurt und Duisburg den Zuschlag erhalten.