Was macht die Initiative Kunstschule Plauen?

Plauen - Seit ein Platz in der Plauener Innenstadt seinen Namen trägt, interessiert sich auch die breite Öffentlichkeit für ihn. Doch für mehrere Vereine ist Hans Löwel seit langem ein Mann, der ihnen über seinen Tod hinaus Gutes tut.

 

Als Generalvertreter für Plauener Spitze machte Hans Löwel nach dem Krieg ein Vermögen. Im Frühjahr 1996 entschloss sich der gebürtige Plauener, es in einer Stiftung anzulegen - deren Gründung er nur einen Monat überlebte. In der Stiftung ist festgelegt, dass die Begünstigten einen Teil des jährlichen Zinsertrages ausgezahlt bekommen - die Stadt Plauen 25 Prozent, der Theaterförderverein und die Initiative Kunstschule jeweils 12,5 Prozent. Nun endet die Löwel-Stiftung satzungsgemäß Ende dieses Jahres. Die Stadt Plauen beabsichtigt, ihren Anteil von rund 1,6 Millionen Euro in eine Bürgerstiftung einzubringen, der Theaterförderverein entschied sich gleichermaßen eine neue Stiftung - die Hans-und-Edith-LöwelStiftung - zu gründen.

Doch welche Ambitionen verfolgt die Initiative Kunstschule? Klaus Helbig nimmt sich in einem seiner großen Arbeitsräume im Weisbachschen Haus die Zeit, Rückschau zu halten und nach vorn zu blicken. Er weiß, welch ausgezeichneten, gar ehrwürdigen Ruf die einstige Plauener Kunstschule genoss, welch überregional bekannte Künstler sie hervorbrachte.

Dagegen scheint es aus Sicht des einen oder anderen derzeit eher etwas ruhig um das Projekt geworden zu sein. Hin und wieder wurde - natürlich hinter vorgehaltener Hand - gefragt, um die Kunstschule noch im Sinne Löwels und dessen Geldes fungiert. Helbig ist ein bedächtiger Mann, den derartige Gerüchte nicht aus der Haut fahren lassen. Und auch mit der Vermutung, dass die Paulusgemeinde vielleicht in den Genuss des Stiftungsanteils kommen könnte, geht er offen-sachlich um.

 

In der Tat wurde der Taufkirche Löwels im ersten Jahr der Stiftung der Zinsanteil zugesprochen, erinnert sich Helbig. Im Folgejahr, 1997, habe sich der "Verein Initiative Kunstschule - Interdisziplinäre Gestaltung", so der vollständige Name, beworben, vor allem hinsichtlich der Durchführung der alljährlichen Sommerakademie. "Wir verfolgen ein klar umrissenes Programm über viele Jahre hinweg", sagt Helbig und zitiert: "Zweck ist die ideelle und materielle Förderung zur Errichtung einer Kunstschule als Zentrum für die interdisziplinäre Gestaltung in Tradition und Geist der früheren Kunstschule für Textilindustrie." Klingt etwas sperrig, aber wenn es gewissermaßen ums liebe Geld geht, bedarf es schon einer exakten Definition. Desweiteren führt die Initiative Kunstschule künstlerische Aus- und Fortbildungskurse durch, sowie besagte Sommerakademie, mit der wiederum Ausstellungen zeitgenössischer Kunst einhergehen.

Mit dem "Löwel-Geld" habe man beispielsweise die Werkstätten ausbauen können, später noch die Galerie in Haus 3 mit einem funktionalen Büro. In diesem Jahr wird die Sommerakademie übrigens "volljährig" - sie findet zum 18. Mal statt und wird aufgrund ihrer Reputation von Anbeginn auch von der Kulturstiftung Sachsen gefördert. Regelmäßig wird der Stiftungsrat über die Verwendung des Geldes informiert. "Und bisher konnten wir stets beweisen, dass wir uns in Richtung Kunstschule entwickeln", sagt Helbig. Natürlich nicht in deren früherer Form, wo Maler wie Feiler oder Rentsch sich hier bereits als 14-Jährige ihr Grundwissen aneigneten.

 

Heute geht es vor allem darum, junge Menschen zu fördern, was in Einzelfällen sogar bis zur Gewährung eines Stipendiats reichen könne. "Wir möchten die jungen Menschen durch die Vermittlung elementarer Grundlagen auf ein mögliches Kunst- und Designstudium vorbereiten, sagt Helbig und konkretisiert diese Hilfe: Unterstützung wird gewährt bei der Gestaltungs- und Formlehre, der Farblehre, dem künstlerischen Naturstudium und, ganz wichtig, bei der Zusammenstellung der Vorstellungsmappen. Meist einen Tag vor der eigentlichen Aufnahmeprüfung beschäftige man sich intensiv mit den Mappen der Aspiranten, weiß Helbig.

 

 In diesem Sinne hatte er sich auch Synergieeffekte mit der Außenstelle Plauen der Universität Plzen erhofft, die künstlerische Studiengänge anbot, nun aber ihre Tätigkeit in Plauen wieder einstellen wird. Lediglich das 3. Studienjahr werde seine Prüfungenn noch in Plauen absolvieren, die anderen beiden bereits in Tschechien, bedauert Helbig zutiefst. "Unfaßbar, wie sich die Stadt diese Chance entgehen lässt", fügt Helbig an. Stiftungs-Geld für die Initiative Kunstschule sei dagegen nie an die Uni-Außenstelle geflossen, stellt Helbig klar. Vielmehr werden weitere Mittel in Ausstellungen investiert, die einen Bezug zur einstigen Kunstschule herstellen. Beispielsweise die für Jahresende geplanten "Jupiterzeichnungen von Walter Löbering", der sich nicht nur als Kunstschullehrer, sondern auch als Astronom einen Namen machte.