"Was ist los in diesem Land?"

Auch zur fünften Auflage der sonntäglichen Demonstration von "Wir sind Deutschland" (WsD) hatten sich am Sonntag auf dem Altmarkt wieder Tausende Plauener eingefunden - trotz Schmuddelwetter.

Plauen - "Was ist los in diesem Land?" fragte zunächst der Sänger der Polit HipHop-Band aus Duisburg in seinem musikalischen Redebeitrag, bevor die sich anschließenden Redner dies aus ihrer individuellen Sicht zu beantworten versuchten. Der Mitbegründer der "Wir sind Deutschland"-Gruppierung, Michael Oheim, stellte zunächst erneut klar, dass WsD lediglich die Plattform für die inviduellen Standpunkte der Redner biete, bevor Moderator Gunnar Gemeinhardt eine Art Presseschau der vergangenen Woche unternahm.

Mit der medialen Wortmeldung eines ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten ging er ebenso kritisch ins Gericht, wie mit den Gedanken des Generalintendanten des Vogtlandtheaters. Eine klare Absage erteilte er auch der kürzlich erfolgten Einladung des CDU-Stadtverbandes zu einer Podiumsdiskussion. "Erst kommen die mal hierher, dann gehen wir zu ihnen", beschied Gemeinhardt.

Als erster Redner wandte sich Leif Hansen aus Schwarzenberg an die Versammelten. Ein Mann, der dem Vernehmen nach von der Partei "Die Violetten" zur WASG, später zur FDP und schließlich zur AfD wechselte. Er plädierte für "Schweizer Verhältnisse". Dort, so Hansen, werde zu nahezu jedem Gesetz ein Referendum durchgeführt, sei die Mitbestimmung der Bürger Realität. Er sehne sich nach Sachdiskussionen in Deutschland. Es gelte über Probleme zu reden, nicht in erster Linie über Politiker.

"Wir Bürger müssen für dieses Land bürgen. Wenn wir nicht mitreden dürfen, werden wir von der Entwicklung abgeschnitten." Es komme darauf an, wieder Vertrauen zwischen den Menschen und den Politikern aufzubauen, so Hansen, der für das nächste Wochenende eine WsD-Veranstaltung in Schwarzenberg avisierte.

"Wir hören zu, auch wenn uns manche Passage nicht passt", leitete Gemeinhardt den Redebeitrag des jungen Plaueners Michael Rätz ein, der anhand von Zahl verdeutlichte, das der derzeitige Anteil von Flüchtlingen in Plauen bei ungefähr 1,4 Prozent läge. Hass nütze niemanden und mache die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helfer nur schwieriger. Rätz wollte sich weiteren Themen widmen, musste aber angesichts der zahlreichen Pfui- und Buhrufe aus der Menge schließlich aufgeben.

Da half auch Gemeinhardts Bemerkung, der junge Mann habe sehr viel Mut, nichts mehr. Wie schon in der Vorwoche, trat der Plauener Unternehmer Jörg Förster ans Rednerpult. Sorge die Regierung gezielt für unsichere Verhältnisse, um Artikel 35, den so genannten Notstandsartikel anwenden zu können?, fragte er. Die Kluft zwischen Erwartung und Realität wachse, wie auch die Gefahr von Hass und Gewalt, hervorgerufen durch eine unverantwortliche Flüchtlingspolitik, von der sich sogar die Flüchtlinge missbraucht sähen. "Wer der Meinung ist, dass wir uns nicht auf Vogida festlegen lassen, sondern auf Mitbestimmung, den fordere ich auf, jetzt zu klatschen", rief er in die Menge, die seiner Aufforderung folgte.

Eva-Maria Pfeiffer aus Dresden mahnte nicht nur, dass sich das Volk nicht auseinander dividieren lassen dürfe, sie rechnete auch mit dem Bildungssystem ab, das aus Kindern im Grundschulalter "Maschinen" mache, die man nicht wiedererkenne. "Liebe deutsche Patrioten" wandte sich Ulrich Lupart, Kreisrat der DSU und Bürgermeister von Reuth, als letzter Redner an die Versammelten. Bevor er sich der Flüchtlingsproblematik zuwandte, ging er mit der Vorratsdatenspeicherung ins Gericht.

"Die Stasi ist wieder da", rief er unter Beifall. Die Asylpolitik aber habe das Fass zum Überlaufen gebracht. "Wir schaffen das", zitierte er die Kanzlerin und fügte an: "Sie hat uns nicht gefragt, ob wir das überhaupt schaffen wollen." Die Deutschen, vor allem die Vogtländer würden gern spenden, "aber wir können nicht den Rest der Welt aufnehmen." "Dabei gehen unsere Werte, unsere Kultur kaputt", mahnte er mit nun schon etwas heiserer Stimme. Merkel müsse endlich mit diesem "Asylwahnsinn" aufhören. "Es geht um unser Vaterland Deutschland" appellierte Lupart an seine Amtskollegen im Vogtland, künftig auf dem Altmarkt Präsenz zu zeigen. Dass er im Vorjahr bei der Pegida-Demonstration in Dresden von "Lügenpresse" gesprochen habe, dazu stehe er nach wie vor, gab er den Teilnehmern mit auf den Nachhauseweg.