Was heißt denn hier alt?!

Bei Stephan Roßner geht's um die Wurst. Beruflich, wenn er selbige in der Plauener Stadt-Galerie verkauft. Und sportlich, wenn er mit seinen Teamkollegen vom SVV Plauen ins Wasser steigt, um in der A-Gruppe der Deutschen Wasserball Liga um gute Ergebnisse zu kämpfen. Und ganz klar: bei beidem kommen die Erfolge nicht von selbst.

Von Steffen Bandt

Plauen - Wasser ist seit seinem sechsten Lebensjahr Stephan Roßners Element. Angefangen hat er damals mit dem Schwimmen. Als Zwölfjähriger kam er zum Wasserball, einem Sport, der einem schon in jungen Jahren alles abverlangt. Das Training ist hart. Auch und erst recht heute noch. Gefragt nach seinen größten Erfolgen, nennt Roßner seine Zeit beim SV Cannstatt, wo er als damals knapp 20-Jähriger sogar Europapokalluft schnuppern durfte. Und dann sind da natürlich die Aufstiege mit seinem Heimatverein, dem SVV Plauen. Zwischen 2009 und 2014 ging Stephan Roßner als Kapitän voran, hatte maßgeblich Anteil daran, dass es die Plauener in Deutschland bis (fast) an die Spitze geschafft haben. Und auch heute ist er fester Bestandteil des DWL-Teams. Den ganz Jungen, die auf dem Sprung in die erste Mannschaft stehen oder diesen sogar schon geschafft haben, kann Stephan Roßner mit seiner Erfahrung weiterhelfen. Und die anderen meinen es nicht ernst oder gar böse, wenn sie den heute 37-Jährigen gelegentlich "Opa" rufen. In Ungarisch, der zweiten Amtssprache beim SVV, heißt es oft: "öregem" (alt).
Fünf Mal pro Woche ruft Trainer Jörg Neubauer "seine Jungs" zum Training. In der Regel zu einer Stunde Krafttraining, danach geht es für drei Stunden ins Wasser. Stephan Roßner kann - auch und vor allem berufsbedingt - nicht immer dabei sein. Auch ein Grund dafür, dass es ihm etwas schwerer fällt als früher, Anspannung und Kampfeslust immer so hochzuhalten, wie es in der deutschen Eliteliga eben nötig ist. Worin liegt für ihn überhaupt die Motivation, sich neben dem Beruf, der seinen ganzen Einsatz fordert, auch im Stadtbad an seine Grenzen zu begeben?
"Das ist purer Ausgleich. Man möchte körperlich nicht abbauen, will fit bleiben", sagt Roßner.
Während das Team des SVV Plauen versucht, sich in der A-Gruppe der DWL zu etablieren, muss sich die Fleischerei Roßner natürlich ebenso anstrengen, um im Wettbewerb mit konkurrierenden Firmen zu bestehen. Wieviele Menschen würden Stephan Roßner um dessen Alltag beneiden?
"Es gibt einfachere Wege, aber ich habe mich so entschieden", sagt Roßner, dem die Doppelbelastung wahrlich nicht anzusehen ist.
Für die Fleischerei, die aktuell neben der Filiale in der Stadt-Galerie noch ein Geschäft in Neundorf betreibt, ist Stephan Roßner als Junior-Chef in der Produktion, als Verkäufer und zudem im Marketing unterwegs. Für Letzteres kommt ihm zu Gute, dass er in seiner knapp bemessenen Freizeit gerne fotografiert. Wer mag, kann sich viele seiner Bilder bei Instagram anschauen. 
Manchmal passen Beruf und Wasserball für Stephan Roßner nicht zusammen. Beim jüngsten Heimspiel gegen den Rekordmeister, die Wasserfreunde Spandau 04, war Roßner dabei, nachdem er vorher in der Stadt-Galerie noch Fleisch und Wurst an den Mann und die Frau gebracht hatte. Im Auswärtsspiel beim Titelverteidiger Waspo Hannover musste der SVV ohne Roßner auskommen.
Wie ist es eigentlich zu erklären, dass der Abstand zwischen Hannover, Spandau, dem ASC Duisburg und dem Rest der Liga derart groß ist?
"Bei Hannover und Spandau gibt es eine geballte Konzentration der besten deutschen Spieler, hinzu kommen viele starke Akteure aus dem Ausland. Die beiden werden einen Jahresetat von etwa einer Million Euro haben", erklärt Roßner, dessen SVV mit etwa zehn Prozent dieser Summe rechnen wird. Spandau und Hannover mischen auch international gut mit, für die anderen Clubs des deutschen Oberhauses wäre die Champions League gleich einige Nummern zu groß.
Stephan Roßner entscheidet von Jahr zu Jahr, ob er noch eine weitere Saison anhängt oder nicht. Und die Frage "wie lange noch?" beantwortet er mit einem Lächeln und "vor fünf Jahren"...
Voll des Lobes ist Stephan Roßner über den SVV-Cheftrainer: "Also Jörg Neubauer ist einer der zielstrebigsten und ehrgeizigsten Menschen, die es gibt. Was er macht, macht er zu 100 Prozent. Obwohl er eine Firma hat, ganz viele andere Dinge unternehmen könnte, setzt er sich wahnsinnig für den Plauener Wasserballsport ein. Für uns ist er ein wirklich sehr wichtiger Mensch."
Und auch Jörg Neubauer weiß, was er an Stephan Roßner hat: "Stephan ist schon als Person sehr wichtig für die Mannschaft. Er ist eine Identifikationsfigur für die auswärtigen Spieler, die Fans und Freunde. Neben Kapitän Alexander Fritzsch ist er einer der wenigen echten Plauener in unserer Mannschaft, die wir ja mit externen Spielern verstärken mussten. Stephan ist aber auch sportlich sehr wichtig für das Team, weil es auf seiner Position, der des Center-Verteidigers, nicht sehr viele Spieler gibt, die diese gut ausfüllen können", sagt der Trainer.
Das Wasser - Stephan Roßners Element, in dem sich mittlerweile übrigens auch seine vierjährige Tochter pudelwohl fühlt. Gelegentlich trainieren die beiden gemeinsam, so dass Stephan Roßner einen Teil seiner ausgefallenen Übungseinheiten nachholen kann.
In der Hauptrunde der DWL hat der SVV noch drei Heimspiele und eine Auswärtspartie zu absolvieren. Heute, 18 Uhr, kommt der Tabellendritte ASC Duisburg ins Plauener Stadtbad. Es folgen die Spiele gegen die SG Neukölln (9. März), beim Duisburger SV 1898 (23. März) und zu Hause gegen den SSV Esslingen (30. März). Also wieder viel zu tun für Stephan Roßner - beruflich und beim Sport.