Was ein Theumaer Lehrer in China erlebt

Samstags und teilweise auch sonntags Unterricht? Nein danke, werden sich wohl die meisten Schüler der Treuener Marienschule gedacht haben, vor denen Winfried Spahn einen Vortrag über sein Lehrerdasein in China hielt. Alltag ist das jedoch an der Internationalen Fremdsprachenschule in Wuhan, wo der Lehrer seit einem Jahr Deutsch unterrichtet und die Abschlussklassen fit fürs Deutsche Sprachdiplom macht, das zu einem Studium in Deutschland berechtigt.

Vergleichbar sei die Schule mit unserem Gymnasium, arbeite allerdings als Ganztagsschule. 7.30 Uhr beginnt der Tag mit Selbststudium. Unterricht wird von 8.30 Uhr bis 12 Uhr, von 14 bis 17 Uhr und von 18 bis 20.30 Uhr gehalten. Vor allem aus dem Mittelstand kommen die Schüler, die in einem Internat oder in gemieteten Wohnungen leben. Winfried Spahn spricht über die große Motivation der jungen Leute, von denen eine ganze Reihe sehr gerne in Deutschland studieren möchte.

 

Die Schule besteht aus zwei Teilen: die 1. bis 9. Klasse und die 10. bis 12. Klasse. Englisch wird schon ab Klasse 1 unterrichtet. Später kann man sich entscheiden, ob Deutsch, Französisch oder Japanisch dazukommt. Mit 54 Schülern sei die Klassenstärke noch gering. 70 Schüler seien durchaus normal. Dann unterrichten die Lehrer mit Mikrofon. Fremdsprachen werden in kleineren Gruppen mit etwa 28 Schülern gelehrt.

Jedes Jahr schreibt das Kultusministerium Stellen im Ausland aus für Schulen, an denen Deutsch unterrichtet wird. Warum hat sich der Theumaer für China entschieden? "Das ist ein irre interessantes Land. Ein Kulturkreis, den ich kennen lernen wollte." Wuhan ist die Hauptstadt der Provinz Hubei, der Partnerregion von Sachsen, und mit zirka zehn Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt Chinas. In Wuhan ist der Mann aus Deutschland mit seinen 1,93 Meter Körpergröße ein Exot. Oft wird er um ein Foto mit der Familie gebeten.

Enge Kontakte hat Winfried Spahn derweil aufgebaut - zu Schülern und Kollegen. Das Deutschlandbild müsse jedoch ständig entwickelt werden. Bei den meisten konzentriere es sich auf Bayern - Fußball (jeden Samstag wird in China ein Bundesligaspiel live übertragen), Oktoberfest, Schloss Schwanstein. Spahn, der mit den Schülern nur Deutsch spricht, erzählt ihnen zum Beispiel von Dresden und von seiner Heimat, dem Vogtland. Außerdem berät er die Studienanwärter und macht klar, dass nicht nur in München studiert werden kann.

Für ihn habe sich das Chinabild ebenfalls geändert, sagt der 55-Jährige. "Die Berichterstattungen in Deutschland sind nicht differenziert genug." Das Tempo in diesem Land fasziniere ihn. Überall ragen Kräne in den Himmel. In atemberaubender Schnelligkeit werde gebaut. Alte Häuser stehen oft noch neben Wolkenkratzern. "Man darf nicht vergessen, dass vor 30 Jahren noch gehungert wurde, auch in den Städten. Abseits der Metropolen findet man auch heute noch Armut. Seit vorigem Jahr gibt es aber nun auch für die Landbevölkerung eine Krankenversicherung", sagt Spahn.

Sein chinesischer Kollege, zu dessen Familie sich eine freundschaftliche Beziehung aufbaute, brachte ihm Traditionen, Geschichte, Lebensverhältnisse nahe. Am gewöhnungsbedürftigsten sei für den Vogtländer das Leben im Winter gewesen. Während es im Sommer bis zu 40 Grad heiß werden kann, sinken im Winter die Temperaturen auf um die null Grad. "Es gibt keine Heizung. Das regelt die Klimaanlage. Und im Unterricht behält man dann eben die Jacken an."

Einmal im Schuljahr fliegt Winfried Spahn nach Hause. 24 Stunden ist er dann unterwegs. Im Sommer war er etwas länger daheim. Er bereitete sächsische Projekte mit vor, die mit schulischen Themen in eine Wanderausstellung einfließen, die selbst zur Weltausstellung in Shanghai zu sehen sind. Im Oktober und November wird die Ausstellung in Wuhan gezeigt.