Was der Vogtlandkreis tut, damit kein Ärztemangel herrscht

Reichenbach - Im Vogtland herrscht kein Ärztemangel. Die Gesamtzahl ist mit zirka 830 gegenüber dem Jahr 2000 konstant geblieben. Es fehlen lediglich zwei Augen- und 25 Hausärzte. Das erklärte Vize-Landrätin Anneliese Ring anlässlich des Tages der Gymnasien in der Paracelsus-Klinik Reichenbach.

Natürlich weiß Ring, dass diese Aussage nur statistisch gesehen gilt und es ländliche Regionen gibt, wo ein Arzt dringend fehlt. Problem dabei, bisher arbeitete die Kassenärztliche Vereinigung, die die Zulassungen erteilt, mit relativ großen Planungsbereichen wie dem Vogtland. Dabei wird es als zumutbar angesehen, zum Facharzt 30 Kilometer zu fahren.

Im Vogtland konzentrieren sich die meisten Ärzte in Plauen. In anderen Gegenden fehlen sie. Seit Jahresanfang wurden die Planungsbereiche verkleinert. Ob sich an der ungleichen Verteilung der Ärzte etwas ändert, wird sich zeigen. Dass das Vogtland in Sachen ärztlicher Versorgung relativ gut dasteht, ist einem Ärztekonzept zu verdanken, das der Kreistag vor zehn Jahren verabschiedet hat. Darin verpflichtet sich der Landkreis zur Mithilfe bei der Absicherung der ärztlichen Versorgung in der Region. "Das war vor zehn Jahren ein revolutionärer Gedanke", erinnert sich Anneliese Ring, denn eigentlich sind Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenhäuser zuständig. Weil sich aber ein Ärztemangel abzeichnete, habe sich der Landkreis eingemischt und ein Maßnahmebündel beschlossen.

Dazu gehören die Teilnahme an Jobbörsen und Messen (beispielsweise in Österreich) wie das Angebot an niedergelassene Ärzte und Kliniken, frei werdende Stellen oder Praxen auf der Internetseite des Landkreises zu veröffentlichen. Außerdem habe der Kreis die finanzielle Unterstützung von Medizinstudenten vorgeschlagen, um sie nach dem Studium an die Region zu binden.

Gerade dieses Angebot wird nach Aussage von Frau Ring ziemlich gut angenommen. So habe das Klinikum Obergöltzsch in Rodewisch (das einzige Landkreis-Krankenhaus in der Region) 14 solcher Vereinbarungen laufen: Die Studenten bekommen ab dem 3. Studienjahr monatlich 300 Euro. Im Gegenzug verpflichten sie sich, ihre Facharztausbildung in Rodewisch zu absolvieren. Ring: "Das bedeutet für die jungen Leute im letzten Studienjahr eine gewisse Sicherheit, denn sie müssen nicht auf die Suche nach einer Stelle für die Facharztausbildung gehen."

Auch die Paracelsus-Klinik in Reichenbach schließt Fördervereinbarungen mit Medizin-Studenten ab. Derzeit sind es vier. Die ersten Assistenzärzte erwartet das Krankenhaus 2014. Das sagt Jens Tröger von der Klinikleitung am Mittwoch zu Abiturienten, die sich im Rahmen des vom Kreis organisierten Tages der Gymnasien im Krankenhaus der Neuberinstadt über den Werdegang eines Mediziners informierten. Unter den 20 Teilnehmern befand sich sogar ein junger Mann aus Glauchau, der übers Internet vom Angebot im Vogtlandkreis erfahren hat. va