Was dem Rathauschef vorschwebt...

Klingenthal, die Stadt am Aschberg, wählt am 2. Februar einen neuen Oberbürgermeister. Amtsinhaber Thomas Hennig ist einziger Kandidat. Der 42-Jährige gibt Ausblicke.

Von Helmut Schlangstedt

Klingenthal Der Jahresbeginn ist Anlass für eine Vorschau aufs neue Jahr, verbunden mit guten Vorsätzen. Für Oberbürgermeister Thomas Hennig ist es diesmal ein Rückblick auf ganze sieben Jahre, denn seine Amtszeit läuft demnächst nach der Neuwahl des Oberbürgermeisters am 2. Februar aus. Und da ist die Frage, was hat Klingenthal in den vergangenen Jahren von Thomas Hennig gehabt?
Eindeutige Antwort: Eine ganze Menge, denn noch nie zuvor in der Geschichte Klingenthals wurde in so kurzer Zeit soviel erreicht. So war die erste Maßnahme nach seiner Wahl 2013 die Vereinigung Zwotas mit Klingenthal mit dem Ergebnis einer "Hochzeitsprämie" von 625.000 Euro und jährlich mehr Zuweisungen in Höhe von 250.000 Euro.
Macht bis heute zusätzliche 2,4 Millionen für Investitionen in die Stadt. Und die sind für das kleine Klingenthal gewaltig, denn seit 2013 wurden bis heute insgesamt rund 20 Millionen Euro investiert, und zwar ohne jegliche Kredite! Beispiele sind 1,5 Millionen für den Dürrenbachsportplatz, 2 Millionen für die Kitas der Stadt, 800.000 Euro für das Freibad, 500.000 Euro für die Marktunterführung der Brunndöbra, 2,5 Millionen für den Bauhof, 350.000 Euro für den Bau von Dürrenbach- und Schreberstraße, Gebäudeabrisse für 2,5 Millionen, 400.000 Euro für den Hochwasserschutz, 500.000 Euro für die Vogtlandschanzen, 500.000 Euro für Feuerwehrtechnik, bis dato 2 Millionen für den Oberschulneubau und, und, und…
Die Auflistung lässt sich fast beliebig fortsetzen.
Gleichzeitig konnten die Schulden, die Anfang 2013 noch bei 10,5 Millionen Euro lagen, auf aktuell nur noch 4,5 Millionen reduziert werden, was einer pro-Kopf-Verschuldung von aktuell nur noch 543 Euro entspricht.
Doch wie geht das? Riesensummen investieren und gleichzeitig massenhaft Schulden abbauen? "Ein kleines bisschen buchhalterisches Talent braucht man schon", meint Thomas Hennig verschmitzt.
Wer allerdings meint, viele Millionen Fördermittel für die meisten Projekte kamen von ganz allein, glaubt auch an den Weihnachtsmann.
Das gleiche gilt übrigens für Hennigs letzten großen Coup bei der Wiedererlangung des Status Große Kreisstadt Dank seiner ausgezeichneten Verbindungen nach Dresden, wobei man im Landkreis sogar von einem Husarenstreich spricht, der der Stadt vor allem einen höheren sechsstelligen jährlichen Geldsegen bringt.
Und man weiß auch in Dresden, dass in Klingenthal ein Fachmann im Rathaus sitzt, denn Thomas Hennig nahm als einer von weniger als zehn Bürgermeistern aus ganz Sachsens an den Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung teil.
Doch wie soll es nach der Wahl am 2. Februar weitergehen?
Im Falle seiner Wiederwahl, für die sich Thomas Hennig mangels Gegenkandidaten eine hohe Wahlbeteiligung als starkes Mandat seiner Bürger im Rücken zur Interessensvertretung Klingenthals gegenüber Landkreis und Landesregierung wünscht, hat er bereits große Pläne.
Oberste Priorität 2020 hat die Fertigstellung der neuen Oberschule samt Außengelände, Schulhof und Erweiterung der Turnhalle zu einer Vierfeldhalle. Insgesamt werden in die Schule nach Abschluss der Baumaßnahmen rund 5 Millionen investiert sein.
Ebenso soll die alte Schule mit dem Harmonikamuseum in Zwota als Vereinsheim ausgebaut werden. 300.000 Euro für Fassade, Fenster und Dach, 2021 folgen weitere 300.000 für Sanitär, Heizung und anderes. Einen richtigen Campus mit drei selbstständigen Schularten, die jedoch unter einer zentralen Leitung stehen, darauf arbeitet Hennig hin.
Neben Straßenflickungen und -ausbau stehen für 2020 die Planung für den grundhaften Ausbau der Pestalozzistraße und des Kopernikusrings an, deren Ausbau jeweils rund 800.000 Euro kosten wird.
Insgesamt hat der derzeitige Rathauschef Investitionen von etwa 4,5 Millionen für 2020 auf dem Plan. Und geschätzte 1,5 Millionen hat er ab 2022 auf dem Schirm für eines von weiteren Objekten.
So könnten nach Hennigs Vorstellung Freibad und Campingplatz näher zusammen rücken. Direkt am Freibad gibt es dafür eine freie Fläche. Zumal Camping derzeit im Trend liege.
Geplant sei zudem der Bau eines zentralen Schulhorts in Schulnähe einschließlich Frühhort mit mindestens 150 Plätzen. Der Hort könnte anstelle der alten Tierparkgaststätte entstehen, schwebt Hennig vor. Bis 2023 könnte das Projekt realisierbar sein.
Apropos schweben. Schon lange schwebt dem Bürgermeister eine Idee vor. An die glaubt er ebenso, wie an die Realisierung aller seiner Vorhaben. Deshalb auch bringt er perspektivisch wieder das Projekt einer ganzjährig nutzbaren Gondelseilbahn von der Stadt bis zum Aschberg mit Anschluss an das Skigebiet Bublava als absolutes Alleinstellungsmerkmal für Klingenthal ins Spiel. Kosten: Mindestens 10 Millionen. Wer das als Spinnerei abtut, sollte wissen, dass für ein solches grenzüberschreitendes Projekt Förderung von bis 90 Prozent möglich ist und außerdem von tschechischer Seite Interesse an einer Beteiligung besteht. Talstation könnte am Ort der noch abzureißenden Unimewa in der Talstraße sein.
Bei seinem Arbeitspensum "vergisst" Oberbürgermeister Thomas Hennig gewissermaßen regelmäßig seinen Urlaub. 140 Tage haben sich bisher angesammelt. Da er diesen aber nicht nehmen kann - wann denn auch - möchte er sich das Geld auszahlen lassen und dem Klingenthaler Tierpark spenden.
An einem möchte Thomas Hennig allerdings keinerlei Zweifel lassen: "Nach Dresden gehe ich nicht. Ich bin Vogtländer und hier bleibe ich."
Was aber, wenn in zwei Jahren ein neuer Vogtland-Chef gesucht wird? Steht Hennig dann zur Verfügung? "Eigentlich wäre das zu früh. Aber gänzlich auszuschließen ist nichts", fügt Klingenthals Oberbürgermeister schmunzelnd an.