Warten auf die Panne

Ein Panne? "Das war das Beste, was uns passieren konnte", sagt Elisabeth Oertel. "Bei einer Panne kommt man mit vielen Leuten ins Gespräch. Und bekommt Kontakt zu den richtigen Leuten, die Dinge möglich machen, die normalerweise unmöglich sind." Mit vier Freunden war Frau Oertel 2014 auf vier russischen Motorradgespannen gestartet - auf dem Landweg nach Amerika. Zweieinhalb Jahre später erreichte die Truppe New York. Aus 500 Stunden Filmmaterial entstand ein zweistündige Kinofilm, der am heutigen Samstag im Capitol Plauen gezeigt wird - gleichzeitig in zwei Sälen, ab 17 Uhr. Frau Oertel und ihr Reisebegleiter stehen für Fragen zur Verfügung. Der Vogtland-Anzeiger sprach mit der 35-Jährigen, die in Halle wohnt und dort an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Bildhauerei studiert hat. Übrigens: Frau Oertel stammt aus dem Thüringer Vogtland, aus Kühdorf bei Greiz.

Frau Oertel, mal der Reihe nach: Wer gehörte zur Reisegruppe?
Drei Thüringer, die an der Burg in Halle studiert haben, ein Este, der dort zum Austauschsemester war und eine Frau aus Zypern, die wir in Rotterdam kennengelernt haben.

Wie kommt man auf die Idee mit Motorrädern, zumal auf russischen, nach Amerika zu fahren?
Ein Motorrad ist ein idealer Kommunikator - man kommt prima ins Gespräch mit Einheimischen. Wir haben die Ural-Maschinen gewählt, weil sie in Russland hergestellt wurden und die Firma mittlerweile ihren Sitz in den USA hat, wo wir ja auch hinwollten. Die Maschinen sind leider störanfällig. Aber jede Panne hat uns die Chance eröffnet, mit den richtigen Leuten ins Gespräch zu kommen. Das hat so gut geklappt, dass wir auch russisches Sperrgebiet im Fernen Osten durchfahren konnten - was eigentlich nur mit Sondergenehmigung erlaubt ist. Unser Film trägt deshalb den Titel "972 Breakdowns auf dem Landweg nach New York"; Breakdown heißt Panne.

Was war der Höhepunkt der Reise?

Die 1600 Kilometer auf dem sibirischen Fluss Kolyma: Die Motorräder wurden auf Pontons gestellt und ihre Motoren trieben Schiffsschrauben an. Wir fuhren durch eine entlegene, menschenleere Region, in die man nicht so einfach hinkommt. Nur drei Siedlungen gibt es am ganzen Fluss. Und im Sommer ist es durch die "Weißen Nächte" immer hell: Man weiß nicht, wie spät es ist und welcher Tag. Das Gespür für Zeit geht verloren in der unendlichen Natur. Ein einzigartiges Gefühl.

Und mit dem Schiff ging's nach Alaska in Amerika?

Nein, alles kam ganz anders. Aber das will ich jetzt nicht verraten.

Waren die Abenteuer in Kanada und den USA vergleichbar mit denen in Russland?
Es ist überall gleich: 99 Prozent der Leute sind nett. Russland oder Amerika - kein Unterschied. ufa