Warten auf den Impfstoff

"Wir warten auf den Impfstoff. Er soll jeden Moment kommen", sagt am Mittwoch Andy Feig, Leiter des Impfzentrums in Eich. Ab 11. Januar will sein Team täglich 170 Impfdosen spritzen - auch an Wochenenden und Feiertagen.

Von Cornelia Henze

Eich Statt Erbsen aus Dosen gibt es ab kommenden Montag Impfstoff in "Dosen": Der frühere Eicher Supermarkt "Spektrum", der nach der Wende als erster neuer Supermarkt im Göltzschtal West-Waren unters Volk brachte, 2016 dicht machte und seitdem leer stand, hat als Impfzentrum temporär eine neue Bestimmung gefunden. Bis das große Impfen unter der Regie der DRK-Kreisverbände im Vogtland dort losgeht, macht Johannes Flechsig den Ex-Supermarkt technisch fit. Flechsig war von 1990 bis 1995 Eichs hauptamtlicher Bürgermeister. Danach war der gelernte Handwerker in seinem alten Beruf sowie im Immobilienmanagement tätig, auf dessen Erfahrungen er nun zurückgreift. Im Auftrag des Oldenburger Immobilienbesitzers fungiert Flechsig, der eigentlich Rentner ist, nun als Hausmeister und Verwalter. "Für das Herrichten des Marktes haben wir ausschließlich Handwerker der Region beauftragt", sagt der Haustechniker. So hat die TGA Auerbach die vorhandene Heizung wieder aufgefrischt, die ElRuFe Treuen die Elektrik gecheckt, die Firma Jacob aus Pfaffengrün sorgt für einen schneefreien Parkplatz, Schlüsseldienst Seidel aus Auerbach für Sicherheit und der Messebauer Mike Müller hat die große Halle mit Trennwänden in einzelne Warte-, Impf- und Ausruhkabinen unterteilt. Bewacht wird das Objekt nonstop von einem Sicherheitsdienst aus Lengenfeld.


Wo genau die Impfdosen aufbewahrt werden, darüber will Andy Feig lieber nicht sprechen. Der Impfstoff werde gut bewacht, sagt Feig, der hauptberuflich eigentlich die Rettungswachen des DRK Rettngsdienstes Göltzschtal in Reichenbach, Falkenstein und Rodewisch leitet und nun auch noch als Einsatzleiter dem Impfzentrum übersteht. "Das wird eine harte Zeit für uns alle", konstatiert Feig, der einen Ansturm Impfwilliger aus dem Vogtland nicht für abwegig hält.
Ab 11. Januar werden in Eich ausschließlich das ambulante Pflegedienstpersonal, Mitarbeiter von Rettungsdienst und Impfzentrum sowie über 80-Jährige geimpft. Bekanntlich stehen mit 68.250 Impfdosen dem Freistaat Sachsen zu wenig Impfstoff zur Verfügung, weshalb pro Tag nur eine gewisse Ration verimpft werden kann. "Bei uns in Eich sind das täglich 170 Impfdosen", so Feig. 20 DRK-Mitarbeiter plus zwei Teamleiter, eingeteilt in zwei Schichten, halten das Impfprozedere in Eich von Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr, und am Wochenende von 9 bis 17 Uhr am Laufen. Hochbetagte Menschen in Altenheimen werden seit dieser Woche schon von mobilen Impfteams, welche ASB und Johanniter im Vogtland stellen, aufgesucht und können sich - da es freiwillig ist - auf Wunsch impfen lassen.
Wie aber kommen über 80-jährige zu Hause Lebende, die weder mobil noch internetaffin sind, zu einer Impfung? Andy Feig verweist auf die deutschlandweite Hotline 116117, die allerdings in Sachsen noch nicht freigeschaltet ist, und in den Bundesländern, in denen sie bereits funktioniert, hoffnungslos überlastet zu sein und den Impfwilligen viel Geduld abzuverlangen scheint. Über die Hotline bekommen vorerst jene der Prioritätenliste 1 angehörenden Menschen die Termine für die Erst- und 21 Tage später folgende Zweitimpfung. Regional plane das DRK Fahrdienste für ältere Herrschaften; auch liefen derzeit Verhandlungen mit dem ÖPNV Vogtland wegen besserer Bus- und Zuganbindungen aus dem ganzen Vogtland nach Eich.
Der ehemalige Supermarkt sei im Spätherbst, als sich das DRK auf die Suche nach Immobilien machte, die geeignetste im Vogtland gewesen, sagt Andy Feig. "Das hat 1:1 gepasst - abgesehen von der logistischen Lage." Geprüft wurden auch andere Gebäude, wie etwa die Festhalle Plauen. Diese habe sich nicht als Mietobjekt für mehrere Monate geeignet, da dort regelmäßig der Plauener Stadtrat tagt und man bereits gebuchte Kulturveranstaltungen hätte absagen müssen. "Inzwischen liegen Hallenangebote aus anderen Städten wie Plauen und Oelsnitz vor. Sollte die Impfbereitschaft sehr groß sein, können wir auf diese neben dem Hauptimpzentrum Eich zurückgreifen."
Alle Impfzentren in Sachsen sind nach gleichem Schema eingerichtet und farblich ausgezeichnet. Wer das Okay fürs Impfen besitzt, startet den Rundgang bei "Grün". Am Check-In-Tresen wird geprüft, ob der Impfling auch zu der Gruppe der "Auserwählten" zählt. Ein Raum weiter bekommt er den Anamnesebogen. Dann ist Warten angesagt. Jeder wartet für sich allein auf einem Stuhl - eine Wand trennt den einen Wartenden vom anderen. Diesem Bereich gehört die Signalfarbe Rot. "Blau" steht für die Impf-Zone. Vorher klärt der Arzt den Patienten in einer kleinen Kabine auf. Vor dem Pieks werden noch mal Blutdruck und Co. gecheckt, ehe die Schwester die Spritze aufzieht. Dann ist es fast geschafft. Im orangen Raum stehen Liegen zum kurzen Ausruhen bereit - und dort geht‘s auch zum gesonderten Ausgang, dem Checkout.


Zwei Impfstrecken hat das DRK Vogtland erstmal aufbauen lassen. Die Fläche des Supermarktes lässt jedoch eine Erweiterung auf vier Strecken zu. 80 Menschen können pro Stunde geimpft werden. Wie viele ab Montag dann tatsächlich vor dem Tor stehen, kann Andy Feig nicht sagen. Er glaubt aber, dass die Bereitschaft fürs Impfen hoch sei. Die Abfragen unter dem medizinischen Personal laufen. Und schon seit Tagen kommen Leute am "Spektrum" vorbei und fragten, wenn es denn endlich los gehe. Unter denen, die dem DRK-Impfteam wohlgesonnen sind, waren auch zwei ältere Herren, die den Helfern ein Päckchen Schokolade zur Stärkung vorbei brachten. Andy Feig: "Darüber haben wir uns sehr gefreut."