Wartburgplatz-Bewohner trotzen Nazis

Sie machen am 1. Mai gegen den sich dort versammelnden "Dritten Weg" mobil und bekommen Hilfe vom "Runden Tisch". "Wir wollen keine Nazis am Wartburgplatz, wollen das braune Gedankengut nicht", so Anwohnerin Marianne Albert.

Plauen - "Wir möchten Plauen von Widerstandsnestern durchsetzen und die Stadt nicht den Neonazis überlassen", sagt der dem "Runden Tisch" vorstehende Pfarrer Hans-Jörg Rummel. Weil 2019 nun mal Superwahljahr ist, wird man auf die Reden von Politikern diesmal verzichten und den Ehrenamtlern den Vortritt lassen. Während der "Dritte Weg" seinen neuralgischen Punkt am Wartburgplatz hat und dann über die Pausaer-, Lange-, Planck- und Lutherstraße, über Schild-, Kaiser- und Bebelstraße sowie retour marschiert, befindet sich das Zentrum des Widerstandes am Albertplatz. Dort hat der DGB seine Bühne aufgebaut, dort wird Pfarrer Rummel zum Thema "Wir sind das Ehrenamt" mit Menschen, die sich ehrenamtlich für Demokratie und Toleranz engagieren, ins Gespräch kommen. Und dort wird auch unter "Plauen ist bunt - Plauen ist colorido" ein cooles Musikfestival über die Bühne gehen. 
Diesmal stehe man zusammen, lasse sich nicht splitten, kündigt Dorita Korte vom Verein "colorido" an. Das "Wir" sind die Runde-Tisch-Mitglieder der evangelischen Kirche, colorido und der DGB, Bündnis 90/Die Grünnen, der VVN, die Anwohner vom Wartburg-Platz und alle, die dazugehören wollen.
In den nächsten Tagen werde es auch noch Gespräche mit Plauens Oberbürgermeister geben, verbunden mit dem starken Wunsch, dass dieser sich an die Spitze des Widerstandes stellen möge und "nicht wie ein Tourist" durch Plauen spaziere - wie die Wahrnehmung aus vorangegangenen Jahren war. So, wie es Kommunalpolitiker, fernab jeglicher Parteien-Befindlichkeiten, längst in Oberfranken tun. Oder im thüringischen Themar, wo das Motto gilt: "Wir sind alle Antifa". Die Linke sei in Plauen nicht das Problem, die "Antifa" nicht das Gespenst, vor dem man sich fürchten müsse, stellt Ulrike Liebscher klar. "Antifa" sei letztlich jeder, der gegen Faschismus ist - da müsse man nicht dem linken "Schwarzen Block" angehören.
Dorita Korte ist sich nicht sicher, ob Demokratie wirklich rechtsextreme Truppen wie den "Dritten Weg" aushalten müsse, wie es die Politiker immer herauf beschwören. Der Buschfunk vermeldet bis zu 1000 Nazis, die Ihresgleichen sogar aus Griechenland und Ungarn mobilisieren. Dem trotzt der Widerstand an Albertplatz, dem Oberen Bahnhof, der Bebelstraße und der Markusgemeinde in Haselbrunn.    Cornelia Henze

Programm am 1. Mai: Plauen ist bunt 

Oberer Bahnhof: 10 bis 18 Uhr: Antifaschistische Kundgebung.
Albertplatz: ab 10 Uhr Reden zum 1. Mai mit der Band "Nachtschicht".
Ab 13 Uhr Musikfestival mit Livebands: Dirk Zöllner und Zöllner 5, Banda Internationale, Broke, Chever, Dystopia unbanished und Abgelenkt.
Bebel-Straße/Ecke Kaiserstraße: 13.30 Uhr Protest in Hör- und Sichtweite zur Neonazi-Kundgebung. Ab 10 Uhr: Banda Internationale läuft als "marching band" zum Oberen Bahnhof.
Haselbrunn: nach dem Protest 14 Uhr Fahrradcorso nach Haselbrunn (Treff Reuther-/Pausaer Straße).Abschlusskundgebung und Protest nahe am Wartburgplatz. 16 Uhr: Friedensandacht Kirche Matthäusgemeinde. Erlöserkirche: Friedensgebete um 12, 13 und 14 Uhr mit Glockenläuten