Wanderweg bei Plauen vom Erdboden verschluckt

Karten mit ausgezeichneten Wanderwegen liegen für Stadt und Land in der Touristeninformation aus. Einige Besucher des Vogtlandes, die sich in der Natur aufhalten wollen, werden dabei sogar mit einem Suchspiel belohnt.

Beim Weg am Friesenbachtal, der zur Voigtsgrüner Bucht an der Talsperre Pöhl führt, heißt es nicht entlang der markierten Strecke laufen, sondern der ausgeschriebene Pfad muss erst mal gefunden werden. Zwar weisen die kleinen rot-weißen Schilder an den Bäumen noch daraufhin, wo sich diese befinden, gibt es allerding keinen begehbaren Weg mehr. Nach der Wende wurde alles angelegt und hergerichtet. Holzbohlen links und rechts führten durch eine wunderschöne Strecke vorbei an Wald, Wiesen und Wasser. Ein paar Jahre lang wurde auch alles gepflegt und freigehalten. Doch bereits 2008 verwilderten Teile so nach und nach.

Nach einem Pflegeeinsatz, bei dem die Wege freigemacht werden sollten, wurde zwar gemäht, jedoch nicht die markierte Strecke, sondern einfach die Wiese, die eigentlich Privateigentum ist. Mittlerweile ist durch Bäume und Sträucher alles verwildert, das Gras steht hüfthoch und die Holzbohlen sind zum größten Teil weg gefault.

Überhaupt stellt sich das ganze Gebiet, immerhin als ein ,,Landschaftsschutzgebiet" ausgewiesen, sehr verwildert dar. Der Friesenbach, an dem früher bunte Blumen zu finden waren, ist durch Brennesseln und Kletten kaum noch zu sehen. Äste und Zweige von Bäumen liegen verstreut in der Gegend. Hat der kleine Bach Hochwasser, schwemmt es vieles vom Rand mit und verstopft dann irgendwo völlig.

Durch den zugewachsenen Wanderweg weichen viele, die sich trotzdem für die Strecke entschieden haben, auf die anderen Waldwege aus. Doch auch diese sind kaum begehbar. Große Steine, die den Wald vor Fahrzeugen schützen sollen, wurden einfach auf die Seite gerollt, so dass dort reger Jeep- und Quadverkehr herrscht. Waldbesitzer, die mit ihren Arbeitsgeräten zu ihren Grundstücken fahren, hinterlassen so tiefe Furchen auf den Wegen, dass Wanderern der Schlamm teilweise bis zu den Waden reicht.

Schon bei trockenem Wetter ist es kaum möglich voranzukommen, ohne nicht von Rand zu Rand hüpfen zu müssen, und selbst das gerät zum Slalom zwischen Sträuchern, Bäumen und Wasserlöchern. Für Anwohner, die das Wald- und Wiesengebiet wie ihre Westentasche kennen, ist der jetzige Zustand ein großes Ärgernis. Jahrelang sei der Wanderweg gut begehbar gewesen, jetzt ist das nicht mehr möglich. Viele Touristen werden beobachtet, wie sie auf maximal der Hälfte der Strecke resignieren und umkehren. Familien überlegen sich zwei Mal, ob sie ihre Kinder durch das hohe Gras schicken, denn auch Zecken gäbe es viel mehr als früher.

Patrizia Müller ging früher viel mit ihren Hunden in diesem Gebiet spazieren. "Die Hunde lasse ich ohne Zeckenhalsband gar nicht hierher. Ich selbst muss Gummistiefel tragen. Beim Überwinden der Schlammfurchen habe ich dabei auch schon den einen oder anderen Schuh verloren. Ganz zu schweigen, wie meine Hunde nach so einem Spaziergang aussehen", sagt die Plauenerin.

Auch Heinz Kramer ärgert sich über den Zustand des Landschaftschutzgebietes. Er ist Chef der Jagdgenossenschaft und besitzt selbst ein Stück Wald in der Nähe. Nach langem Suchen und Orientieren an den kleinen Schildern, findet er noch das eine oder andere Stück Holzbohle der ehemaligen Wanderwegsäumung. Dabei ist er allerdings schon fast gänzlich im Dickicht verschwunden. Doch auch mit dem Zustand der anderen Wege will er sich nicht abfinden. Es gäbe einen Passus im Waldgesetz, der besagt, dass ein Waldweg begehbar sein müsse, weiß Kramer. Doch der weiche Boden sinke unter den mächtigen Rädern der großen Maschinen ein wie Butter. Wir können es einfach nicht verstehen. Die Stadt rühmt sich mit diesen Wanderwegen, zeichnet sie in ihren Karten aus und schickt Touristen in so eine Wildnis, ärgern sich die Menschen aus der Umgebung.

Nach einer Sichtung vor Ort bleibt wirklich nur ein Kopfschütteln und die Frage, warum hier nichts getan wird. Sicher gab es doch damals Fördermittel für die Schaffung einer weiteren ,,Touristenattraktion". Wir bleiben an der Sache darn und berichten in einer der nächsten Ausgaben. tp