Wandern im Grenzland

Großer Bahnhof in Posseck und Pabstleithen: Bei traumhaftem Herbstwetter haben 137 Frauen und Männer an der Grenzlandwanderung teilgenommen.

Posseck/Pabstleithen - "Das war eine große Leistung, viele haben geholfen, wir sind glücklich und sehr zufrieden", so Katrin Hager vom Organisationsteam des Kreissportbundes Vogtland. Die Wanderung stand zunächst im Zeichen von 30 Wiedervereinigung. Doch nicht nur das. Am idyllisch gelegenen Possecker Teich sowie an der Wendeschleife von Pabstleithen sind großzügig gestaltete Info-Tafeln mit Möglichkeiten zur Rast und zum Verweilen eingeweiht worden.
Zum Start in Posseck würdigte Triebels Bürgermeisterin Ilona Groß das Engagement von Joachim Kühn. Der Possecker habe zwei ruinöse Häuser im Zentrum seines Heimatdorfes gekauft, abreißen lassen und zu einem Schmuckstück mit Wiese und Rastplatz für Wanderer umgestaltet. Zusammen mit Peter Stehr aus Regnitzlosau habe er den Ausbau und die Beschilderung des Wanderwegenetzes weit über das Grenzland hinaus organisiert, lobte die Bürgermeisterin. Auch Andreas Wehner, Vizepräsident des Kreissportbundes Vogtland, freute sich über die Veränderungen nach 30 Jahren Deutscher Einheit. Sowohl Posseck auch als auch das Eichigter Grenzland mit Pabstleithen, Ebmath und Tiefenbrunn waren zu DDR-Zeiten nahezu hermetisch abgeriegelt. Die sogenannte Fünf-Kilometer-Sperrzone war nur mit einem Passierschein erreichbar.
So nutzten denn viele Wandersleut‘, manche zum ersten Mal im sächsisch-bayerischen Grenzland, die Gelegenheit, die einmalige Landschaft am früheren Todesstreifen zu entdecken. Die Tour führte an der Ruine des Possecker Schlosses und zahlreichen Zeugnissen der früheren Nahtstelle zwischen Ost und West vorbei ins fränkische Weberdorf Nentschau - und dann weiter über Mittelhammer zum Dreiländereck Böhmen-Bayern-Sachsen. Aufgrund von Corona wurde die geplante Route durch Tschechien gestrichen. Dennoch ließ sich kaum ein Teilnehmer den Abstecher zum Dreiländereck entgehen. Über den nicht eben wanderfreundlichen Kolonnenweg erreichte die in sechs Riegen eingeteilte Truppe schließlich neuen Rast- und Verpflegungsplatz in Pabstleithen. Hier würdigte Eichigts Bürgermeister Christoph Stölzel die Veränderungen der letzten 30 Jahre: Lebenslinie statt Todesstreifen. Grünes Band statt Eiserner Vorhang. Keine Selbstschussanlagen, kein Stacheldraht, keine Panzersperren, . . . Arnika und blühende Heidelandschaften sowie seltene Falter auf Flächen, die von der Possecker Kompanie schussfrei gehalten werden mussten.
Über Kugelreuth und Wieden erreichten die Wanderer nach etwa 14 Kilometern wieder Posseck. Das Resümee von Rainer Ittner, Chef der Triebeler Wanderfreunde ist von A bis Z positiv. "Eine ganz schöne Sache, hat mich sehr gefreut, das kann so weitergehen."
Organisiert wurde die Grenzlandwanderung vom Kreissportbund Vogtland. Unterstützt haben das Team um Janina und Rudolf Schwab vom Possecker Heimatverein, der Vogtländische Gebirgs- und Wanderverein, die Triebeler Wanderfreunde sowie die Gemeinden Eichigt und Triebel. crs