Waltraud Schmidt kämpft gegen das Vergessen

Plauen/Rößnitz - Eine Kämpferin gegen das Vergessen feierte am Donnerstag ihren 75. Geburtstag. Waltraud Schmidt aus Rößnitz interessiert sich seit Jahrzehnten für kulturelle und historische Hintergründe, für das Schicksal von Minderheiten und insbesondere für die Aufarbeitung der jüdischen Vergangenheit im Vogtland. Seit Jahrzehnten ist sie auf diesem Gebiet unterwegs.

 In Zusammenhang mit dem Namen Waltraud Schmidt steht in Plauen auch der jüdische Friedhof Am Tannenhof im Ortsteil Kauschwitz. Seit 1986 bereits pflegt die Geschichtskennerin den denkmalgeschützten Friedhof mit. Heute leitet den Friedhof Liane Kümmerl. Mit ihr zusammen hat die Rößnitzerin im letzten Jahr auch die Dauerausstellung in der ehemaligen Feierhalle, heute eine Gedenkstätte, erneuert. Seit 20 Jahren war die Dokumentation nicht aktualisiert worden. "Die Ausstellung wurde unter großen Schwierigkeiten erneuert", sagt Waltraud Schmidt. "Die Stadt hätte sich intensiver drum kümmern können", mahnt sie an. Zum 70. Jahrestag der Pogromnacht wurde die Schau wiedereröffnet.

 Auf dem jüdischen Friedhof befinden sich um die 130 Ruhestätten, darunter viele Sammelgräber. Im Mai 2000 wurde hier von Nachkommen ehemaliger Plauener Juden auch ein Gedenkstein für die zahlreichen Opfer, die ohne Grab geblieben sind, enthüllt. Die letzte Beisetzung auf dem Friedhof war im Jahr 1998 mit Isak Kurt Kohn.  Der heutige Friedhof entstand im Jahr 1898. In Plauen gab es aber schon im Mittelalter laut alten Urkunden einen jüdischen Friedhof, bezeichnet worden sei er als "Judengarten". Er entstand vermutlich nach 1350 außerhalb der Stadtmauer, vor dem Straßberger Tor. Bis heute ist dies aber nicht eindeutig nachgewiesen, schreibt Waltraud Schmidt in ihrem eigenen Buch "Der jüdische Friedhof Plauen". Im Jahr 2003 veröffentlichte sie die Publikation, in dem erstmals sehr umfangreich in Bild und Text der jüdische Friedhof vorgestellt wird.

 Mit dem Buch möchte Waltraud Schmidt zum Nachdenken anregen und an diejenigen erinnern, die sich ebenfalls um den Friedhof verdient gemacht haben. Die 75-Jährige nennt hier die bereits verstorbenen Hannes Schmidt, Isak Kurt Kohn, Pfarrer Gunter Vödisch und Siegfried Wunderlich. Sie alle stehen im engen Zusammenhang mit dem jüdischen Friedhof, sagt Autorin Waltraud Schmidt.

 Auf über 100 Seiten hat sie die Geschichte des Friedhofes für die Ewigkeit dokumentiert. Dazu hat die Rößnitzerin unter anderem eng mit dem Stadtarchiv Plauen und dem vogtländischen Kreisarchiv zusammengearbeitet. Neben ihrem eigenen Buch verfasste die Vogtländerin auch Artikel für andere Geschichtsbücher oder Magazine, wie unter anderem den Historikus Vogtland.  Für ihre Forschung auf dem Gebiet der Juden im Vogtland ist Waltraud Schmidt auch bereits ausgezeichnet worden. Im Jahr 2001 bekam sie die Plauener Stadtplakette überreicht.

 Derzeit arbeitet die "Kämpferin gegen das Vergessen" zusammen mit anderen Historikern an einer zentralen digitalen Datei, in der alle vogtländischen Juden erfasst werden sollen, die Opfer des Faschismus geworden sind. Die 75-Jährige schätzt, dass es etwa 1000 Tote im Vogtland gab. Das Verzeichnis soll ein Beitrag für den historischen Sachsen-Atlas werden. "Bisher ist darüber wenig darin zu finden", sagt Waltraud Schmidt.  Geboren ist die Vogtländerin 1934 im Haus ihrer Eltern in Rößnitz bei Leubnitz. Hier wohnt sie auch seit den 70er Jahren, damals erbte sie das Haus. Martin Reißmann