Waldkäuze sagen Danke

Wenn man in Waldnähe wohnt, kennt man die nächtlichen Rufe des Waldkauzes. Doch, was eine Ruppertsgrüner Familie vergangene Woche erlebte, klingt wie eine Geschichte aus einem Kinderbuch.

Von Gabi Kertscher

Wir waren beim Bau von einem Insektenhotel. Plötzlich lautes Kratzen aus Richtung Wald." Erst dachten die Bewohner, es sei ein Eichhörnchen, dann der Hauskater. Das Grundstück wird durch eine Schranke begrenzt, deren Schrankenbaum meist nach oben zeigt. Die Geräusche kamen aus deren Richtung. "Wir haben die Schranke geschlossen und in das Rohr geleuchtet." Zwei große schwarze Augen schauten ihnen erschrocken entgegen. "Wir wussten sofort, dass es ein Kauz war", erzählten die Grundstückseigentümer.
Es begann eine aufwendige Rettungsaktion. Der Hausherr schraubte die Schranke auseinander, der Vogel glitt aus dem Rohr direkt in einen Sack. Nach dem Anruf beim Falkner Hans-Peter Herrmann machte sich das Paar auf den Weg nach Plauen. Herrmanns Mitarbeiter Ralf Zierold untersuchte den verängstigten Nachtvogel und stellte fest, dass er zwar Milben hatte, aber ansonsten keine Verletzungen davongetragen hat. Nach einer Woche mit professioneller Pflege konnte der Kauz abgeholt werden. Im Beisein der Nachbarskinder wurde er wieder in die Freiheit entlassen.
Der Waldkauz wurde in dieser Woche schmerzlich vermisst. Sein Partner oder Partnerin hat jede Nacht laut gerufen. Vom Falkner erfuhren die Ruppertsgrüner, dass die Vögel bereits brüten und sich dabei abwechseln.
Seit Mittwochabend sind die Waldkäuzchen vom Ruppertsgrüner Frauenpöhl wieder vereint und rufen jede Nacht. "Vielleicht wollen sie sich bei uns bedanken", überlegen die Retter. Es soll bereits der zweite Vogel gewesen sein, der im Rohr landete. Dem ersten konnte nicht geholfen werden, er hat sich nicht bemerkbar gemacht. "Wahrscheinlich landen sie oben, schlafen vielleicht ein und rutschen dann ab", überlegte Falk K., der Besitzer des Grundstückes. Der Schrankenbaum wurde inzwischen mit einem dicken Ast verschlossen, so dass ein solches Missgeschick nicht wieder passieren kann.