Wald der Zukunft gepflanzt

Voll im Gange sind die Arbeiten im Landeswaldrevier Tiefenbrunn. Die Frühjahrsaufforstung im Forstbezirk Plauen steht kurz vor dem Abschluss. Fast 160.000 junge Bäume haben Waldarbeiter und beauftragte Unternehmen auf 30 Hektar gepflanzt und damit den Wald der Zukunft begründet.

Gettengrün Das 1200 Hektar große Revier von Förster Timo Hartwig erstreckt sich von Oelsnitz bis Gettengrün. Das 1,5 Hektar große Waldstück auf Bergeshügel über Posseck - im Volksmund "Russenholz" genannt - hatten Sturm und Borkenkäfer so sehr gezaust, dass zum Schluss alle Stämme flach lagen, erzählt Hartwig vor Ort. Im geteilten Deutschland hatte die Anhöhe in Sichtweite des Eisernen Vorhangs ihren Namen weg - von den Angehörigen der Sowjetarmee, die regelmäßig hierher auf Horchposten geschickt wurden.
Jetzt ist die Fläche gerodet. Wälle von Ästen türmen sich, große Baumstümpfe schauen heraus. Ulme, des Försters Bayrische Bergschweißhündin, stürmt in langgezogenen Sprüngen über ihren Abenteuerspielplatz.
Drei Mitarbeiter des Landeswaldreviers pflanzen Bäumchen in den Waldboden in der Hoffnung, dass viele den Verbiss durch Rotwild überleben. Dann könnte hier alles in zehn Jahren wieder von dichtem Grün bedeckt sein. Zwischen Rotbuchen, Bergahorn und Douglasien lässt Hartwig 250 Vogelkirschen setzen - als Nahrungsgrundlage für Vögel und Insekten, unter denen besonders die Ameisen vom Nektar der Blüten profitieren - aber auch des Anblicks wegen. "Es soll ein schönes Vogelschutzgehölz werden", nimmt sich der Förster vor, "in dem dann und wann auch ein Nutzstamm entnommen werden kann".
Nebenbei fügt der Fachmann an, dass der Preis für gutes, borkenkäferfreies Schnittholz kräftig angezogen hat und jetzt bei 100 Euro pro Festmeter liegt. Einige der Bergahorn-Stämmchen werden dafür nicht mehr sorgen können - sie wanderten in der vergangenen Woche bereits in den Magen der Rehe, berichtet Waldarbeiter Jörg Eckardt. Die Vogelkirschen-Bäumchen erhalten als besonders wertvolle Baumart die grünen Schutzhülsen gegen den Verbiss. Tobias Goldfuß, der einzige Oberfranke im Team, stanzt die Löcher in den Boden. Aufforsten will Hartwig in diesem Jahr rund 4,5 Hektar seines Reviers mit insgesamt 40 000 Pflanzen und den Jungwuchs auf 2,5 Hektar nachbessern - dort, wo es Ausfälle gegeben hat. Zum Einsatz kommen - bis auf die Douglasie - heimische Baumarten aus den Baumschulen. Dabei müsse genau auf den richtigen Standort und die Höhenlage für den jeweiligen Setzling geachtet werden, damit er sich fortentwickeln kann. Dem Förster stehen bis Jahresende noch vier eigene Arbeitskräfte zur Verfügung, danach nur noch zwei. "Völlig unzureichend", meint er. Ohne die zusätzliche Beschäftigung von Unternehmen wäre die Arbeit nicht zu schaffen".
Platz in den hiesigen Wäldern finden auch seltene Baumarten wie Hainbuchen, Vogelkirschen und Esskastanien. Besonders wichtig sei dem Staatsbetrieb Sachsenforst die Anlage von abwechslungsreichen Waldrändern mit heimischen Sträuchern. "Wir wollen damit einen abwechslungsreichen Lebensraum schaffen für unsere heimischen Insekten, Vögel und Kleintiere", schreibt Ines Bimberg, die für Öffentlichkeitsarbeit und Waldpädagogik zuständig ist. Renate Wöllner