Wahrzeichen für Bio-Hafer wächst

Das Mahl- und Schälwerk der Rubinschen Hafermühle steht Dienstag für kurze Zeit still. Alle Mitarbeiter sind dabei, als Mühlenchef Christopher Rubin den Spaten in die Erde rammt: Für die neue Hafermühle, die 20 Millionen Euro kostet. Danach gibts Freibier.

Von Cornelia Henze

Plauen - Geladene regionale Politprominenz und langjährig begleitende Baufirmen können am Dienstag mitverfolgen, wie ein Schwarzwälder Familienbetrieb über die Jahre expandiert. 2014 war es, als Vater und Sohn Rubin neben dem Stammsitz in Lahr in Baden-Württemberg ins Vogtland kommen und in Oberlosa eine Hafermühle hochziehen. Im schwierigen Corona-Jahr, als vieles auch im Logistik- und Baugeschäft ins Schleppen kommt, nehmen die Rubins ein neues Silo samt Flockierlinie und Lageranbau in Betrieb. Gestern nun der dritte Spatenstich: Für eine zweite Mühle, in der ausschließlich Hafer aus Bioanbau verarbeitet wird. Das Schälen und Sortieren von Biohafer und konventionellem Korn erfolgte bisher in der "alten" Mühle, was nach jedem Wechsel und Schälgang eine aufwändige Reinigung nach sich zog. In der bisherigen Mühle wird ab November 2022 nur noch konventionelles Getreide verarbeitet, im Neubau ausschließlich Bio-Getreide. Bio, ein Markt, der stetig wächst, denn die Konsumenten werden ernährungsbewusster, setzen auf vegane oder laktosefreie Produkte, wie Hafermilch. Firmenchef Christopher Rubin bezeichnet den Spatenstich als sichtbaren Anfang eines neuen Kapitels der Firmengeschichte. Dass man sich vor sieben Jahren im Vogtland niederließ, haben die Rubins aus vielen Gründen nicht bereut. Auf den Feldern des sächsischen, thüringischen und bayerischen Vogtlandes und im benachbarten Böhmen gedeihe der Hafer so gut wie nirgens. DieNiederlassung befinde sich logistisch günstig an der Achse zwischen Österreich und Ostsee, im Gewerbegebiet Oberlosa habe man genug Fläche, um zu expandieren - und das Miteinander mit Stadt und Landkreis geschehe unkompliziert und unbürokratisch, lobt Rubin. Wenn die neue Mühle Ende 2022 in Betrieb geht, wird Rubin am Standort seine derzeit 47köpfige Belegschaft um 20 Prozent aufstocken. "Das Fundament unseres Hauses sind unsere Mitarbeiter", sagt Rubin vor fast voller Belegschaft, deren Stammmannschaft der Firma über die Jahre die Treue gehalten habe. Von acht in jener Zeit ausgebildeten Azubis (Müller/Lageristen/Industriekaufmann) seien bis auf zwei alle im Unternehmen geblieben.


So wichtig wie den Schwarzwald-Müllern die Mitarbeiter sind, so setzen sie auf Verrauen bei den bauausführenden Partnern. "Wir haben alles geplant, was Sie hier sehen, und wir begleiten das Unternehmen auch schon seit Jahren am Stammsitz im Schwarzwald", sagt Birgit Erb, Chefin des planenden Ingenieurbüros Erb. Hand in Hand funktioniere der Bauablauf auch mit Köster-Bau, Niederlassung Chemnitz, der bereits auch alle Vorgänger-Gebäude für Rubin in Oberlosa baute. Nun entsteht auf 4000 Quadratmeter Fläche eine 32,8 Meter hohe Mühle mit 31.000 Kubikmeter Volumen. Zehn Tonnen Hafer können künftig dort pro Stunde geschält werden. Als echtes Statement für unsere Region bezeichnete die CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas Ansiedlung und Neuinvestition der Rubins. "Das tut unserer Region sehr gut." Baubürgermeisterin Kerstin Wolf dankte dem Familienunternehmen für das Vertrauen in den Standort und Dr. Uwe Drechsel, der in Vertretung des Landrates kam, bezeichnete den hohen Mühlenturm gar als neues Wahrzeichen des Vogtlandes - nach der Göltzschtalbrücke. "Wenn ich dann von der Autobahn komme, und die Mühle sehe, weiß ich, dass ich im Vogtland bin."