Wahlplakate mal genauer angeschaut

In fünf Wochen wählen die Sachsen einen neuen Landtag und trotz Urlaubszeit und Wahlkampf-Großkampftagen am Stück haben die Protagonisten einiger Parteien (CDU, Linke und FDP) bereits erste Wahlplakate in Plauen aufgehängt.

Plauen - Die Plakate hängen. Und wie bereits Kult-Komiker Vicco von Bülow alias Loriot einst wusste: "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen". Grund genug für unseren Mitarbeiter Ingo Eckardt einen ebenfalls nicht ganz ernst gemeinten Blick auf die ersten Plakate im Landtagswahlkampf zu werfen. 
Frank Heidan (CDU):
Das kann echt ins Auge gehen - und meint nicht nur den Kabelbinder, den man ihm über das rechte Auge gelegt hat. Der Plauener Landtagsabgeordnete sieht auf seinen personalisierten Werbeplakaten nämlich nicht nur aus, als sei er in einen Jungbrunnen gefallen (Photoshop sei Dank), sondern legt auch den Verdacht nahe, er würde sich die langsam grauer werdenden Haare färben. Man möge die vage Formulierung verzeihen, aber in Deutschland Witze über die potenzielle Verwendung von Haarfarbe zu machen ist seit der "Causa Gerhard Schröder", der als Kanzler Journalisten belangen ließ, die ihn des Nachfärbens bezichtigten, eher problematisch. Im Falle des Plakates von Frank Heidan fällt zudem auf, dass hier mutmaßlich der Kandidat das Programm schlägt. Das Logo seiner Partei hat Heidan oben rechts in die Ecke gestellt und dass das Plakat am Laternenpfahl abgerutscht und Heidan so am Boden ist, werden die Unions-Wähler nicht so gern sehen.
Maik Schwarz (Linke):
"Die Partei, die Partei, die hat immer recht" sang man bis vor dreißig Jahren voller Inbrunst in der Vorgänger-Partei der Linken. An die SED-Zeiten kann sich der Linken-Landtagskandidat Maik Schwarz vermutlich gar nicht mehr erinnern. Ob er aus diesem oder anderen Gründen auf sein Konterfei auf den Plakaten (zumindest vorerst) verzichtet, ist schwer herauszufinden. Was man auf dem Plakat erkennen könnte, ist neben der eigentlichen Message (Weltfrieden in den Farben der Picassoschen Friedenstaube) vielleicht auch ein kleiner Ausblick auf das künftige Bildungsniveau der von seiner Partei präferierten Gesamtschule - zumindest, wenn die Trennung des Wortes dafür ein Zeichen sein soll. Immerhin setzt man auch auf Dialog, Respekt und Abrüstung. Das Parteilogo ist groß und rot zu sehen und zwar unten rechts - quasi als Unterschrift. Man steht also dazu, was man fordert - schon bedenklich, dass man das heutzutage so dokumentieren muss.

Sven Gerbeth (FDP):
Gleich mit zwei unterschiedlichen personalisierten Motiven ist FDP-Kandidat Sven Gerbeth am Start. Auf dem ersten Plakat gibt der erfahrene Kommunalpolitiker den sehr Seriösen im Hemd und einem dunklen Jackett. Sein zweites Motiv kommt da schon etwas legerer daher. Im stylischen Hoodie-Shirt scheint er den Vorbeikommenden hinter vorgehaltener Hand irgendetwas mitteilen zu wollen. Was wird er da wohl flüstern? Hat er schon eine Ahnung, wie die Wahlen ausgehen werden? Sieht er sich gar als exklusiven Geheimtipp in Sachen Landtagswahl? Wer weiß, was diese mystische Geste am Ende zu bedeuten hat...
Zu lesen ist in den Bonbonfarben seiner FDP, Gerbeths Name und der seiner Stadt Plauen. Und es gibt einen Satz zu lesen, der viel Interpretationsspielraum lässt: "Jetzt geht‘s los". Was denn genau? Die bonbonfarbige Revolution etwa? Oder seine große Politikkarriere auf Landesebene? Die FDP-Wähler fänden das sicher klasse! ie