Wahlnachlese: Zwischen Freude und Enttäuschung

Vogtland - Einen Tag nach der Landtagswahl haben wir uns im Vogtland bei den Wahlgewinnern und -verlierern umgehört und auch bei den beiden Kommunalpolitikern nachgefragt, die bereits im Vogtland eine schwarz-gelbe "Koalition" bilden - bei Landrat Dr. Tassilo Lenk (CDU) und dem Plauener Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP).

 

"Die vier erreichten CDU-Direktmandate im Vogtland sind eine gute Basis für einen kontinuierliche Weiterarbeit in Sachsen", sagte der Landrat. Bei der Diskussion um einen möglichen Regierungspartner für die CDU vertraue er auf Ministerpräsident Stanislaw Tillich. "Ich hoffe, dass er wirklich mit allen potenziellen Partnern spricht, um jenen zu finden, der Sachsen weiter voranbringt, der es innovativ gestalten hilft und der vor allem darauf bedacht ist, den ländlichen Raum - und der beginnt schon bei den Mittelzentren - zu stärken. Es geht um das beste Konzept, um Fakten und nicht um vermeintliche Ansprüche." Der Landtag solle sich nicht so lange mit sich selbst beschäftigen, weil die Zeit dränge, "die schwierige Finanzsituation und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind noch nicht überwunden. Deshalb brauchen wir schnell ein arbeitsfähiges Gremium", betonte Lenk.

 

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Oberdorfer steht hinter Heidan und schließt einen Wechsel nach Dresden nicht aus

   "Ich habe mit Interesse den Wahlausgang in Plauen zwischen Wolfgang Hinz (Linke) und Frank Heidan (CDU) verfolgt. Zum Schluss hat Heidan mit dem sachsenweit knappesten Ergebnis das Direktmandat für die CDU errungen. Knapp war das Ergebnis wohl deshalb, weil der Verlust der Kreisfreiheit Plauens ihm einen Makel bescherte. Doch die Kreisreform ist Geschichte und in Zukunft ist im Landtag einer gefragt, der sich engagiert einbringt. Und das hat Heidan getan und so soll es auch in Zukunft bleiben", erklärte Ralf Oberdorfer.

 

Befragt, ob er bei einer CDU/FDP-Regierung mit nach Dresden gehen würde, sagte der Plauener OB: "Zunächst geht es nach Inhalten und erst dann folgen Personalgespräche. Wenn der sächsische FDP-Vorsitzende Holger Zastrow mich anspräche, würde ich nicht voreilig nein sagen. Denn dann verbaut man sich auch die Chance, seine Inhalte einzubringen." Zugleich sprach Oberdorfer von seinen vorrangigen Wünschen. "Morgen beginne ich mein zehntes Amtsjahr. In einer größeren sächsischen Stadt gibt es keinen, der so lange Bürgermeister ist. In all den Jahren hat man Erfahrungen in der Kommunalpolitik gesammelt. Und diese würde ich gerne in irgendeiner Form in die Koalitionsgespräche zwischen CDU und FDP in Dresden mit einbringen - und habe meine Mitarbeit auch angeboten. Dabei bleibt für mich das wichtigste Thema, die höhere Bildung im Vogtland und ganz speziell die Verwirklichung des Campus auf dem Schloss-Gelände", betonte Oberdorfer.

 

Nach seiner Meinung würde die FDP zwei Ministerien in der künftigen Regierung besetzen, auf alle Fälle das Wirtschaftsministerium. "Wenn ich nach Dresden gehen würde, und das Solitäramt eines Oberbürgermeisters der fünf größten Stadt Sachsens aufgeben würde, dann nicht als Staatssekretär", sagte Oberdorfer mit einem Augenzwinkern.

 

Welt für Heidan in Ordnung

 

Denkbar knapp mit nur 123 Stimmen mehr als der Zweitplatzierte, gewann Frank Heidan das Direktmandat für die CDU. "Ich habe schon bis zum Schluss gezittert. Doch ich habe mein Ziel erreicht und damit ist für mich die Welt in Ordnung. Morgen ist Fraktionssitzung in Dresden und da wird es auch erste Gespräche zu künftigen Koalitionen geben. Es wird sicherlich die FDP werden. Wenn ich das weiter fortführen darf was ich bisher getan habe, im Wirtschafts- und Hochschulausschuss, dann bin ich zufrieden", betonte Heidan und verriet: "Heute Nacht habe ich super geschlafen, da war die ganze Anspannung der letzten Wochen gewichen".

  Stubenrauch tritt nicht mehr an   Zu den Wahlverlierern zählt in Plauen Bernd Stubenrauch von der SPD. Der 62-Jährige, der gestern bereits seine Bürgerstube auf der Straßberger Straße beräumte, musste trotz des sehr aufwendigen geführten Wahlkampfes mit einem Ergebnis von rund 11 Prozent eine deutliche Schlappe einstecken. "Ich hatte mir natürlich mehr erhofft, aber jetzt wird erst einmal durchgeatmet. Wir sind derzeit bei den Analysen und gehen alles noch einmal durch. Vor allen junge Wähler aber haben uns gefehlt." Erfreulich äußerte er sich darüber, dass in Plauen das SPD-Ergebnis über dem Landesdurchschnitt lag. "Plauen ist fest in der Hand von zwei Parteien. Das sind CDU und FDP, damit ist eigentlich alles gesagt."

 Kaum ein andere Plauener Wahlkämpfer hatte sich so in der Öffentlichkeit in Szene gesetzt, wie Stubenrauch. Bei Fahrradtouren, auf der Kartbahn, mit einem Flugzeug über Plauen und unter anderem mit zahlreichen Wahlplakaten machte er auf sich aufmerksam. Stimmen wollte Stubenrauch damit übrigens keine sammeln, wie er sagte: "Ich wollte nur einmal etwas Neues versuchen. Wir haben einen sachlichen und keinen populistischen Wahlkampf geführt, wie andere Parteien." Bei der nächsten Landtagswahl in fünf Jahren wird sich Bernd Stubenrauch laut eigenen Worten nicht mehr aufstellen.   Schuster will Ärzte unterstützen   Auf großes Vertrauen kann in Plauen Hans-Jürgen Schuster bauen. Der niedergelassene Arzt wird zukünftig als Landtagsabgeordneter der FDP die belange der Vogtländer in Dresden vertreten. Er erreichte am Sonntag mehr als 14 Prozent aller Stimmen und gehört damit zu den klaren Wahlgewinnern. "Ich bin natürlich sehr erfreut über das Ergebnis. Wir müssen nun schauen wohin die Reise geht und welche Parteien eine Koalition bilden. Ich denke aber, das wir zu den Favoriten gehören.", so Schuster. Das die FDP deutlich zugelegt hat, liegt vor allem an den vielen guten Leuten, meint der Urologe: "Wir haben viel Potenzial und ein gutes Kompetenzteam, dass hat die Wähler überzeugt."

 

Der Plauener wird in Dresden für seine guten Kenntnisse in der Gesundheitspolitik geschätzt. Dies möchte er nutzten und sich im Landtag auch für die sächsischen Ärzte stark machen. "Uns fehlen junge Ärzte. Wir bekommen in einigen Jahren große Probleme, wenn wir jetzt nicht etwas unternehmen." Schuster hat bereits einige Pläne in der Schublade, wie er sagt. Vorstellen könnte er sich, in Sachsen auch ein Pilotprojekt zu starten, um junge Ärzte anzulocken, die sich vor allem in den ländlichen Regionen niederlassen. Seine Praxis in Plauen wird er nicht aufgeben, dafür aber sein Stadtratsmandat.  

Bräunig nicht mehr im Landtag

 

Die Zweitstimme nur demokratischen Parteien zu geben, hatte der Klingenthaler SPD-Landtagsabgeordneter Enrico Bräunig noch kurz vor der Landtagswahl ermuntert. Durch die Wahlschlappe der SPD reichte es am Ende für Bräunig selbst nicht, wieder in den Sächsischen Landtag Einzug zu halten. Wie sieht nun die weitere politische Karriere für den engagierten jungen Mann aus? "Ehrenämter habe ich mehr als genug", erklärt der Klingenthaler. So fordere ihn die Aufgabe als stellvertretender Vorsitzender der Vogtland-SPD. "Dieses Ehrenamt würde ich gern weiter begleiten. Ebenso bin ich im Klingenthaler Stadtrat weiter aktiv. Für diese Arbeit habe ich jetzt wieder etwas mehr Zeit." Wie geht es beruflich weiter? Hier muss sich Enrico Bräunig nicht sorgen. Als Ermittlungsbeamter der Bundespolizei wird er seinen künftigen Arbeitsplatz im Revier Klingenthal haben.

In den nächsten Wochen möchte der SPD-Mann erstmal pausieren. Zudem sei er ja bis zur Konstituierung des neuen Landtages noch im Amt. Der neue Landtag muss ich spätestens bis 30 Tage nach der Wahl neu geordnet haben. Sein Landtagsbüro in Plauen werde er schließen, welches er als Partner gemeinsam mit Rolf Schwanitz nutzte. "Politisch werde ich mich auf jeden Fall weiter für die Vogtland-SPD engagieren", versichert Bräunig.  M. T., mar, mad

 

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