Wahlkämpfer in Plauen auf Schmusekurs

Erstmals stellten sich alle vogtländischen Kandidaten für den Bundestag gemeinsam vor. Doch wer im Jugendclub eSeF ein verbales Hauen und Stechen zwischen den Parteienvertretern erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Plauen - Zunächst die gute Nachricht: Etwa 100, meist jugendliche Zuhörer, waren am Mittwoch Abend gekommen um zu hören, welche Positionen die Kandidaten von CDU, SPD, FDP, Grünen, Linken und Piratenpartei vertreten und um die Möglichkeit zur Diskussion zu nutzen. Moderatorin Nele Wolfram vom Jugendparlament wertete dies denn auch als Beweis, "dass es noch Leute gibt, die sich für Politik interessieren".

Anstelle einer üblichen Vorstellung bat sie die Talk-Gäste, sich mittels kleiner Zeichnungen vorzustellen. Dass sich auf den Bildchen schon die eine oder andere Übereinstimmung fand, nun gut. Dass sich manch Jugendlicher am Ende gefragt haben mag, ob "die" eigentlich alle derselben Partei angehören, war dem Anliegen der Veranstaltung wohl kaum dienlich. Stichwort zeitgemäßes Schulsystem und die Frage, weshalb Bildung noch immer Ländersache sei. Unisono war sich das "Präsidium" einig, dass eine Vereinheitlichung eigentlich überfällig sei, der Teufel aber eben im Detail stecke. Robert Hochbaum: "Eigentlich sind alle dafür, aber wenns konkret wird, will jedes Land sein Modell durchsetzen."

Kaum Unterschiede scheinbar auch bei der Frage zur Bankenkontrolle: Die "bösen", die die globale Finanzkrise mitzuverantworten haben, die zocken auf Teufel komm raus, müssen stärker beaufsichtigt werden, daneben aber gibt es die "guten", die Sparkassen und Volksbanken. Doch damit der Einigkeit aller Parteienvertreter nicht genug: Klar seien bei der Eurokrise Fehler gemacht worden doch nun gelte es daraus zu lernen, die gemeinsame Währung wieder fit zu machen für ein geeintes Europa. Einige Fragen gar schienen für eine breite Diskussion gänzlich ungeeignet, weil zu spezifisch - die Berechtigung der Extremismusklausel oder das Ehegattensplitting.

Lediglich als Agnes Russo deutlich machte, dass sie als Demokratin gegen rechten wie linken Extremismus-Sumpf gleichermaßen sei, kam es zu einem kurzen Wortgeplänkel mit Lars Legath. Der Stadtrat der Linken verwies darauf, dass er als Mitglied des Jugenverbandes der Partei in Bayern überwacht werden würde und meinte, von Russo als "linksextremer Sumpf" bezeichnet worden zu sein. Ein wenig hilfreicher Beitrag, den wohl nur wenige nachvollziehen konnten. Kein kontroverser Diskussionsbedarf auch in Sachen Abhörskandal. Tenor: Das tut man "unter Freunden" nicht. Wenigstens Piratenvertreter Grünler steuerte einige Bemerkungen aus technischer Sicht bei.

Am Ende der zweistündigen Veranstaltung hatten die Kandidaten schließlich noch Gelegenheit für sich zu werben und zu begründen, weshalb gerade sie die Stimme der meist Erstwähler verdienen. "Weil ich die jungen Leute der Region vertreten möchte" (Pfau), "weil ich unvoreingenommen rangehe" (Grünler), "weil ich die Energiewende will" (Russo), "weil ich mich gern auf höherer Ebene für die Jugend einbringen will" (Zabel), "weil ich gut vernetzt bin" (Hochbaum), "weil es Zeit für einen Paradigmenwechsel ist und ich für eine Fortsetzung von Schwarz-Gelb stehe" (Treeck). Nach 120 Minuten war dann gänzlich die Luft raus - was die im Saal ebenso betraf wie das Verlangen nach weiterer Diskussion.