Wahlbetrug, Flüchtlingswelle und Volkszorn

Plauen - "Dass das vogtländische Plauen zeitlich und inhaltlich voran ging, sollte nicht vergessen werden. Es ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Stadt, Sachsens und Deutschlands", zitierte Gerd Naumann vom Vogtlandmuseum den Professor für Alte Geschichte und DDR-Kenner, Wolfgang Schuller.

 

Naumanns Vortrag war Teil der Vorpremierenfeier des Filmes ,,40 Jahre sind genug" der MPC-Filmproduktion. Nach ihrem Erfolg mit ,,Codename Brisling" packten Torsten Schad und Tino Peisker die Chance beim Schopf und wagten sich filmisch an den Niedergang der DDR, gerade passend 20 Jahre nach der friedlichen Revolution. Etwa 150 Gäste fanden sich am Mittwoch Abend im Malzhaus ein. Geladen von der IHK und der Stadt Plauen, wurde die Veranstaltung durch die Merkur Bank ausgerichtet. Als Hauptsponsor lag Siegfried Lingel die Präsentation sehr am Herzen, habe er die überwältigenden Ereignisse doch mit großer Freude aus dem "Westen" beobachtet.

Der Ausschnitt von etwa vier Minuten sorgte auch an diesem Abend für reichlich Gesprächsstoff und schon vorab ernteten Schad und Peisker Lob für ihre Arbeit, mit der sie unglaubliche Emotionen bei den Anwesenden weckten. "Als wir Codename drehten, merkten wir, dass wir nicht auf offene Ohren stießen. Keiner wollte reden oder gar vor die Kamera. Fast alle zweifelten an, was wir taten. Jetzt ist das ganz anders. Nach dem unglaublichen Erfolg des letzten Filmes wird uns wesentlich offener entgegengetreten. Die Menschen kommen sogar auf uns zu. Wollen uns helfen, Informationen geben oder finanziell unterstützen. Die Offenheit jetzt ist eine ganz andere.

 

Schon Mitte der 90er trug ich mich mit dem Gedanken, dieses Thema zu dokumentieren. Das Buch von Thomas Küttler hat mich wesentlich dazu inspiriert. Doch damals waren wir einfach noch nicht soweit. Natürlich ist auch das Thema etwas einfacher. Diesmal geht es wirklich um die menschlichen Schicksale, und die Sequenzen zum Beispiel mit der Schreibmaschine werden nachgedreht", so Peisker. Der Dokumentarfilm zeigt Hintergründe und neue Sichtweisen. Er dreht sich um den Wahlbetrug, die große Flüchtlingswelle und die Zuspitzung der Lage im ganzen Land.

Auch Plauener fuhren damals mit den Flüchtlingszügen aus Prag noch einmal über DDR-Territorium und so auch durch ihre alte Heimatstadt. Umbruchstimmung machte sich breit. "Auf einer geliehenen Schreibmaschine verfasst Jörg Schneider einen Aufruf zu einer Protestdemonstration in Plauen. Detlef Braun dreht am 7. Oktober 1989 mit seiner 8mm-Kamera die Bilder seines Lebens. Tausende finden sich am Tunnel ein, die Stimmung ist angeheizt, droht sogar zu kippen. Die Staatsmacht greift zu gewaltsamen Mitteln gegen die Demonstranten.

Für Plauen ist der 7. Oktober ein historisches Datum. Erstmals zwingt in der damaligen DDR der Protest die Staatsmacht einen Schritt zurück. Willkürliche Verhaftungen am Abend des 7. Oktober stellen nur noch ein letztes Aufbäumen der DDR-Führung dar. Nach 40 Jahren haben die Menschen endlich den Mut gefasst und so den Wandel herbei geführt", heißt es auf der Website zum Filminhalt.

"Nachhaltigkeit wollen wir damit erreichen. Material auch für den Geschichtsunterricht soll entstehen. Gerade die jungen Leute, die keine Berührung mit der Wende hatten, könnten durch den Film zum Nachdenken angeregt werden. Deshalb haben wir uns eine Laufzeit von etwa 30 Minuten vorgegeben", so Torsten Schad. Der mittlerweile dreifache Vater war 1989 16 Jahre und hat von den Ereignissen in der Schule erfahren. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Tino Peisker, damals 19, der am 4. Oktober mit einem Ausreiseantrag die DDR offiziell verließ. So haben beide eine neutrale Sicht auf die Dinge, sagen sie. Für die nächste Woche stehen noch einige Interview-Termine an und vielleicht Gespräche, die weit in die Tiefe gehen könnten. Bis zum 7. Oktober muss alles abgedreht sein, denn an diesem Tag präsentieren Ad astra und die Sternquell-Brauerei die Premiere der MPC-Film-Produktion. Eine ganz besondere Veranstaltung soll es werden, an diesem Samstagnachmittag um 15 Uhr.

Unterstützt vom Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth entsteht ein Umfeld, das die Atmosphäre einer längst vergangenen Zeit schaffen soll. So wird es ein Ost- und Westtor geben und sogar ein Stück Mauer wird aufgestellt. Das Catering wird typische ostdeutsche und westdeutsche Leckereien verbinden. Christian Pöllmann von der Firma Ad astra sieht die obere Halle der Brauerei als optimalen Standort für dieses große Ereignis. 500 Personen finden dort Platz, außerdem gibt es genügend Fläche um den Film, der natürlich im Mittelpunkt steht, gebührend zu präsentieren, weiß er. Nähere Information sind auch zu finden unter: www.mpc-film.de