Wärmeversorgung Plauen heizt seit 60 Jahren ein

 

Plauen - Ein kurzer Dreh an der Schraube von "Zwei" auf maximal "Fünf", wenn es sich um einen besonders kalten Tag handelt, und wenig später ist das Wohnzimmer so richtig schön kuschelig, steht einem gemütlichen Fernseh-Abend nichts im Wege.

 

Mehr muss der "Wärme-Versorgte" nicht wissen, wie es ihn in der Regel auch wenig interessiert, wie der Strom in und wieder aus der Steckdose kommt. Ulrich Schröter, Geschäftsführer der Wärmeversorgung Plauen (WVP) sähe es gern, dieses Desinteresse ein wenig aus den Köpfen seiner Kunden zu vertreiben. "Die Wärmeversorgung wird bisher lediglich zur Kenntnis genommen", formuliert er zum gestrigen Pressegespräch diplomatisch. Dass Krankenhaus- und Pflegepersonal, Bus- und Straßenbahnfahrer und viele andere Dienstleister auch an Sonn- und Feiertagen rund um die Uhr arbeiten, sei bei den Leuten angekommen. Doch auch seine Männer und Frauen, insgesamt 32, sorgen ununterbrochen dafür, dass keine Wohnung kalt bleibt. Im Notfall genügt auch an Heiligabend ein Anruf, ein Service-Mitarbeiter schaut vorbei und eine halbe Stunde später kann im Warmen weiter beschert werden.

13 000 Wohnungen sind an das Fernwärmenetz der WVP angeschlossen, die einschließlich ihrer Vorgängerunternehmen seit 60 Jahren in Plauen aktiv ist. Insgesamt, so Schröter, betreue man 250 verschiedene Kunden - vom Eigenheimbesitzer bis zu Großunternehmen wie die Wema, Plauen Stahl Technologie, das Helios Vogtlandklinikum oder die Einkaufszentren im Herzen der Stadt. Als Heizwasser oder Dampf vom Heizkraftwerk Hammerstraße und dem Heizwerk Seehaus gelangt die Wärme über das 50 Kilometer lange Leitungsnetz zu den Kunden - größtenteils unterirdisch. Die entsprechenden Schaumstoff isolierten Rohre wurden Mitte der 90er Jahre verlegt.

Vor allem auf den umweltschonenden Aspekt der Wärmeerzeugung macht der Chef aufmerksam. Rund 90 Prozent der Wärme wird durch Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt. Das heißt, es wird quasi nebenher Strom erzeugt, noch dazu mit einem wesentlich höheren Wirkungsgrad als der in Kohlekraftwerken erzeugte. Und nicht gerade wenig: 4,5 Millionen Kilowattstunden waren es im Vorjahr. Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht 2500 kWh jährlich. Rein rechnerisch ließen sich also 2000 Haushalte mit Strom aus der Hammerstraße versorgen. Tatsächlich wird ein Teil ins Plauener Netz eingespeist, ein anderer für eigene Zwecke verwendet.

Haare wachsen immer, also braucht es auch immer Friseure, weiß der Volksmund. Wärme wird immer benötigt, zumal im Winter. Das Unternehmen in der Hammerstraße also eine Insel der Glückseligen inmitten krisengeschüttelter anderer Unternehmen? Jein. Denn das Fernwärmenetz wurde in den 90er Jahren installiert und auf Zuwachs eingerichtet. Von inzwischen geschlossenen Unternehmen, gar Rückbau ganzer Wohnblöcke, war damals nicht die Rede. Daher, so der Geschäftsführer, gelte es nun vor allem, den Kundenstamm zu halten und parallel dazu in moderne Technologie zu investieren. Wenn, wie im Chrieschwitzer Hang, Netzteile stillgelegt werden müssen, sei es immer noch günstiger, wenn sich diese Verluste auf möglichst viele Kunden verteilen. 465 000 Euro wird das Unternehmen in diesem Jahr für Investitionen und Aufwendungen in das Fernwärmenetz bereitstellen. Eine etwa 40 Prozent höhere Summe als im Vorjahr, die in 19 Einzelmaßnahmen einfließt.

Zu den größten Brocken gehört der Neubau des Prozessleitsystems im Heizkraftwerk, für den während der zweijähtigen Bauzeit 370 000 Euro bereitgestellt werden. Teilweise erneuert wird auch das Fernwärmenetz am Hammerplatz in Verbindung mit dem Bau des Elsterradweges, in der oberen Kaiserstraße und "im Hang". Kundenneuanschlüsse erfolgen im Herbst unter anderen im Behördenzentrum und der Sporthalle Europaratstraße. Dass sich die ebenfalls für dieses Jahr geplante Trassenumverlegung im ehemaligen Horten als Grundlage für den Neubau des Landratsamtes verzögern könnte, wirft Schröter und seine Mannen nicht aus der Bahn - das Horten gilt eh nicht als Neuanschluss, wurde das einstige Kaufhaus doch schon immer mit Fernwärme der WVP verorgt. Und natürlich weiß Schröter auch, dass sich Superlative in der Presse besonders gut "verkaufen". Also: Der Winter war und ist kalt. Welche Folgen hat das für den "Verkauf" von Wärme? Hinsichtlich des Wärmeabsatzes lag man in den ersten beiden Monaten dieses Jahres 20 Prozent über dem Plan, aber nur fünf Prozent über den Vorjahreswerten.

In der Tat, so Schröter, machen sich einzelne besonders kalte oder heiße Tage umsatzmäßig kaum bemerkbar. Und: Auch der kälteste Tag des aktuellen Jahres - es war der 27. Januar mit einem Mittel von minus 14,5 Grad - muss nicht zwangsläufig den absolut größten Umsatz bringen. Dies sei zwar seit 2003 so gewesen, aber in den Jahren davor habe man eben auch noch mehr Kunden am Netz gehabt. An besagtem 27. Januar lag der Umsatz aber immerhin 30 Prozent über dem eines "normalen" Tages. Mit Durchschnittswerten von minus 4,8 Grad zeigte sich der erste Monat dieses Jahres zudem deutlich kühler als seine Vorjahreskollegen, die im Mittel 0,3 Plusgrade auswiesen. Fazit: Packt man die Leute bei ihrem Lieblingsthema, dem Wetter, wird auf einmal auch so ein vermeintlich "trockenes" Thema wie die Wärmeversorgung interessant. va