Wackeln in Bad Elster Arbeitsplätze?

Bad Elster - Was würde beispielsweise ein Kinobetreiber tun wenn er merkt, dass partout niemand die Nachtvorstellungen besucht und der Mann an der Technik für lediglich zwei oder drei Besucher die Bilder zum Laufen bringt?

 

Welche Schlussfolgerungen würden die Plauener Verkehrsbetriebe ziehen, wenn die Nachtlinie nach Großfriesen von niemandem frequentiert würde? Das Ergebnis wäre - natürlich auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht - wohl das Gleiche. Man würde die Nachtvorstellung streichen und den Linienverkehr zu dieser Zeit einstellen.

 

Betriebswirtschaftlich denken

 

Nicht anders verhält es sich bei der Sächsischen Staatsbäder GmbH. Nach dreimonatigen Befragungen unterschiedlicher Personen aus verschiedenen Bereichen kam das Leitungsteam um Geschäftsführer Gernot Ressler zu dem Ergebnis, die Öffnungszeiten der Bade- und Saunalandschaft Bad Elster und Bad Brambach, des Medizinischen Trainings- und Bewegungszentrums, der Therapie- und Wellnessbereiche beider Orte sowie der Marien- und Moritzquelle den Bedürfnissen der Gäste anzugleichen.

Ressler macht kein Hehl daraus, dass sich dies auch betriebswirtschaftlich sinnvoll auswirke. Wenn beispielsweise morgens zwischen 9 und 10 Uhr statistisch 0,5 Personen täglich die Sauna besuchen, für diesen "halben Menschen" aber ab sechs Uhr geheizt werden müsse, wofür wiederum Personal beansprucht werde, dann schlage das freilich auch finanziell zu Buche.

Demzufolge habe man Dienstpläne und Schichten geändert - nunmehr hat das Bad statt wie bisher täglich von 9 bis 22 Uhr, nur noch von Sonntag bis Donnerstag 9 bis 21, freitags und samstags von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Auch die bisher täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnete Sauna lädt künftig sonntags bis donnerstags von 10 bis 21 und freitags und samstags von 10 bis 22 Uhr zum Schwitzen ein. Die Öffnungszeiten der adäquaten Einrichtungen in Bad Brambach bleiben zunächst unverändert. Zugleich macht der Chef deutlich, dass auf Kundenwünsche absolut flexibel reagiert werde. "Verspürt eine Gruppe Lust, morgens 6 Uhr zu sanieren, dann sperren wir auf", so der Österreicher.

 

Flexibilität oberstes Gebot

 

Flexibilität gilt übrigens auch gegenüber kurzentschlossenen Tagesgästen. Spontane Behandlungen sind möglich, können aber nicht garantiert werden. In diesem Zusammenhang verweist Ressler nicht ganz ohne Stolz auf die Tatsache, das beide Sächsischen Staatsbäder medizinisch-therapeutische Leistungen täglich, also auch an den Wochenenden, anbieten.

Auch für das Medizinische Trainings- und Bewegungszentrum, vielen besser als "mobilixx" bekannt, gelten neue Öffnungszeiten: Montag bis und Freitag von 8 bis 12 und 14 bis 20 Uhr (zwischen 1. September und 30. April dienstags und donnerstags bis 21 Uhr), samstags von 16 bis 19 Uhr und sonntags von 9 bis 13 Uhr. Der Elsteraner Therapie- und Wellnessbereich hat Sonntag bis Donnerstag von 8 bis 21 Uhr, freitags und samstags von 8 bis 22 Uhr geöffnet, sein Brambacher Pendant täglich von 8 bis 22 Uhr.

Neues auch bezüglich der beiden Quellen - der Marien- und der Moritzquelle. In Ersterer kann das gesunde Nass wochentags von 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 9 bis 12 und 13.30 bis 18 Uhr genossen werden. Den bisher gewohnten Gläserausschank wird es nicht mehr geben - stattdessen setzt Ressler auf kompetente Information an der Gästerezeption im Erdgeschoss des Albertbades. Stichwort: Neues Kundenleitsystem. Aus hygienischen Gründen kann sich der Quellen-Gast Einweg-Becher "zapfen" und sie anschließend selbst entsorgen. Wie bisher bleibt die Moritzquelle - geöffnet von Ostern bis Oktober dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 17 Uhr - kostenfrei. Erklärtes Ziel und Aufgabe des Unternehmens sei, die Energiekosten um insgesamt 20 Prozent zu senken, wobei dem Geschäftsführer klar ist, dass die geänderten Öffnungszeiten nur ein Mosaikstein auf dem Weg dahin sind.

 

Wackeln Arbeitsplätze?

 

Mehr Kopfzerbrechen bereitet zumindest den Mitarbeitern eine andere Prozentzahl: 10,7 Prozent der Personalkosten sollen bis nächstes Jahr eingespart werden. Ein Thema, mit dem Ressler besonders sensibil umzugehen versucht. Verschiedenen Personen seien Aufhebungsverträge angeboten worden, wieder andere seien aus befristeten Verträgen ausgeschieden. Einige wenige hätten ihr Arbeitsverhältnis von sich aus beendet, andere seien in Pension gegangen, deren Stellen nicht neu besetzt würden, listet der Chef auf, wie sich die magischen zehn Prozent möglichst sozial verträglich "zusammen addieren" sollen. Ob dies letztendlich so funktioniert, könnte dann allerdings Inhalt eines wesentlich ernsteren Pressegespräches sein.