VW und Zulieferer beenden Machtprobe

Für Tausende Mitarbeiter war Kurzarbeit angesagt. Mit nur vier Sätzen ziehen die Streithähne den Schlussstrich unter die tagelange Hängepartie. Kommt es zu weiteren Fällen?

Plauen/Schönheide/Wolfsburg - VW und die beiden wichtigen Zulieferer in Plauen und Schönheide haben ihre beispiellose Machtprobe beendet und arbeiten wieder zusammen. Europas größter Autobauer und die beiden Unternehmen der Prevent-Gruppe einigten sich am Dienstag in Wolfsburg auf ein Ende der tagelangen Hängepartie, die bei VW zu einem teilweisen Produktionsstopp und Kurzarbeit für Tausende Mitarbeiter geführt hatte.

Darüber, wie die Einigung im Detail aussieht, schweigen beide Seiten. Die gemeinsame Mitteilung nach den 20-stündigen Gesprächen umfasst nur vier Sätze. Die beiden Zulieferfirmen würden die Belieferung von Volkswagen in Kürze wieder aufnehmen, sagte ein Volkswagen-Sprecher. Auch die Zulieferer-Seite bestätigte die Einigung zwischen VW und der Eastern Horizon Group, zu der die Lieferanten Car Trim GmbH, Plauen, und die ES Automobilguss, Schönheide gehören.

Laut VW bereiten die betroffenen VW-Standorte die Wiederaufnahme der Produktion vor, das Thema Kurzarbeit dürfte sich für die Werke in Emden, Wolfsburg, Kassel und Zwickau somit rasch erledigen. Zwischen Volkswagen und den beiden Teile-Zulieferern tobte seit Tagen ein Streit um die Kündigung von Aufträgen.

Dabei ging es vor allem um ein 500 Millionen Euro umfassendes Zukunftsprojekt, das VW mit Car Trim vereinbart und im Juni aufgekündigt hatte. Wegen des Lieferstopps standen bei dem Autobauer viele Bänder still: Der Konzern wartete auf Getriebe-Teile von ES Automobilguss und Sitzbezüge von Car Trim. Wegen des Streits konnten laut VW 27.700 Mitarbeiter in mehreren Werken nicht so arbeiten wie geplant.

Im Stammwerk Wolfsburg stand die Produktion des Golf still. Der Zulieferer ES Automobilguss teilte mit, beide Seiten hätten sich darauf verständigt, die Geschäftsbeziehungen langfristig fortzuführen - "in Form einer gegenseitigen, vertrauensvollen und verbesserten partnerschaftlichen Zusammenarbeit in allen Bereichen." Für die weitere Kooperation seien "Prinzipien" abgestimmt worden, sagte Alexander Gerstung, Mitglied der Geschäftsleitung.

Außerdem habe es eine "gütliche und faire Einigung" über bisher offene finanzielle Themen gegeben. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht nach dem Streit beide Seiten beschädigt. "Der eigentliche Grund für die Posse liegt aber auf dem VW-Einkaufssystem", sagte der Wirtschaftsprofessor.

Besonders kritisiert Dudenhöffer, dass VW sich bei manchen Teilen auf nur einen Zulieferer verlasse. Das Prinzip ist in der Branche bekannt als "Einzelquellen-Beschaffung". Dudenhöffer vermutet, dass "mehr solcher Fälle im Karton schlummern". va