Vowalon: Mit High Tech durch die Krise

Chemnitz/Treuen - Drei Bedingungen braucht Friedmar Götz für den Erfolg: "Fleiß, eine gute Mannschaft und Anpassen an den Markt." Götz muss es wissen, denn mit der Vowalon Beschichtung GmbH hat er in den vergangenen Jahren in Treuen eine Erfolgsgeschichte wie im Bilderbuch geschrieben. Auferstanden aus dem Volkseigenen Betrieb (VEB) Kunstlederfabrik Treuen hat sich die Firma auf dem internationalen Markt für technische Textilien eingerichtet. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz erstmals auf mehr als 30 Millionen Euro. In der Wirtschaftskrise weht nun auch dem Mittelständler der Wind stark ins Gesicht. Bestellungen bleiben aus, die Folge für das stark exportorientierte Unternehmen: Ein Umsatzeinbruch. Vowalon steht symbolisch für die gesamte Textilindustrie. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern ist sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Hier sind 18 000 Menschen beschäftigt, davon zwei Drittel in Sachsen, 2008 ging der Umsatz um gut drei Prozent zurück. Die Branche zittert, erst vor kurzem musste das Traditionsunternehmen Schiesser Insolvenz anmelden. "Das tut uns richtig weh", sagt Bertram Höfer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie mit Blick auf kleinere Zulieferer wie etwa die Textilveredelung Niederfrohna GmbH nahe Chemnitz. "Das waren unternehmerische Fehlentscheidungen", sagt zwar Hartmut Schauerte (CDU), der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung. Die Verbände wollen von Staatshilfen nichts wissen. Doch es trifft sich gut, dass die Branche bereits vor anderthalb Jahren eine Fachtagung anberaumt hat. Statt sich aber an tollen Zahlen zu erfreuen, müssen die Spezialisten aus Wirtschaft, Politik und Forschung auf der ersten deutschen "Zukunftskonferenz Textil" in Chemnitz noch bis zu diesem Freitag über die Themen diskutieren, die im Zuge der Wirtschaftskrise unvermeidlich geworden sind: Globalisierung und Fachkräftemangel. Viele junge Menschen scheuen anscheinend die Branche. "Der Ruf der Textilindustrie muss verbessert werden", sagt der Direktor des Sächsischen Textilforschungsinstitutes, Andreas Berthel. Und Höfer ergänzt: "Textil ist nicht mehr Lärm, Staub, Dreck und schlechte Bezahlung." In der Tat ist die Textilindustrie heutzutage eine High- Tech-Branche. So bestehen rund 15 Prozent eines Autos aus Textilien, Beschichtungen aus sächsischen Firmen stecken in den VIP-Sitzen von Fußballstadien. Technische Textilien machen bereits gut 40 Prozent der deutschen Produkte aus, Tendenz steigend. Das traditionelle Geschäft mit Socken und Hemden rückt in den Hintergrund, natürlich auch auf Grund der starken Billigkonkurrenz aus Ostasien. "Wir müssen uns für die Zeit nach der Krise aufstellen", appelliert der Präsident des Gesamtverbandes textil+mode, Peter Schwartze, an die Branche. Helfen soll dabei natürlich die Sparte technische Textilien. Schauerte sieht Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Ländern gut gerüstet: Bessere Netzwerke, bessere Innovationen, gleich 17 Forschungsinstitute, davon 5 in Ostdeutschland, die zentrale Lage. Auch das leidige Thema Produktpiraterie regt ihn nicht mehr allzu sehr auf. "Es heißt nicht mehr China gegen den Rest der Welt", sagt der Politiker. Die chinesische Regierung nehme das Problem nun ernst, Klagen hätten daher mehr Aussicht auf Erfolg. So bleibt das mahnende Beispiel Italien, das mit seinen berühmten Stoffen das traditionelle Textilzentrum Europas ist. Seit Jahren wird es von Billigarbeitern vor allem aus China überrannt, die heimische Industrie hat überhaupt keine Chance. Nun pumpt die Regierung Millionen Euro in die Branche. Ein Szenario, das den deutschen Firmen nicht droht, ist Schauerte sicher: "Die Italiener haben den Wandel nicht mitgemacht."