Vosla Plauen mit neuen Ideen

70 Jahre schon brennen die Mitarbeiter der Narva und heutigen Vosla für Licht. Es leuchtet weltweit in allen Größen an ganz unterschiedlichen Produkten, auch wenn das Auto Zielobjekt Nummer eins bleibt. Aber es gibt ganz neue Ideen.

Plauen - In den 70 Jahren seines Bestehens hat der Plauener Lampenhersteller schon einiges erlebt - gute und schlechte Tage, aber vor allem den Wandel der Kundenwünsche.

Wer sieben Jahrzehnte immer wieder beim Wettbewerb um das beste Produkt auf dem Markt überzeugen kann, der muss schon was können. "Die Technologien und Produkte ändern sich", sagt Markus Winkler, "was bleibt, ist der Kundenwunsch, im Wettbewerb das jeweils attraktivste Produkt anbieten oder anwenden zu können. Und das treibt uns immer wieder an. Ob bei den Automobilherstellern als Erstausrüster oder dem Ersatzteilmarkt", sagt der 44-Jährige.

Er ist einer von drei Geschäftsführern des Speziallampenherstellers Vosla und kennt den Betrieb seit seinem Studiumende 1999. Nach einigen Zwischenstationen kam der Diplom-Ingenieur 2013 zurück und hat jetzt den Hut für Entwicklung und Innovation auf. " Immer geht es uns darum, mit innovativen und verbesserten Produkten unsere Marktzugänge weiter auszubauen. Und der Umbruch auf dem Lichtmarkt ist eine große Herausforderung." Heute hält Vosla unter den Markennamen Narva und vosla für seine Kunden nicht weniger als 500 unterschiedliche Speziallampen und über 100 verschiedene Automotive-Lampentypen bereit.

Und neue Ideen sind schon raus aus der Schublade. Auf der Fahrradmesse Euro-Bike, im Juli in Friedrichshafen hat Vosla gemeinsam mit einem E-Bike-Hersteller den Prototypen eines Fahrrad- Rücklichts vorgestellt. Es besteht aus einem leuchtenden LED-Schlauch, der im Gepäckträger eingebaut ist. "Ich bin selbst Radfahrer und fand die meisten Rücklichter hässlich. Und hat man was Schönes entdeckt, dann musste man es extra sichern, weil es auch Langfingern gefallen konnte. Was man ans Rad dran klicken kann, wie eben ein Rücklicht, kann man auch schnell abmachen. Es ist eben ein Anbauteil. Und das wollten wir ändern", erzählt Markus Winkler.

Und so habe man überlegt - und sei auf den Rohrrahmen des Gepäckträgers gekommen. "Der ist und bleibt robust. Nur wie soll die Technologie aussehen, wenn das Licht positiv auffallen soll? Und dann fiel unser Augenmerk auch auf E-Bikes, nicht nur weil sie immer beliebter werden und die Leute auch bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen, sondern auch, weil wir mit dem Akku auf eine nötige Energiequelle zurückgreifen können. Und so haben wir einen Fahrradgepäckträger aufgefräst, den LED-String eingebaut und alles einem Kunden, mit dem wir schon lange zusammenarbeiten, Anfang des Jahres vorgestellt.

Dem gefiel?s, auch weil das Licht von der Seite zu sehen ist und damit den Radfahrer im Straßenverkehr sicherer macht. Und so sind wir damit auf die Messe Euro-Bike gefahren. Dort haben wir mit Gepäckträgerproduzenten gesprochen und ein positives Echo bekommen", verrät Winkler und auch, dass ein Entwicklungsteam der Vosla dabei ist, eine Kleinstserienfertigung vorzubereiten. "Das kann ein Anfang sein von einer schönen Produktserie", meint Winkler.

Und auch für neuartige Auto- Scheinwerfer gebe es zwei Entwicklungs- Projekte, die aber erst in drei Jahren spruchreif würden. "Natürlich sind wir auch bei unseren Halogen- Speziallampen immer auf der Suche nach Neuem", sagt Winkler. Es gebe auch eine Reihe von Projektideen, mit denen Kunden auf den Lampenhersteller zukämen. "Solche Dienstleistungen sollen für uns ein neues Standbein sein. Wir haben schon in diesem Jahr Spezialanfertigungen für Kunden in 1.000 bis 10.000 Stück verwirklicht."

Die Herstellung von Autoscheinwerferlampen hat in Plauen schon eine über 40-jährige Tradition. Und noch immer ist es das Kerngeschäft des Unternehmens und seine Existenzgrundlage. "Dreiviertel unserer Produktion ist für den Automarkt bestimmt - ob für den Erstausrüster oder den Ersatzteilmarkt. Der Rest sind Speziallampen. Diese reichen von Bahnsignalleuchten über Flugfeldbeleuchtung bis hin zu Medizintechnik. 40 Millionen Lampen werden wir insgesamt in diesem Jahr produzieren. Das ist eine Menge, aber rund zehn Prozent weniger als 2017", sagt Winkler und spielt damit auf die Wiedergewinnung von Kunden an.

"In den Nischen liegt die Chance. Gerade bei den Speziallampen. Wir haben Kunden in über 80 Ländern und im Automobilbereich gibt es keinen weißen Fleck auf der Landkarte." Mit dem Philips-Konzern, der sich von seinem Plauener Werk trennte und auch als Hauptkunde wegfiel, gebe es auch einen neuen Vertrag, aber zu schlechteren Konditionen.

Winkler nennt stolz das hochmoderne Entwicklungslabor, in dem an neuster Autobeleuchtung geforscht wird. "Wir können hier Lichtquellen entwickeln, kleiner als es die meisten Mitbewerber können", sagt er. Aber auch das Design spiele dort eine immer größere Rolle. Doch Winkler will auch mehr Konzentration auf die Nutzfahrzeugsparte und Speziallampen. "Trucks-Scheinwerfer brauchen zum Beispiel mehr Robustheit, Vibrations- und Stoßfestigkeit. Bei den Speziallampen sind oft kleiner Serien gefragt, eine Nische, aus der sich große Lampenhersteller zurückziehen und Vosla schon einen Fuß in der Tür hat."

Aktuell arbeiten bei Vosla, die seit Herbst 2017 mit der DI Mittelstand, einer Beteiligungsgesellschaft aus Frankfurt am Main, einen neuen Eigentümer hat, 217 Mitarbeiter. Während der Insolvenz wurden 100 Stellen gestrichen. In diesen Tagen haben zwei Azubis neu angefangen, insgesamt gibt es sechs Auszubildende, die gute Chancen haben, übernommen zu werden.

"Die Vosla ist gut aufgestellt. Unser Ziel ist, mit den Ressourcen, die wir haben, qualitativ hochwertige Lampen zu fertigen. Wir werden uns mehr spezialisieren. Und wir müssen den Vertrieb weiter stärken", sagt Bernd Schwieder. Der 40-jährige Gelsenkirchner ist seit einem Jahr bei der Beteiligungsgesellschaft DI Mittelstand und arbeitet in Plauen als Projektleiter Vertrieb und Marketing.

"Wir müssen peu a peu den Investitionsstau lösen und die Label Narva und Vosla besser vermarkten, um auch ehemaligen Kunden zu signalisieren, dass wir wieder ein Partner sind, auf den sie sich verlassen können", sind sich Winkler und Schwieder einig.