Vorsicht - Skifahrer im Museum

Schöneck - "Zugleich werden Eltern aufgefordert, ihren Kindern das Anlegen oder Benützen von "Hölzeln' auf Straßen und Plätzen der Stadt zu untersagen." Nicht gerade kinderfreundlich - doch dieser Auszug aus einer Bekanntmachung des Schönecker Wochenblattes vom 17. November 1872 ist die erste urkundliche Erwähnung wintersportlicher Aktivitäten im Ort. 1891 war der dortige Zigarrenfabrikant Gustav Schuncke der erste vogtländische Skiläufer, der seine Skier direkt aus Norwegen bezogen hatte. Und Moritz Dick war der erste sächsische Postbote, der Briefe nach Schilbach auf Skiern austrug.

Organisierten Wintersport gibt es in Schöneck seit genau 100 Jahren, nachdem 1909 der Wintersportverein gegründet wurde, der schon damals vor allem im Hinblick auf die Förderung des Fremdenverkehrs gegründet wurde - schließlich gab es sehr viele Gasthäuser im Ort. Zunächst waren Rodeln und Eislaufen die bevorzugten Sportarten, wobei von Anfang an bemerkenswert viele Frauen dabei waren.

Besonders beliebt war das Schlittschuhlaufen auf dem Stadtteich. Doch recht bald legte man im Verein auf das Skilaufen das Hauptaugenmerk. So entstand hier die erste Skisprungschanze im Vogtland, die "Vogtlandschanze", die sich etwa auf dem Gelände der späteren Kaserne befand, allerdings nur kurze Zeit genutzt wurde. Die zweite Schönecker Schanze mit einem hölzernen Anlaufgerüst, einem Naturanlauf und einem massiven Schanzentisch, der heute noch existiert, befand sich links neben der Bergstation der jetzigen Skiwelt und wurde 1923 geweiht. Die Schanze, die Sprünge von etwa 45 Metern erlaubte, trug den Namen Albert-Petzold-Schanze im Gedenken an den engagierten Skisportler des Ortes, der im ersten Weltkrieg gefallen war. Zur Austragung der vogtländischen Kreiswettkämpfe 1923 kamen immerhin 10 000 Besucher. Ab 1931 hieß sie Erich-Popp-Schanze in Erinnerung an den dort tödlich verunglückten Sportler. Noch heute findet alljährlich der Erich-Popp-Gedächtnislauf statt.

In den 30er Jahren erhielt die Schanze einen kompletten hölzernen Sprungturm, der allerdings 1958 nach einem Sturm zusammenbrach. Noch einmal wurde dieser neu gebaut und die Schanze 1960 geweiht, bis sie 1980 wegen Baufälligkeit und Errichtung des FDGB-Ferienheims abgerissen wurde.

Eine dritte Schanze sollte Anfang der 50er Jahre am jetzigen Gleitflughang entstehen, wobei bereits erste Bauarbeiten erfolgt waren. Doch mit der Neuordnung der Kreise in der DDR und der Zuordnung Schönecks zu Klingenthal wurde das Projekt zu den Akten gelegt und später die Aschbergschanze in Klingenthal errichtet. Denkbar, dass auch der Olympiamedaillengewinn des Klingenthalers Harry Glaß zu dieser Entscheidung führte, doch belegt ist dieses allerdings nicht.

Die Geschichte des Schönecker Skisports ist aber nur ein Teil der Sonderausstellung, die noch bis Oktober zu sehen ist. Historische Fotos, Werbepostkarten, Prospekte, Zeitungsausschnitte und vieles mehr geben einen Querschnitt der Geschichte des Schönecker Wintersports. Aufschlussreich auch die Skier von etwa 1900 bis 1980, die die Entwicklung dieses Sportgeräts zeigen und von denen ältere Modelle verdächtig an ein Baumarkt-Brett erinnern. Unterschiedlichste Sportbekleidung von etwa 1910 bis 1970, Ausrüstungsgegenstände und eine Skiwerkstatt mit Originalteilen bis in die 70er Jahre existierenden Werkstatt von Otto Meinel runden die Exposition ab.

Ebenso interessant ist ein bis Mai zu sehender Sonderteil mit Briefmarken, Postkarten und Briefen zum Thema "Sächsischer Wintersport", die aus der Sammlung von Günter Zill aus Plauen stammen.  H.S.