"Vorhang auf"

In jedem Jahr mit Spannung erwartet: die Eröffnung der Spielzeit am Vogtlandtheater in Plauen. So hieß es am Freitag: Vorhang auf! Im Haus fast jeder Platz besetzt, alle Sparten vertreten und die Erwartungen (Spielzeitmotto!) des Publikums an "sein Theater" hochgespannt.

Von Lutz Behrens

Plauen Der Mann hat sich das Publikum erobert. Traf Roland May am Beginn seiner Plauener Karriere noch auf eine gewisse Reserviertheit, so empfangen die Zuschauer in den letzten Jahren den Generalintendanten mit Beifall, der nicht nur obligatorischen Gepflogenheiten geschuldet ist, sondern lang und herzlich. Vier Gespräche galt es zu moderieren, mit den vier Spartenleitern von (in der Reihenfolge ihres Auftritts) Schauspiel, Musiktheater, Ballett und Konzert; allesamt hoch motiviert und kaum zu bremsen im gutgemeinten Mitteilungsdrang.
Aber, sehr richtig, der Intendant verwies auf ein (solide gemachtes, auch weil die Schwarz-weiß-Porträts wieder farbig wurden) Spielzeitheft, zahlreiche informative Flyer, das Internet und sonstige Kommunikationskanäle, um nicht an diesem Abend ausführlich das zu wiederholen, was mehr oder weniger jeder leicht nachlesen könne.
Apropos aktuelles Spielzeitheft. Fand sich in der Ausgabe 2018/19 die Belegschaft leider nicht mehr namentlich aufgeführt, so lässt sich jetzt wieder nachlesen, wer zum Beispiel die Viola spielt oder im Malsaal zugange ist; wer aber wissen will, wie meinetwegen die Ehrenmitglieder oder die Mitglieder des Aufsichtsrates des Theaters heißen, muss bis in die Ausgabe 2017/18 zurückblättern …
Vielversprechend zog zur Eröffnung das Publikum die Ouvertüre zu Mozarts "Don Giovanni" in ihren Bann. Die "Oper der Opern", deren erotisch aufgeladene Handlung heitere mit tragischen Elementen geschickt verknüpft, steht und fällt wohl auch mit der musikalischen Stimmkraft, Ausstrahlung und Präsenz der Titelfigur. Welch eine Aufgabe für einen jugendlichen Bariton! Da freute es den Intendanten umso mehr, für die Titelpartie Sebastian Seitz ankündigen zu können. Einen Sänger, der die ungeteilten Sympathien des hiesigen Publikums genießt. Aber eben auch jemand, dessen künstlerischer Weg nicht in Plauen enden wird. Premiere wird am 2. November sein. Leo Siberski obliegt die musikalische Leitung, Jürgen Pöckel führt selbst Regie.
Einen Vorgeschmack auf die Oper bot mit der Registerarie der auf der Internetseite des Hauses als Gastsänger aufgeführte Marlon da Silva Maia.
Unbedingt genannt werden muss Sandrine Guiraud. Sie können wir wiedersehen, wenn im tiefsten Januar des nächsten Jahres, genauer am 25., "Das Lächeln einer Sommernacht" erstrahlt. Sie sang zur Eröffnungsgala, ausdrucksstark und emotional überzeugend: "Wo sind die Clowns" aus dem Musical, das im Übrigen einem Film von Ingmar Bergmann nachempfunden ist. Die Sparte Ballett warb mit einem Ausschnitt für die unmittelbar bevorstehende Premiere von "Giselle" (20. September, im Großen Haus und mit Musik des von Generalmusikdirektor Leo Siberski dirigierten Philharmonischen Orchesters); auch eine Bar-Szene (Musik Bryan Ferry) wurde präsentiert; aus dem Tanzstück von Annett Göhre, das sich mit dem Zwickauer Maler Max Pechstein beschäftigt.
Frohe Botschaft für alle, die das berührende, extra für Plauen von Odet Ronen choreografierte Tanzstück "Glashäuser" verpasst haben; Roland May informierte, dass es im April/Mai 2020 nochmals Termine in Plauen dafür geben werde.
Der zweite Satz aus Beethovens Siebenter gab einen Vorgeschmack auf das Angebot der acht Sinfoniekonzerte. Dominiert von den drei großen sinfonischen "B"s: Beethoven, Brahms und Bruckner. Aufmerksam machte der Generalmusikdirektor auf das erste am 27. September. Unter dem Titel "Willkommen" sei "ein Spektakel" (Siberski) zu erwarten. Mit dabei ein Artist in Residence: Frank Dupree. Lassen Sie sich überraschen!
Eine Pause gab es an diesem Abend nicht; warum eigentlich? Der Ohrwurm "Weibermarsch" (noch nicht einer politisch korrekten Sprache angepasst, was aber sicher nicht aufzuhalten ist) aus Lehárs "Lustiger Witwe" mit einem blendend aufgelegten Herrenchor und den nicht minder munteren Solisten Frank Blees und Marcus Sandmann entließ nach zweieinhalb Stunden ein frohgelauntes Publikum in die Nacht und eine mit Spannung erwartete Spielzeit.