Vordenker in der Region

Die Frage "Bleibt er" lag für viele der Gäste im Raum, doch Prof. Dr. Lutz Neumann konzentrierte sich beim Festakt auf das Jubiläum 20 Jahre Studienakademie Plauen. Und dabei gab es Festredner, die zur Frage führende Probleme nicht unausgesprochen ließen.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Zunächst einmal: Er bleibt, "wenn das in der kommenden Woche versprochene Gespräch so läuft wie vorab angekündigt", bekäftigt Prof. Dr. Neumann dann doch am Rande des Festakts auf Nachfrage. Zu seinen Forderungen an das Wissenschaftsministerium gehörte neben einer Honorarprofessorenstelle auch die nach einem Hausmeister für den neuen Campus. Und man höre und staune: Wie Dr. Bruno Bartscher vom Wissenschaftsministerium vor den Gästen aus Kommunalpolitik, Wirtschaft, Behörden und Institutionen sagte, "haben Wissenschaftsministerium, Finanzministerium und Staatskanzlei an einem Strang gezogen, so dass die Studienakademie einen Hausmeister bekommt". Landrat Rolf Keil verriet später: "Die Staatskanzlei hat einen Hausmeister in Plauen", was sagt, Ministerpräsident Michael Kretschmer bezahlt aus seinem Fonds die Stelle. Aha. Und auch Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Ich verstehe nicht, dass man drei Ministerien braucht, um einen Hausmeister einzustellen. Da bin ich froh über unsere Wege."
 Dabei will der Freistaat in den neuen Campus über 25 Millionen Euro investieren, ein Großteil ist bereits in den Umbau des Amtsgerichts geflossen. Bis 2022 soll auch das Mehrzweckgebäude stehen, das von der Ruine ummantelt werden soll. "Plauen hat schon jetzt eine neue bauliche und intellektuelle Krone", freut sich der OB, dass sein Traum vom Aufbau des Schlosses Wirklichkeit wird. "Es war die letzte Wunde des Zweiten Weltkrieges."
 Schöner Campus ist das eine, die Studieninhalte das andere. Und da hat die Plauener Studienakademie Hervorragendes geleistet, wie alle Festgäste betonten. Und Prof. Dr. Andreas Hänsel, Präsident der Berufsakademie Sachsen spricht von "Wachstumsschmerzen", angesichts der Personalprobleme, die vergangene Woche öffentlich wurden. Wie auch Dr. Bartscher spricht er der Studienakademie Plauen ins Gewissen, in eine Konsolidierungsphase zu treten und dann erste weitere Studienkonzepte zu entwickeln, wenn Geld für Personal zur Verfügung steht.
 Doch dabei hat sich der jüngste und kleinste Standort der Berufsakademie Sachsen gerade deshalb in den vergangenen Jahren so gut entwickelt, weil das Team um Direktor Prof. Dr. Lutz Neumann auf der Suche nach neuen Lehrinhalten auf Alleinstellungsmerkmale gesetzt hat, für die die Gründungsväter vor 20 Jahren den Grundstein gelegt haben. "Wir sehen den Bereich Gesundheit als Schwerpunkt in Plauen", sagte Prof. Dr. Neumann. 
 1999, als die Außenstelle der Staatlichen Studienakademie Breitenbrunn in der ehemaligen Seume-Schule eröffnet wurde, gab es zwei Studiengänge (Management im Gesundheitswesen und Handel) und die ersten 34 Studenten wurden immatrikuliert. 
 In 20 Jahren hat sich die Zahl der Studenten an der Studienakademie verzehnfacht, aktuell sind es 339. "Das ist ein seltener Wachstumsschub", sagte Dr. Bartscher anerkennend. Und an den OB gewandt: "Da muss man bald ein neues Baugebiet ausmessen", worauf der Oberbürgermeister zum einen versicherte, es gebe in der Nachbarschaft des Schlossberges Platz, weitere Gebäudeteile zu errichten, und zum anderen, dass die Stadt wie seit 2006 das Gebäude an der Melanchthonstraße weiterhin kostenlos, sprich mietfrei, der Staatlichen Studienakademie zur Verfügung stelle. 
 Neben dem Bereich Gesundheit hat sich auch der für Lebensmittelsicherheit stark entwickelt. Beide bedienen die Gebiete, auf die Menschen verstärkt Augenmerk legen. Mit Lebensmittelsicherheit als Studiengang war 2011 die Studienakademie bundesweit die Erste. Und mit der theoretischen Fortbildung für Lebensmittelkontrolleure ab diesem Jahr hat die Plauener Bildungsstätte wieder einen Nerv getroffen, wie die Anmeldungen aus der gesamten Republik zeigen. Und auch bei dem Physical Assistent hat die Studienakademie die Nase vorn. Ebenso ist sie mit der Studienrichtung Systemgastronomie-Management in eine Marktlücke gestoßen.
 Aber auch in den technischen Studiengängen sorgt die Studienakademie für den notwendigen Fachkräftezuwachs, auf den vor allem die regionale Wirtschaft angewiesen ist und sehnsüchtig erwartet. "84 Prozent der Studenten der Berufsakademie bleiben bei ihren Praxis-Unternehmen in der Region. Damit ist sie Wachstumsgarant", sagte Dr. Bartscher und nannte zugleich die Anteilnahme der Unternehmen in der Region für Prof. Dr. Neumann und die Studienakademie eine große Wertschätzung und Zeichen des Zusammenhalts. 

Campus-Tag

Am heutigen Samstag lädt die Staatliche Studienakademie Plauen zum ersten "Tag des offenen Campus" ein. Von 10 bis 16 Uhr können sich auf dem Amtsberg 6 Studieninteressierte über das duale Studium, Praxisunternehmen und mehr informieren. Besucher können sich das neue Lehrgebäude ansehen. Zugang über Eingang des früheren Amtsgerichts (über Hammerstraße und Treppenanlage). 
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