Vorbei mit der Herrlichkeit

Das altehrwürdige Burggut an Schloss Voigtsberg hat ausgedient. Den Rest erledigte schweres Gerät.

Von Rente Wöllner

Das Burggut an Schloss Voigtsberg "ist leider Geschichte", meinte Stadtbaumeisterin Kerstin Zollfrank in der jüngsten Sitzung des Oelsnitzer Stadtrats. Kürzlich begann mit dem Herrenhaus der Abbruch des letzten verbliebenen Gebäudes im einstigen Vierseithof. Das Adelswappen der Edlen von der Planitz sank in den Schutt. Wagenremise und Wirtschaftsgebäude sind im Zuge der Ersatzvornahme durch die Stadt bereits dem Erdboden gleich gemacht. Baggerfahrer Dominik Voigt von der Firma Ebersbach riss zunächst eine Ecke des Herrenhauses heraus, was eine Spitzensicht auf den Bergfried von Schloss Voigtsberg ermöglichte. Solides Balkenwerk aus dem Dachgeschoss erwies sich als weitgehend intakt. Den schlimmsten Schaden hatte dem Gebäude vor Jahren der Diebstahl der Dachrinne zugefügt. Das Mauerwerk -gut sichtbar an der bröckelnden Fassade - ersoff.
So wie es Besucher in den vergangenen Jahren gekannt hatten - leider nur als Ruine - war das Burggut ab 1864 neu entstanden. Die alte Hofanlage von 1720 war in jenem Jahr abgebrannt. Erstmals erwähnt ist das Vorwerk 1378 im Amtserbbuch von Oelsnitz. Rathausmitarbeiter Frank Gündel blättert im Stadtarchiv die Faszikel auf, die Bauakte. Ferdinand, Edler von der Planitz, hatte am 9. Juni 1864 den Bauantrag gestellt. Im Januar 1866 erfolgte die Bauabnahme der Wagenremise, am 27. Juni 1868 wurde das Herrenhaus abgenommen. Für 1903 vermerkt die Akte den Anbau eines Wagenschuppens an die Remise durch Baumeister Bruno Schuster. Gutshofbesitzer ist damals Friedrich Borree aus Calmitzsch bei Weimar. Ein weiterer Besitzerwechsel an einen Herrn Porzig schloss sich an.
1940 kaufte das Gut Herbert Meinel aus der Insolvenz, dessen Nachfahren das Anwesen bis zur Wende gehörte. Über die sich anschließende traurige Entwicklung berichtete unsere Zeitung des öfteren. Man darf sich heute gar nicht vorstellen, welch tolles Ensemble ein saniertes Burggut zusammen mit Schloss Voigtsberg gebildet hätte. Berge von Ziegeln, Schutt, Balken und Brettern sollen bis Ende Februar abtransportiert werden. Oelsnitzer Bürger durften sich noch Brauchbares sichern. Ein Geschäftsmann holte sich Balken. Daraus will er urige Kerzenständer fertigen - mit Zertifikat.