Vor und nach dem Mauerfall

24 Kalendertürchen, 24 Geschichten, 24 Gewinne: Jeden Tag fliegt eine Eule aus der Drechslerei Kuhnert Rothenkirchen zu einem unserer Leser. Wer die Eule gewinnen will, beteiligt sich an unserem Adventskalenderrätsel via Postkarte, E-Mail oder Facebook. Heute erinnern wir uns an den Fall der Mauer vor 30 Jahren.

Von Cornelia Henze

Hammerbrücke Können Sie sich noch an Ihr erstes deutsch-deutsches Weihnachtsfest in der neuen, noch unbekannten Freiheit erinnern? Vielleicht haben Sie es ja mit Verwandten aus Oberfranken gefeiert, vielleicht lag unterm Baum die heiß begehrte Levis-Jeans oder es gab nach dem Gänsebraten zum Nachtisch Südfrüchte. 32 Menschen aus Ost und West erinnern in ihrer ganz eigenen Sichtweise an die Zeit um 1989 in dem Buch "Mauerfall Deutsche Einheit - Gott sei Dank!" Die Anthologie herausgebracht hat ein Vogtländer: Der Hammerbrücker Buchverleger und Inhaber des Buchverlages "Conceptcion Seidel", Frieder Seidel. Wo wart ihr, als die Mauer fiel? Was habt ihr erlebt? Diese Fragen stellte der 63-Jährige ihm bekannte Frauen und Männern, darunter vogtländische und überregionale Persönlichkeiten. "Ich wollte keine Stereotypen, ich wollte ehrliche Geschichten", so die Intension des Herausgebers.
Im persönlichen Vier-Augen-Gespräch oder auch dem Interview am Telefon erfuhr Seidel persönliche Sichtweisen, Erlebnisse, Schicksale in beiden deutschen Staaten. Dabei gehen die Biografien oft weit zurück, bis in die Kindheit und Jugend der Protagonisten, in tiefe DDR-Zeiten und streifen sogar die Nachkriegsjahre. Ausgewählt wurden vor allem Personen, die sich, wie Seidel auch, in der Kirche engagierten und in der DDR als nicht linientreue Staatskritiker aneckten. Menschen, die statt in der Volksarmee zu dienen, zu den Bausoldaten gingen, die statt Jugendweihe die Konfirmation vorzogen, lieber zum Gottesdienst als zum Parteilehrjahr gingen.
"Ich war am Fernsehen live dabei, als Günther Schabowski seinen berühmten Zettel vorlas", schreibt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der sich als Jugendlicher im Herbst 89 anden Görlitzer Friedensgebeten beteiligte. Vorne dran am Plauener Demo-Zug am 7. Oktober protestierte damals der Plauener CDU-Politiker Frank Heidan - er engagierte sich in der katholischen Kirche Plauen. Wer dabei war, wird beim Lesen die Gefühle von Angst und Sorge, aber auch von Abenteuer und Freude darüber, dass die Staatsmacht zurückwich und ein neues Kapitel der Geschichte beginnt, an der man selbst beteiligt war, wieder spüren.
Viel riskiert hat der Weischlitzer Saunabauer Bernd Erdmann. Als 17-jähriger Hitzkopf hängte er öffentlich ein DDR- und SED-feindliches Plakat auf - und büßte die Tat mit einem Jahr Gefängnis.
Joachim Otto, Kreisrat und Auerbacher Stadtrat, gibt Einblicke in das Leben einer alteingesessenen Drogistenfamilie, die zwar kirchlich und systemkritisch geprägt, aber bemüht war, als bürgerliche Geschäftsleute ihre Niesche im System zu finden.
Sohn eines Stickers, Kruzianer, Regime-Gegner, Wendeprotagonist im Neuen Forum: Als solcher stellt sich der Treuener Zahnarzt Dr. Berthold Rink vor, der vor allem in Auerbach im Herbst 89 eine Rolle spielte.
Dass Ost und West sich im Grunde fremd waren, die Menschen erst lernen mussten, aufeinander zu zugehen, beschreibt der Wahl-Vogtländer Florian Merz. Der Mann, der heute als Musikdirektor in Bad Elster den Taktstock schwingt und sich mit dem Kurort identifziert wie mit keinem zweiten, hatte 1989 als junger Soldat von der DDR "wirklich keine Ahnung". So wie im Osten das Bild vom bösen Kapitalisten gemalt wurde, so habe der Westen alles, was aus dem Osten kam, als vermeintliche Angreifer und Gefahr in die Köpfe der BRD-Bürger projiziert.
Mit den 32 Biografien hat Frieder Seidel ein Buch herausgebracht, das einlädt, selbst die Erinnerung herauszuholen und sie vielleicht aufzuschreiben. Für die Kinder und die Enkel.

Kalenderblatt 7

Wie viele Menschen erzählen in der Anthologie von Frieder Seidel aus ihrem Leben? Wer es weiß, schreibt die Antwort auf eine Postkarte an: Vogtland-Anzeiger, Postplatz 12, 08523 Plauen, sendet uns per Mail unter redaktion@vogtland-anzeiger.de oder antwortet uns unter dem Beitrag auf unserer Facebook-Seite unter dem Kennwort: Kalenderblatt 7. Einsendeschluss: 11. Dezember.
Das Lösungswort von Kalenderblatt 3 lautete: Belinda. Gewonnen hat Rolf Thomä aus Erlbach. Der Gewinn wartet in der Redaktion.