Vor dem Abi zum Studium

Minona, Ida, Emma und Johanna haben ihr Abi noch nicht in der Tasche, studieren aber schon an der Westsächsichen Hochschule Zwickau. Sie und weitere sieben Schüler vom Pestalozzi-Gymnasium Rodewisch haben dort ein Frühstudium begonnen.

Von Cornelia Henze

Rodewisch/Zwickau Einmal pro Woche fahren zehn Mädchen und ein junger Mann nach Zwickau an den Campus. Acht von ihnen peilen in der elften Klasse das Abitur an, drei gehen noch in die zehnte Klasse. Die Verbindung in Sachen Frühstudium zwischen der Rodewischer Pesta und der Westsächsichen Hochschule Zwickau ist noch ganz frisch und besteht erst seit diesem Schuljahr. In der vorigen Woche haben einige der elf Schüler ihre erste Vorlesung erlebt. Die Idee, begabte Gymnasiasten schon Uni- und Hochschulluft schnuppern zu lassen, ist indes nicht neu. Seit 2012 fuhren pro Jahr sieben oder acht leistungsstarke Schüler für ein oder mehrere Semester von der Pesta an die Uni Jena. Ermöglicht hatte das in all den Jahren die Limbacherin Christel Schuster, die zu diesem Zweck die Callidus-Stiftung ins Leben rief.
Diese Verbindung zu Callidus bestehe aktuell nicht mehr, sagt Beratungslehrerin Anja Bobe. "Wir wollten aber das Juniorstudium unbedingt fortführen und haben es nun auf neue Füße gestellt", so die Englisch- und Lateinlehrerin. Die "neuen Füße" ist der Vertrag mit dem neuen Partner, der Hochschule Zwickau.
"Ich interessiere mich sehr für englische Sprache und möchte vielleicht englische Literatur studieren", nennt Minona Löscher ihre Intension, weshalb sie sich als Frühstudentin beworben hatte. Deshalb wählte die Elferin die Fakultät Sprachen/Kommunikationswissenschaften und saß dieser Tage mit Chinesisch-Studenten in der englischen Vorlesung. Gleiche Fakultät wählte Johanna Elsner. In den gerade laufenden Herbstferien - auch in dieser Zeit läuft das Studium - wird die Elftklässlerin erstmals in eine Vorlesung im "Business-English" hineinhören. Die wöchentlichen 90 Minuten Englisch-Vorlesung werden sie, so hofft Johanna, fit machen für ein eventuelles Auslandsstudium nach dem Abi. "Schön, dass ich die Chance bekomme, zum Frühstudium gehen zu können", sagt Johanna, die schon mal spannend fand, was Mitschülerin Ida Berndt über ihren ersten Studientag zu erzählen hatte: In den Vorlesungen werde keine Anwesenheitsliste geführt. Während der Vorlesung gehe es ruhig zu, die meisten hörten freiwillig zu, seien mit ihrer Aufmerksamkeit voll auf den Professor fixiert. Ein ziemlicher Gegensatz zu manch unruhiger Schulstunde am Gymnasium, bemerkt Ida. Sie hat sich in der Fakultät Wirtschaftswissenschaften für die Vorlesung Unternehmensführung eingeschrieben. Nach dem Abi wolle sie studieren, das sei klar, so Ida. Das Frühstudium ermögliche ihr, auszuprobieren, wie sich Studieren "anfühlt". Noch früher als die meisten anderen steigt Zehntklässlerin Emma Georgi ein: Über die Anatomie des Menschen hat sie in der Fachrichtung Biomedizinische Technik einen Grundlagenkurs besucht. Eine gute Basis für ein späteres Medizinstudium, findet Emma.
An der Hochschule erbrachte Prüfungen von Frühstudenten können übrigens für ein späteres Studium anerkannt werden.