Von Tosca angezogen - und abgestoßen

Eine Verkäuferin, die nicht verkauft und Chefs, die sich vor ihre Leute stellen - das ist der Stoff, aus dem eine Theatergeschichte entstand. Plauen - Nein, es soll hier keine Theaterrezension zu lesen sein.

Nur eine kleine Episode rund um Tosca, die Oper von Giacomo Puccini, bei der es um Leben, Leiden und Lieben von gewöhnlichen Menschen geht. Und wie die Hauptfigur hat vermutlich auch ein Mann gelitten, der mit seinen drei Begleitern am Besuch der Oper gehindert wurde. Beobachtet wurde dessen Dilemma von Jörg Reiner Zeller. Der Plauener Rechtsanwalt stand am Tag der Tosca-Premiere (7. Januar) hinter dem Mann an der Besucherkasse, um Last-Minute-Tickets zu kaufen. "Es war etwa 19.20 Uhr als ich nach derartigen Karten fragte. Die Frau an der Kasse sagte mir, ich solle bitte noch warten, ob bestellte Karten doch noch abgeholt werden. Und außerdem sei noch eine Familie mit vier Leuten vor mir dran. Kein Problem, alles gut, sagte ich.

Kurz vor halb acht ging dann der Last-Minute-Verkauf los. Der Herr vor mir bestellte vier Karten, die die Kassenfrau auch sogleich ausdruckte, auf den Tresen legte und den Preis nannte. Der Mann zückte einen 100-Euro-Schein und wollte bezahlen. Die Frau legte Wechselgeld in Scheinen auf den Tresen und fragte nach, ob er noch zwei Euro habe, weil ihr Kleingeld fehle. Der Mann kramte in seiner Geldbörse, zählte zwei Euro ab und legte sie auf den Tisch. In dem Moment kommt eine Theatermitarbeiterin an die Kasse und meinte: ?Der Chef sagt, wir fangen an.?

Dieser Satz hatte für den Mann eine fatale Folge. Statt den Ticketverkauf schnell über die Bühne gehen zu lassen, schob die Kassenfrau den 100-Euro-Schein zurück, schnappte die Eintrittskarten und zerriss sie vor den Augen des verdutzten und verhinderten Theaterbesuchers. So etwas habe ich zwischen London und Mailand noch nicht erlebt - und der Mann samt Begleitung sicher auch nicht. Dabei hätte die Verkäuferin nur die zwei Euro nehmen und in die Kasse legen müssen", schildert kopfschüttelnd Jörg Reiner Zeller. Ja, Toscas Leiden färbten schon vor der hautnahen Bekanntschaft ab. Dabei ist das Vogtlandtheater doch keineswegs in einer so vorteilhaften Lage, Theatergänger verprellen zu können. Oder? "Es gibt eine klare Regelung am Haus zum Vorstellungsbeginn: Das Einlasspersonal im 1. Rang gibt nach Prüfung des Kassenfoyers ein Zeichen an das Parkett, von dort wird der Inspizient informiert.

Wenn noch Leute an der Kasse stehen, um Karten zu kaufen, wird nicht mit der Vorstellung begonnen. Eine Anweisung ?Der Chef will anfangen? gab es weder von Herrn May noch von mir", erklärt Volker Arnold und fügt hinzu: "Als Geschäftsführer des Theaters bin ich generell an einer ständigen Verbesserung der Tätigkeit in der Besucherabteilung interessiert, ist diese Abteilung doch das Aushängeschild des Theaters im unmittelbaren Kontakt mit unseren Besuchern." Er habe mit beiden Kassiererinnen gesprochen, die zur Premiere "Tosca" Dienst hatten. Und diese hätten ihm erklärt, dass zur Premiere am 7. Januar (bis auf zwei Ausnahmen) niemand ohne Karten wieder nach Hause geschickt wurde.

"Die eine Ausnahme ist ein Einzelherr, der ganz am Schluss eine/zwei (?) Last- Minute-Karte(n) haben wollte und wir ihn ganz unproblematisch auf die nächste Vorstellung am 10. Januar verweisen konnten, da wir ausverkauft waren. Die andere Ausnahme ist ein Pärchen, welches irrtümlich erst 19.45 Uhr zu spät zur Vorstellung erschien (der Beginn war 19.30 Uhr). Aus Gründen der Vorstellungsabrechnung werden auch keine zurückgenommenen Karten zerrissen, da diese die Kassiererin zur vollständigen Abrechnung benötigt", gibt Arnold das Gespräch wieder. Einen Widerspruch gibt es schon jetzt: Premierengäste sprechen von einer gut besuchten, aber nicht ausverkauften Veranstaltung.