Von Theuma aus Europa erkunden

Theuma Heute hier, morgen da. Familie Keil aus Theuma ist seit 19 Jahren in fast aller Herren Länder Europas unterwegs. Die Firma Keils Reisen hat auch in diesem Jahr einen interessanten Reisekalender herausgegeben. Fahrten bis nach Skandinavien im Norden und Monaco im Süden werden seit Jahren angeboten. Einige neue sind hinzugekommen. Der Katalog stellt aber auch eine kleine Firmenchronik dar, denn: Das Busunternehmen Keil besteht seit 60 Jahren. Am 2. Mai wird das Jubiläum auf dem Betriebshof mit vielen Gästen gebührend gefeiert.

Mit einem Opel-Blitz als Milchkannenfahrzeug hat 1949 alles begonnen. Firmengründer Karli Keil schuf damit die Grundlage für sein Fuhrunternehmen. Er kann Abende füllen mit seinen Erinnerungen an diese Zeit. Ideen, Improvisationen und Optimismus waren gefragt. Auch um in den Personennahverkehr einsteigen zu können, musste er sich etwas einfallen lassen. Er stattete einen Lastwagen mit einem Holzpritschenaufbau aus und beförderte damit Schulkinder. Später wurde ein ausrangierter Omnibus wieder aufgebaut. Die Zeit des Busunternehmens begann. "Zwölf Busse haben wir zu DDR-Zeiten wieder zum Laufen gebracht", so der heute 85-jährige Theumaer. Solange seine Frau Inge noch lebte, hat sie den ganzen Schriftkram erledigt und sich als Organisationstalent bewiesen.

Als Karli Keil 65 wurde, war es aus mit der DDR. Die neuen Herausforderungen reizten ihn; an Ruhestand wollte er nicht denken. Mit seiner Frau, seinem Sohn Lutz und dessen Frau Gisela wollte er den Reiseverkehr aufbauen. In Busse wurde investiert. Schulden waren bis dahin ein Fremdwort für die Familie. Doch nun gehörten sie zur neuen Zeit. Seit 1999 führt Lutz Keil das Familienunternehmen. Mit Gisela als Reisebegleiterin ging es vor allem nach Österreich, aber auch zu vielen Zielen in anderen Ländern und in Deutschland. Die weitesten Routen führen heute in die Masuren, nach Irland und Schottland. "Zu den beliebtesten Reisen gehörte neben Österreich vor einigen Jahren noch Monaco. Heute sind es Irland und Schottland", so Gisela Keil. "Wir fahren derweil auch viele Vereine. Gern werden Tagesfahrten angenommen. Unser Einzugsgebiet reicht bis Chemnitz und Gera. Vierzehntägig sind Fahrer nach Ungarn unterwegs, um Kurreisende hinzubringen beziehungsweise abzuholen." Zwei Reisebusse sind auf Achse. Weitere fahren im Linien-, Schüler- und Berufsverkehr. Vier Fahrer gehören zum Familienteam. Seit acht Jahren sind außerdem Lutz? Sohn Markus und dessen Frau Madlen dabei. Madlens Hauptarbeitsplatz ist vor allem das Büro, denn Laura (sechs Jahre) und Lenny (ein halbes Jahr) brauchen ihre Mama daheim.

Schwierig seien alle Zeiten gewesen, meinen die Keils. Doch zurzeit mache ihnen die allgemeine wirtschaftliche Lage ganz besonders zu schaffen. Viel Konkurrenz, teurer Diesel, Vorkasse in manchen Hotels, die Kundenzahl geht zurück. "Wir sind ja mit unserem Reiseunternehmen auf die Rentner angewiesen", sagt die Frau des Firmenchefs. "Der aufgebaute Kundenstamm bröckelt nun, weil die Älteren mit ihrem Geld ihre Kinder unterstützen und dann doch mal auf Reisen verzichten müssen." Doch die Familie lässt sich nicht unterkriegen. Zwischen Aus-dem-Koffer-leben, Busse warten und mit noch mehr Komfort ausbauen, Reparaturen und Büroarbeit genießt man das Zusammensein mit den Kindern und Enkelkindern. Und wenn alles gut geht, wird Markus in dritter Generation irgendwann das Unternehmen übernehmen und später mal Lenny? Damit die Firmenphilosophie aufgeht, fahren Keils regelmäßig zur Messe nach Köln, um sich zu informieren. Selbst waren sie auch schon auf Reiseveranstaltungen in Zwickau und Plauen vertreten. In 17 Reisebüros liegen ihre Kataloge aus.     B.W.