Von Kindesbeinen an ein glühender Schumann-Fan

Zwickau - Das Robert Schumann Haus am Hauptmarkt 5 in Zwickau ist zweifellos eines der agilsten kulturellen Zentren der Stadt.

 

Das Haus, in dem Robert Schumann am 8. Juni 1810 geboren wurde, beherbergt heute ein Museum mit einer ständigen Ausstellung zum Leben und Werk Robert und Clara Schumanns, das weltgrößte Schumann-Archiv, hier finden bedeutende Fachkolloquien unter internationaler Beteiligung statt, thematische Ausstellungen zum Leben und Werk Schumanns wechseln sich ab, und im Kammermusiksaal treten bedeutende Künstler der Welt in hochrangigen Konzerten auf. Seit 2005 ist Dr. Thomas Synofzik Direktor der rennomierten Einrichtung.

Dessen Biografie begann am 30 Dezember 1966 in Dortmund. In einem Elternhaus, in dem die Musik durchaus nicht die erste Geige spielte. Dagegen erkannten die Eltern die hohe musikalische Begabung ihres Sohnes, und dieser bekam mit fünf Jahren ersten Klavierunterricht. Dass der Junge zu Schumann fand, war fast ein Zufall. Eine Freundin der Mutter schenkte dem Fünfjährigen eine Schallplatte mit Kinderliedern, darauf auch drei Stücke aus dem "Album für die Jugend" von Robert Schumann. Diese gefielen ihm derart, daß er sie nach dem Gehör auf dem Klavier nachspielte. Und schon bald entwickelte er ein Faible für den Komponisten. Als er zehn Jahre alt war, bekam er eine Biographie Claras, seitdem sammelte er alle Bücher zu Schumann, die er bekommen konnte. Mit 14 Jahren nahm er erstmals an einem Schumann- Symposium in Düsseldorf teil. Die Eindrücke ließen in ihm den Entschluß reifen, später selbst musikwissenschaftlich tätig zu werden.

Die Musik fesselte den sehr musikalischen Jungen, und schon bald nach dem Abitur begann er an der Universität in Köln seine Studien. Musikwissenschaften, historische Tasteninstrumente, Sprachen, Germanistik und Philosophie, ebenfalls an den Musikhochschulen in Köln und Brüssel. Inzwischen waren zum Klavier auch die Orgel das Cembalo, Posaune, Gitarre, Klarinette, Kontrabass und eine Gesangsausbildung hinzu gekommen.

Die Jahre nach dem Studium waren zunächst bestimmt von freiberuflicher Tätigkeit. Konzerte, Vorträge, musikwissenschaftliche Arbeiten, Veröffentlichungen zu speziellen musikwissenschaftlichen Themen, Bucheditionen, und von 1998 bis 2005 war er Dozent an den Musikhochschulen in Essen, Dortmund, Köln und Trossingen. 1998 Promotion in Köln zum Thema "Musik der Zeit von Heinrich Schütz". Und als der Direktor des Schumannhauses in Zwickau, Dr. Gerd Nauhaus in den Ruhestand ging, und die Position neu ausgeschrieben wurde, bewarb er sich. Mit Erfolg, denn seit dem 1. September 2005 heißt der Direktor des Schumannhauses, international geachtete Musikwissenschaftler und Musiker Dr. Thomas Synofzik.

 

Inzwischen ist Zwickau zu seiner zweiten Heimat geworden. Ihm gefällt die Stadt, er mag die Leute, die Architektur, die speziell am Hauptmarkt noch sehr an Schumann erinnert, und hier lief ihm auch die junge Juristin Katrin Reyersbach, Referendarin bei einem privaten Zwickauer Bildungsträger, über den Weg. Diese, wie er in Dortmund geboren und in Unna zur Schule gegangen, war schon vier Jahre früher nach Zwickau gekommen. Weil die Chemie stimmte, Liebe auf den ersten Blick, heißt sie nun ebenfalls Synofzik. Und inzwischen gibt es zwei Kinder, ein Drittes kommt bald hinzu.

"Die Festanstellung mit geregelter Dienstzeit war die Voraussetzung für die Gründung einer Familie", sagt der Vielbeschäftigte, doch seine Arbeitszeit reicht oft bis weit in den Abend hinein. Arbeit an neuen Veröffentlichungen, Reisen zu Auktionen, Tagungen, Konzerte. Und neben der täglichen Routine als Direktor des sehr lebendigen Hauses gibt es ein großes Pensum zu erledigen, das sich aus der Struktur und den Aufgaben des Hauses ergibt, der Forschung, des Archivs, der Kontaktpflege zu Künstlern der ganzen Welt und vielfältigen musikalischen und wissenschaftlichen Veranstaltungen.

Bei alledem steht ihm ein kleiner, aber hoch motivierter Mitarbeiterstab zur Seite, und wenn erforderlich, hilft auch Frau Katrin. Er pflegt eine intensive Zusammenarbeit mit der Zwickauer Robert-Schumann-Gesellschaft, den Zwickauer Museen, und führt internationale Besucher durch das Haus, denn Synofzik spricht Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch und Russisch.

 

Da bleibt natürlich wenig Freizeit. Doch auch diese steht meist im engen Zusammenhang mit der Musik. Thomas Synofzik ist ein leidenschaftlicher Sammler historischer Tasteninstrumente, die einen ziemlichen Raum seines schönen Hauses in der Nähe des Schwanenteiches in Anspruch nehmen; Flügel, Cembali, wunderschöne Instrumente, die er von Zeit zu Zeit zu Konzerten zur Verfügung stellt. Daneben arbeitet er fast ständig an der Veröffentlichung musikwissenschaftlicher und -geschichtlicher Publikationen und Bücher. Und wenn dann doch noch etwas Zeit übrig bleibt, liest er gern Jean Paul, den vierbändigen "Titan" zum Beispiel, hat er ganz studiert. Denn wie Robert Schumann richtig bemerkte: "Es ist des Lernens kein Ende".

Seit fünf Jahren lebt Thomas Synofzik in Zwickau, doch er ist bereits ein echter Zwickauer geworden. Wenn er durch die Stadt geht, oder auf seinem geliebten alten Fahrrad daherkommt, kennt und grüßt man ihn. Und das Schumannhaus ist so lebendig wie nie zuvor. Das zeigt sich gerade im Jahr 2010, dem 200. Geburtstag Robert Schumanns, wobei das Robert-Schumann-Haus im Mammutprogramm der Stadt Zwickau eine zentrale Rolle spielt.