Von der Zeit nach der Wende erzählt

Acht Vogtländer berichten im digitalen Erzählsalon über Youtube über ihr Leben nach der Wende. Anlass für das Internetformat sind 30 Jahre Deutsche Einheit. Einer von ihnen ist der Wahl-Plauener Karl Robert Schnick (83). Diesen Donnerstag ab 18 Uhr kann ein jeder seine spannende Lebensgeschichte hören.

Von Cornelia Henze

Plauen "Ich kann gar nicht mehr sagen, wie viele Nächte ich durchgeheult habe", erinnert sich Karl Robert Schnick an die harten Nachwendejahre ab 1990. Der gestandene Ingenieur mit mehrern Studienund Berufsabschlüssen, Qualifikationen und in Leitungspositionen tätig, stand wie fast alle seine Kollegen Ende 1990 arbeitslos auf der Straße. Sein beruflicher Weg, der 1962 begann in einem sozialistischen Betrieb, dem VVB Musikinstrumente und Kulturwaren Plauen, war damals zu Ende gegangen. Er erzählt davon, wie er sich vom Personaler eines oberfränkischen Textilbetriebes sagen lassen musste, dass es acht Jahre brauche, bis er auf dem Ingenieursposten eingearbeitet sei und er mit 53 zu alt sei. Das lohne sich nicht, habe die Frau damals zu ihm zum Vorstellungsgespräch gesagt. Das sei entwürdigend gewesen, erinnert sich der Akademiker, der in den Jahren bis zur Rente im Jahr 1996 noch Lehrlinge an einem Bildungsinstitut in Zwönitz unterrichtete.

In den etwa 10 bis 15 Minuten Erzählzeit wird man auch anderes Interessantes aus Schlicks Leben erfahren. Beispielsweise, dass als Geburtsort in seinem Pass Paris steht: Weil der Vater, ebenfalls Ingenier, für eine Kältebaufirma in der französischen Hauptstadt arbeitete und mit der Ehefrau für wenige Jahre dorthin verzog. Im Erzählsalon wird Schlick auch vielleicht auch seine Urlaubsreise nach Finnland erwähnen, die er einen Tag nach dem Mauerbau im Jahr 1961 antrat. Von der Mauer habe er auf der Überfahrt auf der Fähre erfahren, erinnert er sich. Drüben im westlichen Ausland ist Karl Robert Schnick nicht geblieben. Schon wegen der Familie, den drei Geschwistern, die alle studieren wollten, nicht.

Aber die Verbindung zu Maritta, der damals jungen Finnin, ist bis heute geblieben. Vor einigen Jahren hat der Plauener sogar über Maritta den Kontakt zwischen Plauen und dem finnischen Rauma hergestellt. Was beide Städte einen, ist die Herstellung und Liebe zur Spitze. "Eine 11 Meter lange Krawatte aus finnischer Klöppelspitze haben wir vor Jahren zum Plauener Spitzenfest an unseren Rathausturm gehängt. Das hatte ich organisiert", sagt Herr Schnick voller Stolz und guter Erinnerungen.


Gespannt sein darf man auf sieben weitere spannende Nachwendestories, so von der Plauener Russisch- und Geschichtslehrerin Erika Volkmann, Jahrgang 1958. dem Hobbyfotograf und Berufsschullehrer Gerhard Armbruster aus Netzschkau, der Agraringenieurin und engagierten Tafel-Frau Waltraud Klarner aus Oelsnitz, dem früheren Russischlehrer und späteren Vermögensberater Werner Hager aus Plauen, der Schuldirektorin Simone Heilmann, dem Unternehmer und Oppositionellen Frieder Georgi aus Falkenstein und dem gelernten Agraringenieur und heute in der Kulturbranche Selbstständigem Bernd Müller aus Markneukirchen.
Gefördert wird das Zeitzeugen-Wende-Projekt durch den Bund, umgesetzt durch das Berliner Unternehmen "Rohnstock Biografien". Unter www.deine-geschichte-unsere-zukunft.de können sich Interessierte am 27. August, 18 Uhr, einloggen, und im Chat auch Fragen an die acht Zeitzeugen stellen. Ähnliche Erzählformate hat Rohnstock bereits über Zeitzeugen anderer Regionen aus der Ex-DDR ins Netz gestellt - zwischen Ostsee, Lausitz und Erzgebirge.