Von der Lippe riskiert große Lippe

Für fast zwei Stunden heftige Lachkrämpfe sorgte der Entertainer und Comedian Jürgen von der Lippe im ausverkauften König Albert Theater. Mit genialem Sprachwitz und Geschichten mit hervorragend witzigen Pointen aus seinem neusten Buch "Der König der Tiere" überzeugte er erneut als Profi des tiefsinnigen Humors, pikant gewürzt mit einer feinen Prise Selbstironie.

Bad Elster - Dabei trat Jürgen von der Lippe gerne auch in einen humorvollen Schlagabtausch mit den Zuschauern. So gleich zu Beginn als er spöttisch bemerkte: "Es heißt die Sachsen sind im Durchschnitt zu dick. Gott sei Dank habe ich das Thema Übergewicht nicht" und aus den Reihen der Zuschauer als Echo "Wir sind Vogtländer!" vernehmen durfte oder auch, als er auf die Bemerkung einer Zuschauerin, es würde ihm ja heute das Hawai-Hemd fehlen antwortete: "Das trage ich nur in der Provinz!"

Auf königlicher Bühne konnte Jürgen von der Lippe somit auch feststellen, dass "Comedians keine Ausbildung brauchen" und "Politiker auch nicht". Von letzteren kämen ja viele nach politischer Niederlage immer öfter ins Kabarett. Wie nahe doch Politik und Showbusiness beieinander liegen erläuterte er mit Heide Simonis Auftritt in der Fernsehshow "Let?s Dance" oder auch Trumps Wechsel von der Show ins Weiße Haus.

Für die Texte in seinen humorvollen Bücher dienten ihm ungewöhnliche und auch abstruse Erlebnisse im Leben als Vorlage. So habe er sich in einem Wellness-Hotel zu einem Moorbad überreden lassen und habe auf die Nachfrage, ob denn jeder Klient dabei sein eigenen frischen Schlamm erhalte ein "Nö" als Antwort erhalten. Allein die Mimik und gezielten Sprachpausen, wie beispielsweise in diesem Moment, bescherte dem Komiker gleich mehrfach Lachsalven von den Zuschauern, obwohl die eigentliche Pointe noch fehlte:

"Im Gedanken, wie da vorher mehrere vor mir in dem Schlamm saßen, ließen mich mit zwei Herpesbläschen an der Oberund Unterlippe aus dem Moor steigen!" Dass herzliches Lachen auch eine sogenannte "Lach-Synkope" mit kurzfristiger Bewusstlosigkeit auslösen könnte, hielt die Zuschauer nicht zurück, sich von weiteren Zwerchfellattacken anfallen zu lassen. So unter anderem, als Lippe behauptete, dass Singles immer die besseren Bettgeschichten hätten, weil sie alles erzählen wie sie Sex haben, man sich dabei aber nie filmen lassen sollte und früher die Partys mit Gruppensex und einer Monatskarte für den Hautarztbesuch ohnehin viel schöner waren als heute.

Nicht minder für zahlreiche Lachtränen sorgte die Komik über das Thema Aberglaube und wie leicht man abergläubische Menschen auf die schiefe Bahn bringen kann. Dazu wählte der Comedian eine Zuschauerin aus, die zugab schon etwas abergläubisch zu sein. Ihr las Jürgen von der Lippe dann das aktuelle Horoskop für den Wassermann vor, nachdem er die Zuschauerin zuvor nach ihrem Sternzeichen befragt hatte. Diese bejahte eine ganze Menge, was da auf sie zutreffen würde. "Ich habe ihn aber gerade das Horoskop der Jungfrau vorgelesen", ließ Lippe dann unter viel Gelächter verschmitzt wissen.

Mit witziger Philosophie macht er dann auch auf seine Vorliebe für Fremdwörter aufmerksam. "Heute schon prokrastiniert?", fragte er und erklärte, das sei ein extremes Aufschieben von Aufgaben, das ihm auch als Autor nicht ganz fremd sei und erzählte von der Geschichte, wie er zufällig einer Freundin begegnete, mit ihr dann erst kurz ins Cafe gehen wollte, dann aber auch Wein trinken und noch im Kino mit ihr war und das seinem geistigen Schaffen ebenso abträglich war wie die Bemerkung seiner Ehefrau danach: "Schatz, wir müssen reden!"

Für weitere Höhepunkte sorgte Jürgen von der Lippe mit dem Auszügen aus seiner Kindheitsbiografie in der es heißt: "Ich habe meine Adoptiveltern nie kennen gelernt. Ich hatte richtige Eltern" oder auch der Geschichte über einen Mann der ein Ehepaar zu Tode erschreckt, weil er sich in einem Beerdigungsinstitut mal umschauen möchte und dann beim "Probeliegen" an den Sarg klopft. "So jetzt kommt eine ganz tolle Geschichte" kündigte Lippe absichtlich mit neckischer Mine an, indem er auf Kollegen aus der Show- Branche wie Helene Fischer anspielte, die immer meinen, nun einen "ganz besonderen Gast" begrüßen zu können.

Die Geschichte von den beiden Hähnen handelte dann um den Kampf um die Hennen,und der Bauer zur Flinte gereift, als er den neuen Hahn dem älteren hinterher rennen sieht und verzweifelt ausruft: "Schon der dritte schwule Hahn in dieser Woche!" Einen tierischen Humor bewies er außerdem mit der Titelgeschichte seines neuen Buches, zu der am Ende übrigens kein Tier zum König gewählt wird, weil sie sich in allerlei Eitelkeiten über sich selbst nicht einigen können, und es auch keinen gibt, der nicht seine Untertanen frisst.

Dazu parodierte Jürgen von der Lippe auf geradezu köstliche Weise nicht nur mit perfekt trompetenden Elfantentönen. Gerne stellte er dazu auch die Vergleichbarkeit mit den Menschen her: "Wenn ich mal Diktator wäre, dann gäbe es nur 20 Gesetze und wer ein neues will, muss ein altes streichen!" Als er so auch Politiker unter die Lupe nahm, dann besonders Martin Schulz, der keine Uhr brauche, weil er entscheidet wie spät es sei und früher ankommt, wenn er mit der Bahn fährt.

Schelmisch erzählte Lippe außerdem den einen oder anderen Witz - wie etwa von der vertrockneten Schildkröte in der Wüste, neben der ein Handy liegt und eine zweite Schildkröte hinzukommt die beteuert: "Du kannst mir glauben, ich bin gleich losgelaufen, als du angerufen hast!" oder auch von dem Patienten, der fragt: "Herr Doktor, kann man Alzheimer heilen?" und als Antwort erhält: "Nein, das können Sie vergessen."

Auch mit Scherzfragen wie unter anderen "Wie stellt man die Waage auf Winterzeit um? Muss man nicht, man muss die Frühlingsrolle nur in Winterspeck umbenennen", brachte Jürgen von der Lippe die Zuschauer bis zur letzen Minute zum Lachen und gab nach reichlich Applaus noch eine weitere Zugabe.