Von der Kraftpost zum Feuerstuhl

Neuen Durchblick gibt es in Oelsnitz von der Bachstraße zur August-Bebel-Straße: Die baufällige Kraftwagenhalle wurde weggerissen.

Oelsnitz - Erhalten bleibt das halbrunde Verwaltungsgebäude aus rotem Ziegelmauerwerk, in dem einst Kraftpoststelle, Rentenstelle und Telegraphentrupp untergebracht waren. Das lange Zeit ungenutzte Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Die Deutsche Reichspost errichtete die Kraftwagenhalle von 1926 bis 1933. Das kostete damals 150 000 Reichsmark. Hier parkten die Wagen der Kraftpost, die nicht nur die Sendungen beförderte, sondern auch den Personenverkehr übernahm. Zahlreiche Beschäftigte fanden hier Arbeit. Das gelungene Ensemble im Geist des Bauhauses ersetzte eine zu klein gewordene Halle, die mit dem neuen Postamt Ecke Bach-/Wilhelmstraße (heute August-Bebel-Straße) von 1924 entstanden war.

Die Kraftpostlinie nach Ebmath erhielt von 1925 bis 1928 Zuwachs durch die Linien nach Falkenstein, Schöneck und Bobenneukirchen/Pirk. Entsprechend vergrößerte sich der Wagenpark auf 15 Fahrzeuge mit Dreiachsern von 12 Metern Länge, darunter acht der gelben Post-Busse (Quelle: Postdirektor Kannebier in Festausgabe der Vogtländischen Zeitung und Tageblatt vom 26. Oktober 1933). Der Komplex der Kraftwagenhalle, dessen Ensemblewirkung nun verloren ist, gehört zu den in Oelsnitz raren und wenig geschätzten Baudenkmalen der Moderne.

Der Kraftpostdienst endete 1954 in der DDR, während er in der BRD weiter ausgebaut wurde und noch Jahrzehnte Bestand hatte. Die Wagenhalle an der Oelsnitzer Bachstraße wurde vom volkseigenen Kraftverkehrskombinat übernommen. Auf dem Areal gegenüber - heute Netto-Markt - befand sich die Tankstelle.

Der heimische Investor hat das Gebäude von Lorac Investment Management gekauft, der Verwaltungsgesellschaft des Lorac Investment Fund, der im Jahre 2008 rund 1200 Objekte von Deutsche Post World Net erworben hatte. Der Oelsnitzer will Informationen zufolge den einstigen Kraftverkehrsstandort für ein Kfz-Gewerbe nutzen. Ein Motorradgeschäft mit Werkstatt soll in dem Rundbau entstehen. Über dem Erdgeschoss ist eine Wohnung von rund 120 Quadratmetern geplant, die bereits einen Miet-Interessenten gefunden habe. R.W.